.M«iüi äSa NATllfWlSSENSCHÄFTLICHE M)CHENSCHRIFT / — ^'^UEFOLXjE 3-BAND ',^ ' 1903 Af c^. /r. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. REDIGIERT VON Prof. Dr. H. POTONIE, und Dr. F. KOERBER, KGL. LANDESGEOLOGEN KGL. OBERLEHRER IN GROSSLICHTERFELDE BEI BERLIN. NEUE FOLGE 111. BAND (DER GANZEN REIHE XIX. BAND). (OKTOBER 1903 — DEZEMBER 1904.) JENA. VERLAG VON GUSTAV FISCHER. 1904. Alk- Rechte vorbehalten. Register. Allgemeines und Verschiedenes. D e B ;i r y , F, r i k s s o n , K 1 c li ;i b n , Myko- plasma-Theorie (mit Abb.l. 859. Börnstein, R., Weshalb Musikstücke mit tiefen Noten schließen. (Ürig.) 793. Dahl, (Jkologieu. Ethologie. (Orig.) 416. Dorn u. Wallstabe, Physiol. Wirk. d. Radiums. 928. France, Neue Untersuchungen über den Bau der Zelle. (S.-R. mit Abb.) 281. Fuchs, W., Das Keimgewebe der leben- den Geschöpfe. (Orig.) 961. G r a e b k e , Das Wesen des Begriffs der Gewohnheit. (Orig.) 625. Heilig, Konjugation u. natürl. Tod. (Orig.) 465- Heuser, Natürl. u. künstl. Erzeugnisse. (Orig. mit Orig. -Abb.) 593. K o 1 k w i t z , Wasserbiolog. Exkursion. 702. Lemke u. Ascherson, PHanzensagen. (ürig.) 687. Macfadyen, Neue Methode physiol. Forschung (mit Abb.) 652. Matthias, Latinisierung von Namen (Orig.) 383. Meisen heimer, Beziehungen der Süd- kontinente zu einem antarktischen Schöpfungszentrum (S.-R. mit Karte) 20. Möbius, K., Vögel, ästhetisch betrachtet. 667. Ner esheimer, Konjugation u. natürl. Tod (S.-R.) 604. P f u h 1 , Die Allmacht des Lichts (Orig.) 433. Plate, Was ist Konvergenz^ (Orig.) 64. Potonic, Plauderei über die Macht der Gewohnheit. (Orig.) 7. Reinhardt, Der Schlaf (Orig.) 801. Schröder, B., Über den Schleim und seine Bedeutung i;69. Schulz, N., Zerfalfdes Biogcn-Moleküls (Orig.) 624. Schutt, Kosmologie als Ziel der Meeres- forschung (Orig.) 705. Weiß, B., Entwicklung (Orig.) 737. Werner, Die Tierwelt in der bildenden Kunst. (Orig.) 835. Der Terminus ,, Experimentelle Morpho- logie". 592. Fette im Haushalt d. Natur u. des Men- schen. 470- 'Honigtau. I 76, 864, 960. PhysiologcnkongreB. 655, 718. Vers. D. Naturf. u. Arzte. 495. Anthropologie und Verwandtes. B e d d o e , Ureinwohner d. brit. Inseln. 616. du Bois-Reymond, R., Physiologie 1 des Schwimmcns. 745. B i e b e r , Anthropologie Äthiopiens. 92 I . Cunningham, Rechtshändigkeit des Menschen. 298. Dahl, Kraniometrie. (' 'rig. mit Orig.-', Abb.) 975. Dodge, Wüsten u. Menschen 665. Fehlinger, Sterblichkeit der europ. u. der Negerrasse (Orig.) 280. Fritsch, G., Vgl. Betrachlungen üb. d. ältest. ägypt. Darstellungen von Volks- typen (Orig. mit Orig.-Abb.) 673. Krämer, A., Anthropologie d. Samoaner 778. Meyer, E., Das Eolithen-Problem. (Orig.). 854. Odernheim er, Die Steinkammern bei Erdbach (Orig.) 150. P r e u ß , Entw. d. allmexik. Religion (Orig.) 257. Risley, Indische Rassentypen. 842. Schwarz, Sintflut u. Völkerwanderungen 160. Stelz ner, Synästhesie 407. Stratz, Was sind Juden? 517. Verner, Hellfarbiger Typus d. Bantu- neger 458. Ward, Rassenverschnielzung 532. Wein hold. Rcfraktionszustände des menschlichen Auges (Orig. mit Abb.) 225, 336. Wettstein, Vererbung und Auslese beim Menschen 361. Wilser, Urheimat d. Menschengeschlechts 74- Wilser, Über angebl. nur kletternde Mensclien (Orig.) 80, 128. Zander, Riesen u. Zwerge (Orig.) 385. Zander, Zwergvölker (Orig.) 417. Amerikanisten-Kongreß 462. Bräunung der Hautfarbe im Sommer 752. Kinderheiraten u. Bevölkerung Indiens 683. Über das Centrale d. Handwurzel 544. Zoologie. Apitzsch, Anpassung der Tiefseefauna (S.-R. mit Abb.) 161. Babak, Nahrung und Länge des Darm- kanals (mit .Abb.) 584. Ballerstedt, Zurückziehung einer Ameisenkolonie durch den Mutterstaat (Orig.) S24. Ballowitz, Gigantische Spermien 519. Bernstein, J., Elektr. Eigenschatten d. Zellen u. ihre Bedeutung 761. Bigelow, Gehörsinn der Fische. 871. Bongard, Biologie unserer Leuchtkäfer (Orig. mit Orig.-Abb.) 305. H ö nn i ngh aus, Gehörsinn der Wale. 1016. Brandes, Duftapparate bei Käfern 500. Brandt, Neuere Ergebnisse der Meeres- forscliung 636. Brenner, Meine Erfahrungen mit Skor- pionen (Orig ) 263. Bretscher, Die Neotenie bei den Am- phibien (S.-R.) 513. Brinkmann, Tiere u. Alkohol I Orig.) 471. Bruhns, Die 6 Berichte Schiaparellis üb. seine Maßforschungen (S.-R. mit Abb.) 49. B r u n i n g , Räuberische Süßwasser- schnecken (Orig.) 9, Brüning. Ampullaria gigas. (Orig. mit Orig.-Abb.) 779. Büsgen, Honigtau. (Orig.) 960. V. Büttel, Lebensweise der Hummeln (Orig.) 299. Chun, Leuchtorgane austral. Prachtfinken 471. Dahl, Schutzfärbungen der Tiere (Orig.) 367- Dahl, Calathus (Orig.) 384. Dahl, Welches Lehrbuch d. Zoologie soll man dem Unterr. an höheren Schulen zugrunde legen (Orig.) 769. Dahl, Planktonforschung (Orig) 830. Dawydoff, Zwischenform zw. Meduse u. Rippenqualle (mit Abb.). 971. Diem, Bodentiere in den schweizer Alpen 644. Dreyer, Einw. des Lichtes auf Amöben 646. E b e r t , Beispiele hervorragender tierischer Intelligenz. (Orig.) 378. Ehrenbaum, Über den Hummer (mit Abb.). 55. Emanuel, Labyrinth u. Thal. opt. des Frosches. 407. Forel, Automatismus. (Orig.) 551. Gör ich. Die neuen Studien über die Zellteilung. (S.-R. mit Abb.) 113. V. Gößnitz, Kicmenbogenlheorie der Wirbeltiere. (Orig. mit Abb.) 129. Guldberg, Wanderungen der Barten- Wale. 987. Günther, K., Nervenendigungen auf den Schmetterlingsflügeln. 666. Haupt, Leuchten der Organsmen. (Orig. mit Orig.-Abb.). 65. H e i n r o t h , Der Vogelzug. 202. :i S 8 2 9 Register. Henning, Gesch. d. Sandflohes in Afrika. (Orig.) 310. Hennings, Marine Myriopoden. 442. HoHiday, Reduktion des Genitalapp. bei Ameisen. 762. H olmgren, Vivipare Insekten (mit Abb.). 714- Holragren, Ameisen als Hügelbildner (mit .'Vbb.). 970. Hucke, Conchyliometrie. (Orig. mit Orig.-.^bb.) 1009. I h e r i n g , Biologie der stachellosen Honig- bienen Brasiliens (mit Abb.). 234. Kathariner, Orientierungsvermögen der Honigbiene (mit Abb.). 746. Keil hack, L., Cladoceren der Krummen Lanke. (Orig.) 727. Klien, Verhalten der Vorkernc nach d. Befruchtung. iS.-R. mit .'\bb.) 596. Kolbe, H. J., AlkohoUiebendc Tiere. (Orig.) 632. Kolbe, Über die psychischen Funktionen der Tiere. (Orig.) I. K r u p p u. B i a n c o , Tiefsee-Fischerei bei Capri 907. Langlev u. Lucas, GröUtes fliegendes Lebewesen (mit Abb.). 566. V. Lenden feld, Flügelgröße u. Körper- gewicht. (Orig.) 952. V. Linden, Die gelben und roten Farb- stoffe der Vanessen. 265. V. Linden, Hautsinnesorgane auf. d. PuppenliUllc von Schmetterlingen. 250. Lu ck s, Die Floscularien: Berichtigung. 16. V. Martens, Schleimfäden von Limax. (Orig.) 768. A. G. Mayer, .atlantische Form des Palolowurms. 303. M i c h a e 1 s e n , Fauna des Baikalsees. 746 Müller, Max, Erdhummel u. ihre Var. 935- N eh ring, Reiflzähnc der Raubtiere. (Orig.) 127. Neureuter, Lebensdauer der Insekten. (Orig.) 289. Noel, Die Fliege Chlorops lineata. 888. P e c k h a m , Richtungssinn b. den soli- tären Wespen (mit Abb.). 856. Phisalix, Immunität der Vipern und Nattern. 955. Pino, Sehpurpur. 937. Prowazek, Zellbewegungen während der Teilung. (Orig. mit Orig.-Abb.) 808. Rabes, Höhe des Vogelfluges. (Orig.) 331. Raspail, Mauersegler. 683. Rauther, System. Stellung von Gordius. 793- Reinhardt, Winterschlat. (Orig.) 403. R i e g 1 e r , Gefrierenlassen lebender Fische. 33°- Ri eg 1 er , Elektr. Ströme u. Chaeiopoden. 2'5- Rörig, Wirtschafll. Wert d. Vogel. 583. Rüge, E., Zellverbindungen. (S -R. mit Abb.) 817. Sanderson, Aus dem Leben d. Schlupf- wespen. 423. Schäfer, Schenkeldrüsen der Eidechsen. ^5- .... Schillings, Tierleben i. d. ost-airikan. Wildnis. 670. Schlickum, Beinabwur( beim VVclier- knecht. (Orig.) 716. Schmid, Aug., Die sogenannte Riesen- kraft der Insekten. (Orig.) 109. Schneider, K. C, Entst. d. Gliederung des Tierkörpers. (Orig.) 545. Schnitze, Oskar, Geschlechtsbildende Ursachen. 697. Schulz, Fr. N., Quelle der Muskelkraft. (Orig. mit Schemata. 1 353. Schuster, Ausbreitung des Girlitzes in Deutschland. 616. Schuster, W'., Jun.x Torquilla (Wende- hals). (Orig.)" 937. Schuster, W., Klappert der Storch? (Orig.) 955- Spengel, Schwimmblase, Lunge und Kiemen. 120. Spengel, Die Nesselkapseln der .Aoli- dier. (Orig. mit Abb.) 849. Thienemann, Vogelwarte Rossitten. (Orig.) 44. Tönniges, Schnecken als Parasiten. (Orig. mit Abb.) 241. Tornier, Überzählige organ. Bildungen (mit Abb.). 585. Ule, Ameisengärten. 493. Werner, Franz, Natürlicher Tod bei Reptilien u. Batrachiern. 921. W h e e 1 e r , Asseln-fressende Ameisen. 988. Wolff, Winterschlaf der Fledermäuse. (Orig.) 34S. Wolterstor ff, Methode zur Erhaltung von Leuchttieren. (Orig.) 32. Wolterstorff u. Jakob, Bastardnatur von Triton Blasii 871. Zaccharias, Vorkommen von Drepano- thrix dendata. (Orig.) 845. Ziegler, Einw. d. Alkohols auf d. Entw. d. Seeigel. 313. Zuntz, Blutkreislauf u. Ernährung der Organe. 538. Anableps tetrophthalmus, Lebensweise von. 768. .Vphis brassicae. 896. Aufgabe der Zahnnerven. 928. Augustmilbe. 800. Coleophora auf Astragalus. 848. Drahtwurm (Agriotes). 592, 704. Drüsensekret v. Salamandern etc. 432. Ei, dottcrluses. 224. Endemische Säugetiere Südamerikas. 544. Entstehung v. Weibchen bei höh. Tempe- ratur. 96. Flugvermögen der Tiere. 825. Fortjiflanzung des Flußaales. 655. Gewitterwürmchen. 256. Haeckel's Versehen in bezug auf Embryo- logie. 1040. Leuchtorgane von Vögeln. 634. Macropodcnnahrung. 768 Nahrung für Reptilien. 640. Neotenie bei Tritonarten. 431. Präparation von Tierskeletten. 7^4- Rattenschwanzlarven. 752. Regenwurmarten, deutsche. 8S0. Regenwürmer, Hautdrüsen. 944. Schmarotzer auf Aptelsinen u. a. Früchten. 464. Schwalben-Wanze. 1008. Über Eier u. Embryonen des .^xolotl. 672. Zoologenkongreß. 446. Botanik. Andreac, Insekten und Blumen. 76. .Asch crson, P., Embahuba-Baum. (Orig.) 992. BaUcrstedt, Pfl. -Anpassung an Boden- verhältnisse. (Orig mit Orig.-Abb.) 715. Baur, Denitrifizierende Bakterien der Ostsee. 139. Beyer, Paraffineinbettung pflanzl. Ob- jekte. (Orig.) 448. Brenner, Blattformen von Quercus Hex. (Orig. mit Orig.-Abb.) 519. Brenner, Abhängigkeit der Blattgestalt vom Klima. 1024. Buchenau, Staubblätter in Fruchtknoten von Melandryum (mit Abb.) 668. Czapek, Wurzelausscheidungen der Pflanzen. 208. Dangeard, Sexualität b. d. ."Vscomyceten. 425- Detto, Bedeutung der äther. Ole und Harze im Leben der Pflanze. (Orig. mit Abb.) 321. D ru d e , Pflanzenzwergformen der Japaner. 592- Drumond, Übereinstimmung der Flora Europas u. N. -.Amerikas. 888. Frey tag, Eine vermißte Pflanze. (Orig. | 60. F i 1 i p p , Wie sich die Pflanzen das Sonnen- licht dienstbar machen. lOrig. mit Abb.) 897. Gaidukov, Einfl. farbigen Lichtes aul d. Farbe d. Oscillarien. 605. Geisenheyner, Mainzer Sandflora. (Orig.) 713. Gothan u. Rosenthal, M., Jahres- ringe an der Baumgrenze i. d. .Mpen (mit Orig.-Abb.). 872. Gra ebner, Kampf ums Dasein i. d. Pflanzenwelt. (Orig.) 250. Grau, Meeresbakterien. 153. Grüner, Wanderung durch Heide, Ur- wald u. Moor. (Orig.) 374. Heller, A., Wirk, äther. Öle auf die Pflanzen. 973. Hennings, Eine neue deutsche Cla- thracee. (Orig. mit Orig.-Abb.) 10. Hennings, Wodurch entsteht der Feuer- schwamm. (Orig.) 48. Hennings, Gefärbtes Holz unserer Wald- bäume. (Orig.) 62. Hennings, Pilzexkursion nach Finken- krug. 202 Hennings, Hausschwanim an lebenden Bäumen. 496. Hennings, Leuchtende Hutpilze. (Orig.) 570. Hildebrandt, Bananen. 399. Höstermann, Einw. des Kochsalzes aul" Wiesengräser. 41. Iltis, Licht und Wurzehvachstum von Wasserpfl. 698. Janczewski, .\ntimeridian - Pflanzen. 927. Jansen, Bakteriensporen und Licht. 747- K i en i tz- G e rl o f f , Über die Symbiose von Pfianzenwurzeln mit Pilzen. (S.-R. mit Abb.) 177. Klebahn, Spezialisierung der Rostpilze. 587. Kny, Einschaltung des Blattes in das Verzweigungssystem der Pflanze. (Orig. mit Abb.) 369. Kolkwitz, Süßwasserbiologie u. Ab- wässerbesciligung. 669. Krause, E. H. L., Flora zwischen Mainz und Ingelheim. (Orig.) 379. Lauf fs, Physiol. Wirkung des Perchlorats auf die Pflanze. 90. Lindau, Pilze des Taumellolchs. (Orig.) 809. Lindemuth, Entstehung von Kartoft'el- sorten. (Orig.) 336. Register. III Macdougal, Mutation im Pflanzenreich. 945- Ma.ximow, Einfl. der Verletzungen auf die Respirationsquotienten. 121. Molisch, Eine blaue Diatomee. iio. Molisch, Rotfärbung der Chlorophyll- körner. 141. Molisch, Leuchtende Pflanzen. (Orig.) 641. Molisch, Blattbeweg, bei O.xalis hedy- saroides. 988. M o 1 i s c h , Assimilationsversuch mittels der Leuchtbakterienmethode. 1017. Möller, Gipfeldürre der Fichten. 846. Müller, Karl, Pflanzen mit eigenartiger Ernährung. 219. Neger, Stelzenpflanzen in der heim. Flora. (Orig. mit Orig.-Abb.j 300. Nabokich, Einfl. der Sterilisation der Samen auf die Atmung. 172. Ostenfeld, Apogamie bei Hieracium. 1005. PaUadin, .Atmung der Alge Clorothe- cium. 794. Pfuhl, Bäume u. Wälder l'osens. (Orig. mit Abb.) 922. Prowazek, Variationskurven von Cen- taurea Jacea. (Orig. mit graph. Darst.) 424. Reinke, Symbiose von Volvox u. Azoto- bakter. 443. Rostock, Biol. Bedeutung der Drüsen- haarc von Dipsacus silvestris. 494. Röss ig, Bildung der Pflanzenzellen. 1004. Schlickum, Abnorme Kirschblüten. (Orig.) 683. Schulz-Herford, .'\bnorme Blüten- bildung beim Mais. (Orig. u. Orig.- Abb.) 534. Seckt, Quecksilber u. grüne Pllanzen. (Orig.) 988. Sievers, Die Cisternen der Flechten. (Orig.) 302. Stahl, E., Schutzmittel der Flechten gegen Tierfraß. 763. S t ä g e r , Infektionsversuche mit Gramineen bewohnenden Clavicepsarten. 140. V o 1 k e n s , Laubwechsel tropischer Bäume. i_97' V. Wettstcin, Biologie unserer W'iesen- pflanzen. 826. Wittmac k, Über die Baumzwicbel. (Allium canadense). (Orig.) 16. Wittmack, Über Arum cornutum. (Orig.) ' 59- Wittmack, Geschichte der Kultur- pflanzen. 413. Wittmack , Unterscheidungsmerkmale der Getreidearten vor der Blüte. (Orig.) 992. Algenarten in Aquarien. 528. Botan. Tauschvereinc. 1040. Degenerierende Varietäten von Kulturpfl r 500. Equisetum-Kultur. 480. Freie Vereinigung f. System, u. Pflanzen- geographie. 126, 429. Populus euphratica. 368. Wiesenwachs. 864. Palaeontologie. F'raas, E.,Stammesgesch. d. Archaeocetcn (Urwale). 862. Gothan, Präparation von Braunkohlen- hölzern zur mikrosk. Untersuchung. (Ofig)' 574- Gothan, Jahresringbildung bei den Araucariten-Stämmen in ihren Bezieh. auf ihr geol. Alter. (Orig. mit Orig.- Abb.) 913. Jahn, J. J., Lobolithen. (Orig.). 527. J a c k e 1, Präparation foss. Knochen. (Orig.) 368. Koehne, Sammeln foss. Rindenrestc. (Orig. mit Orig.-Abb.) 408. Lucas, F. A., 2 neue foss. Vertebraten. 794- Nehring, Diluviale Springmausrcstc. (Orig.) 215. N or d enski öld , E., Mastodonten Süd- Amerikas. 989. Odernheim er, Inseklcnresle in Zu- sammenhang mit Petroleumvorkommen. (Orig.) 845. Pohle, Das Mammut in d. Vergangen- heit Sibiriens. (Orig.) 577. Potonie, Cunealopteris. (Orig.) 16. Potonie, Die Zusatzfiedcrn der Farne. (Orig. mit Abb.) 33. Salcnsky, Uns. Kenntn. vom Mammut. 889. Stiasny , Pseudofossil von Pinsdorf. (Orig. mit Orig.-Abb.) 956. Voigt, Reste der Eiszeitfauna in mittcl- rhcin. Gebirgsbächen. 684. Dendriten. 864. Pareiosaurus, ein Perm. -Riesentier aus dem nördl. Rußland (mit Abb.) 635. Versteinerter Wald von Arizona, (mit Abb.) 73'- Geologie und Mineralogie. Becke u. Löwl, Geol. Bau der Hohen Tauern (mit Profil). 588. Böhm, G., Marine Abi. d. Juraformation i. d. Molukken. 973. Burckardt, Landzusammenhang d. südl. Erdhälfie. 571. Drevermann, Entstehung des rhein. Schiefergebirges. (Orig.) 292. Gagel , Bohrprobensammlung der geolog. Landesanstalt. (Orig.) 78. Gans, Bedeutung der Nährstoffanalyse in agron. u. geogn. Hinsicht. 30. Geinitz, E., Bilder von Windwirkungen 1 am Strande. (Orig. und Orig.-Abb.) 1025. Gerland Erdbebenforschung. 84. Harbort, Magneteisenerzlager. 112. Hutton, F. W., Geolog. Gesch. Neu- seelands. 938. Hübner, Nitratlager der Sahara. (Orig. mit Karte.) 573. Jentzsch, Eisrücken am Gaußberg. (Orig. mit Abb.) 425. Kayser, Erich, Bildungsgeschichte des Rheintales. 88. K o e rt , Meeresstudien und ihre Bedeutung f. d. Geologen. (Orig. mit Orig.-Abb.) 481. Lacroix, Ausscheidung von (^)uarz in Eruptivgesteinen. 698. Lang, O., Der Lamsberg bei Gudensberg. (Orig. mit Oiig.-Abb.) 449. Lang, O., Gipfelkrönungen v. Vulkan- kuppen. (Orig. mit z. T. Orig.-Abb.) 929. Lawson, Algonkium. 141. Loebe, Unterschied zwischen Ton und Tonerde. (Orig.) 64. Nötling i'bergang zwischen Kreide und Tertiär. 535. Ochscnius, Wasserkissen. 91. Odernheime r, Asbeslfundstätten. (Orig.) 237- Odern heimer, Erdölvorkommen in Norddeutschland. (Orig.) 606. Ostmann, Patagonischc Formation. 154. Passarge, Inselsberg-Landschaften im Irop. Afril.a. (Orig. mit Orig.-.\bb.) 657. Philippi, Organische Ablagerungen am Grunde d Tiefsee. (Orig) 38 1. Potonie, LehmgeröUe. (Orig. mit Orig - Abb.) 810. Sapper, Vulkanische Erscheinungen in Guatemala. 83. Scheibe, Natürl. u. künstl. Edelsteine. 540. Solger, Das Alter der Erde. 2^3. Spring, Durchtränkung des Sandes. 473. Spring, Wasserdurchlässigkeit von Sand, Lehm und Ton. 554. Stille, Geologische Linien im Land- schaftsbilde Mitteldeutschlands. (Orig. mit Abb.) 865. Wagner, P., Der Humboldtfelsen im Zittauer Gebirge. (Orig. mit Orig.-Abb.) 187. Wahnschaffe, .Vusflug nach Staßfurt. 124. Wahnschaffe, Das Gifliorner Hoch- moor bei Triangel. (Orig. mit Orig.-Abb.) 785. Walth er , J., Entstehung und Besiedelung der Tiefseebecken. (Orig.) 721. Weber, Fried r., Kalisyenit des Piz Giuf. 1005. Weckbecker, Graphit aus Holzkohle und Ton. 669. Wilckens, Itedeutung von Eruptiv- Breccien als erdgeschichtlicheUrkunden. (Orig. mit Profil.) 26, 640. Angebliche Neubildung von Steinkohle. 764. Der Asphalt (mit Abb.) 443. Kristallnetze 672. Mineralienhandlungen. 720. Mud. 384, 448, 512, 560. Geographie und Geophysik. A rc h en h ol d , .Apparat zur Erklärung von Ebbe und Flut (mit Abb.) 188. v. Aufseß, Farbe der Seen. 650. Börnstein, Vorrichtung zur Erklärung von Ebbe und Flut. (Orig.) 251. D e c k e r t , Nordamerikanische Ströme als Verkehrsmittel. 86. Diels, Neu-Seeland. 412. Dinse, Systematik der Erdkunde. 522. Friedrich, Kartographische Aufgaben der Wirtschaftsgeographie. 86. Halb faß, Verkehr auf Seen. 87. Halbfaß, vSeiches (Orig.) 8S1. Hansen, Geschichtl. .Atlas der Rhein - provinz. 87. Haußmann, I'irdniagnet. v. Württemberg. 394- Kraus Geschichte der Handels- und Wirtschaftsgeographie. 86. Lampe, Der 14. deutsche Geographen- tag. (Orig.) 81. Luyken, Kerguelenstation. 82. Meyer, Totwasser. 459. Mouseaux, Magnetische Störungen vom 31. Oktober. 1 73. Nansen, Totwasser. 795. Pfaff, Schwereänderungen und Boden- bewegungen in München. 349. IV Register. Philippi, Erlebnisse der Südpolar- expedition. 539- Rapple, Die i. Durchquerung Austra- liens. (Orig.) 984. Roßmäßler, Aus dem südl. Kaukasus. (Orig.) 246. Roßmäßler, Im und am Wolga-Delta. (Orig.) c,I7. Schmidt, A., und Schott, Meeres- strömungen. 84. Schott, Physische Meereskunde und Schiffahrt. 313. Sc h warzsch il d , Breitenbestinimungen. 411. Sieger, Wirlschattsgeographie. 85. Supan, Namengcbung f. d. Formen des Meeresbodens. 427. Geograplienkongreß. 477i 7^^- Geophysikal. Observatorium auf d. Monte Rosa. 827. Südpolarcxpedition, Rückkehr. 266. — Er- gebnisse der (mit .Abb.). 504. Terminologie der Küstenbildungen. 608, Physik. Abel, Rückgang der Sterblichkeit in den letzten 50 Jahren. 907. Becker, Konstitution der Materie. (S.-R.) 529. Becker, A., Gegenwärtige Kenntnis über Radioaktivität. (S.-R. mit. l Abb.) 993- B e r n i u i , Elekt. Leitlähigkeil des Kaliums. 652. Blaas, Photogr. Wirkungen im Dunklen. (Orig.) 200, 316, 400. Blondlot, n-Strahlen. 268, 650. Blond lot. Neue Art Ausstrahlung. 764. Caesar, Töne am Telephon. 832. C h a n d e 1 1 , Elektrizität u. Kristallbildung. (Orig.) 910. Charpentier und Meyer, n-Strahlung lebender Organe. 332. Duden, Fortschritte in der Kenntnis der radioaktiven Stoffe. (S.-R.) 17. Elster u. Geitel, Elektrizitätszerstreu- ung in Luft infolge radioaktiver Ema- nation. 285.' Ewing und Walter, Detektor f. elektr. Wellen. 65 1. Fliegener, Über den Clausius'schen Entropiesatz. 29. Föppl, Kreiselversuch zur Messung der Umdrehung der Erde. 812. Goldstein, Nachfarben der Salze. 217. Grimsehl, Analyse von Schwingungen. 155- H a 1 1 w a c h s , Lichtelekir. Ermüdung. 862. H a r t m a n n , Emanium - Lichtspektrum. 927. Heyl, Physik. Eigenschaften der strom- führenden Materie. 649. Holtz, Erf. d. Elektrisiermaschine. 892. H u g g i n s , Spektrum der spontanen Licht- strahlung des Radiums. 3 16. Humphreys, Dopp. Umkehrung von Spektrallinien. 446. Koch, K. R., Änderung der Schwerkraft 940. Langenbach, Intensitätsverteilung bei Linienspektren. 12. Lussana, Therm. Eigenschaften d. festen und flüssigen Körper. 29. Marckwald, Radioaktive Stoffe. 251. Pflüger, Energiemessungen im Ultra- violett. 733. Precht, Monochromatisches blaues Glas (Orig.) 848. R ä h 1 m a n n , Ultramikrosk. Unters. 428. Righ i, Ionisierung der Luft durch elektr. Spitze. 143. Rubens, Lumm er, Wood, N-Strahlen. 941. Schlömilch, Fessenden etc.. Elektro- lytischer Wellen-Dcdeklor. 1019. Schuster, Hemsalech und Hagen- bach, Doppler-Effekt im elektrischen Funken. 536. Seddig, Elektr. Kraftlinien. 827. Smith, Schmelzwärme des Eises. 607. Taudin-Chabot, Abnorme Refraktions- Erscheinung. 216. Valbreuze, Quecksilber - Lichtbögen. 411. Wätzmann, Intensitätsverhältnissc der Spektra von Gasgemischen. 1036. Wood u. Moore. Spektrum d. Natrium- dampfes. 364. Zschimmcr, Für ultraviolett durchsich- tige Glasarten, it;^. Becquerelstrahlen u. Gravitation. 192. Begiiffe Gramm und Kilogramm. 127. Kondensator. 448. Versuche mit Gleich- u. Wechselstrom bei 7000 Volt (mit Kurve). 8 12. Mathematik. K eichart, Trisektion ein. Winkels. (Orig. mit Orig.-Abb.). 394. Schmidt, A., Elementare Berechnung der Logarithmen. (Orig.) 193. Schmidt, Max C. P., Latein. Term. d. Arithmetik. (Orig.) 468, 497. Ratschläge für Mathematikstudenten. 365. Astronomie. Adams, Die radialen Geschwindigkeiten ^ von Pleiadensternen. 846. Angström, Ozon-Absorption im Sonnen- spektrum. 1036. Arrhenius, Natur der Sonnenkorona. 1018. Banachiewicz, Sternbedeckung durch Jupiter. 78. Barnard, Aufnahmen d. Kometen Borelly (mit Abb.). 216. Ceraski, Veränd. Stern. 648. Curtiss, W.-Sagittarii. 1036. Darwin, G. H., Das Alter der Sonne. 142. Deslandrcs, Sonnenflecken und Erd- magnetismus. 394. Gorczynski, Verminderung der Sonnen- strahlung. 648. Graff, X-.-\urigac. 382. Hart mann, J., Oscillation v. c)'-Orionis. 940. Klein, H.J.,Die vulkanischen Bildungen des Mondes. 890. Langley, Veränd. d. Intens, d. Sonnen- strahlung. 877. Langley, Sonnenfinsternis v. 18. Mai 1900. 1018. Ludendorff, Veränd. Stern f-.Aurigae. 427. Marcuse, A., Wanderung durchs Sonnen- system. 670. Nichols und Hüll, Künstl. Kometen- schweif. 473. v. Nicssl, Die geogr. Beziehungen des Meteorphänomens. (Orig.) 273. Nießl, Natur d. Sternschnuppen. (Orig.) 879- Parkhurst, W-Aurigae. 364. Slipher, Venus-Rotation. 92. St ebb ins, Spectra von ;^-Ccli u. ;;-Cygni. 461. V o g e I , H. C, Doppelstern ;3'-Aurigae. 637. Wendell, Planetoid Iris. 411. Wirtz, Neue Messungen an den äußersten Planeten. Iio. Wolf, M., Neuer Stern. 77. Wolf, M., Gegenschein. 78. Wolf, M., 24 veränderliche Sterne. Iio. Algol. 47. Der vermeintl. 2. Erdmond. 192. Hiraraelserscheinungen. 78, 143, 20 f, 269, 350. 412, 495. 559. 618, 701, 765, 828, 910, 974, 1037. Meteorologie. Börnstein, Tägl. Gang des Luftdrucks in Berlin. 811. Eb ert, H., Ursache desatmosph. Potential- gefälles. 874. Eichhorn, Sonnenscheindauer. 716. Goll, Erdbeben u. Regen. (Orig.) 909. Hoffmann, J. F., Barometerstand und Niederschläge. 617. Kowalski, Elektr. Entladungen in der Luft. 393. Lamprecht, Einfl. des Mondes auf die Niederschläge. (Orig.) 795. Leß, Wetter-Monatsübersicht. (Orig. mit schcm. Darst. üb. Temperatur U.Nieder- schläge.) 43, 123, 190, 268, 332, 395, 476, 538, 618, 685, 750, 814, 893, 957, IO20. Loe wen herz u. Richarz, Temperatur- difterenz in vertik. Luftströmen. 364. Maurer, Erklärung d. magnet. Sturms v. 31. Oktober 1903. 510. Perlewitz, P., Elektr. Entladung bei Drachenaufstiegen. 957. Reiner, Neue Hilfsmittel d. Meteorologie, (mit Abb.). 99. Szlavik, Bravaiserscheinung. 891. Falb's Theorie. 112. Wetterglas. 128. Chemie. Bancroft, Elektrolyt. Läuterung des Kupfers. 173. Claude, Gewinnung von Sauerstoff mit Hilfe flüssiger Luft. 251. Erdmann, Erzeugung hoher Vakua für ehem. Destillation. 238. Er d mann u. Bedford, Flüss. Sauer- stoff u. flüss. Luft (mit Abb.). 925. Guldberg, Wanderungen verschiedener Bartenwale. 533. Hefelmann und Windisch, Salicyl- säure in Erd- und Himbeeren. 647. Moissan u. Dewar, Affinität u. Reak- tionen des flüssigen Fluors. 41. Pfannenstiel, Wertigkeit d. Elemente. 558. Ramsay, Per. Gesetz der Elemente. 733. Richards und Landis, Elektrolyse des Wassers. 219. Runge, Spektroskopische Bestimmung des Atomgewichts. 173. Tammann, Zustand des Eisens im Erd- innern. 393. Utz, Spontane Gerinnung d. Milch. 61 5. Walker, Elektrometallurgie des Goldes. 189. Register. Wo hier, L., Oxydierbarkeit des Platins. 286. Chlordioxydgas. 416. Eiweißstoffe in Muskeln. 1008. Metallographic. 155. Über CcUulose. 473. Technik, Instrumentenkunde und Industrie. B i r k e 1 a n d , Klektromagnetischc Kanone. 201. Börnstein, Luftballons gegen Explo- sionen zu schül/^en. (Orig.) 12. Burgerstein, Vcgetabil. Surrogate tier. Rohstoffe. 144. B ü s g c n , Bestimmung d. I lolzhätte. (Orig.j 603. V. Büttel, Taschenhlpen von Zeiß. (Orig. mit Abb.) 537. Czängiu. Biirzay, Galv. Element. 144. Dessauer und W'iesner, Sekundäre Röntgenstrahlen. 446. Engel-Precht, .\eues Pottasche- Ver- fahren. 3 1 . Grauer, Fiebelkorn und Odern- heimer, Kristallisierter Portland- cement (z. T. Orig.). 494, 5S9, 749. Heraeus, Quarzglas. 335. Koerber, Die Entwicklung d. achromat. optisclien Systeme (mit Abb.) 72. Naß, Entw. d. Beleuchtungswesens. 523. Niehus, Gewinnung des Rosenöls. 92. Pokorny, Einiges ül). d. Pilze i. Dienst V. Gewerbe, Industrie u. Landwirtschaft. (Orig.) 753. Pupin, Verb. d. telo[)h. Fernleitung. 557. R a t c a u , Dampfturbine als Schiffs- maschine. 700. Rathgen, Erhaltung v. Altertunisfunden. 209, 701. Rhousupulos und Rathgen, Kon- servierung von Altertümern (mit Orig.- Abb.). 209. V. Rohr, Verant. 462. Roßmäßler, Papieiuntersuchung. (Orig.) 229. V. Slavik, Farbige Photographie. 652. Schmidt, A., Reinigung des Quecksilbers. (Orig.) 160. Benoidgas. 543. Cement. 122. Ersatz des Platins in Glühlampen, i (o. Fernsprechlinie v. 5000 km. 1037. Kinematograph. 717. Röntgeneinrichtung tür Kriegszwecke (mit Abb.). 781. Röntgenstrahlen im Dienst der Kabel- fabrikation (mit .^bb.). 892. Unterricht. (Soweit nicht anders untergebracht.) Detmer, Herstellung von Schnitten und Wandtafeln. (Orig.) 624. de V r i e s, Wüstenlaboratorium zu Tuczon (Arizona). (Orig.) 401. Beleuchtung von Wandtafeln beim Unter- richt. 240. Ferienkurse in Jena. 365. Gesellsch. f. volkstünil. Naturkunde. 124, 201, 219, 251, 412, 523, 538, 669, 701, 1021. Museum von Meisterwerken der Natur- wissenschaft und Technik. 317, 396. Naturh. Museen in d. Verein. Staaten. 590. Preisaufgaben. 559. V. Reinach-Preis s. Paläontologie. 495. Medizin und Hygiene. D a h 1 , Wird der Skorpion durch seinen Stich d. Menschen gefährlich? (Orig.) 97- Deyckeu. Reschad Effendi, Dysen- terie in Konstantinopel. 493. Finsen's Lichttherapie (mit Abb.) 455- Hausmann, Biolog. Arsennachweis. 941. Ihrig, Wundbehandlung nach biolog. Prinzip. 215. Karsten, Paula, Indisches Mittel gegen Vergiftung. (Orig.) 96g. K e 1 1 i n g, Ursache d. Krebsgeschwüre. 726. K e n t , Prüfung v. Trinkwasser. (Orig.) 367. K o s s e 1, Serumtherapie u. Serumforschung. 524. Lcduc, i\li;klr. als Betäubungsmittel. 1020. Möller, A., Bekärnj^fung der Tuber- kulose. 1021. Murata, Schutzimpfung gegen Cholera. 423- Natolitzky und Hirn, Gifte in Stra- monium-Zigarctten. 617. Nocht, Tropenkrankheiten mit Abb.). I031. Otto, W., Elektrizität in der .Medizin. (Orig. mit Abb.) 1000. R abi n o w i tsc h und Kempner, Try- panosomen als Krankheitserreger (mit Abb.). 458. Röhler, Wurmkrankheit. |S.-R. mit Abb.) 390. Schäffcr - Stuckert, Zahncaries-Ent- stehung. ng. Schmidt, H. E., Entwicklung der Licht- therapie (mit Abb.) 455. Thoms, Giftigkeit bitterer Mandeln. (Orig.) 416. W e i n h o 1 d, Gegenwärtiger Stand d. Lehre von der Kurzsichtigkeit. (Orig.j 822. W e s e n b e r g , Über den biologischen Arsennachweis (S.-R.). 835. Zuntz, Ventilation menschlicher Wohn- räume. (Orig ) 329. Kefir. 528. Lepraverbreitung im indischen Reiche. 696. Menschen- u, Rindertuberkulose. 440, 630. Phagocytenlehre usw. 296. Nationalökonomie. B o r o d i n, Fischereiverhältnisse i. Rußland. 682. Eckstein, Fischerciausstellung. 121;. G u a r i n i , Elektrizität und Landwirtschaft. 42. Kirsch mann, Eisgewinnung. 365. Luerssen, Krähenfang an der Ostseeküste. (Orig. mit Orig -Abb.) 758. L u n d , Versorg, d. Inlandes m. Seefischen. (Orig.) 233. Tuben f, iBlitz als Waldverderber (mit Abb.). 552. Wittmack, Aufschwung des deutschen Gartenbaues. 729. Arachis-Kultur. 480. Aufforstungen in Tsingtau. 488. Löftler'scher Mäusetyphusbazillus. 543. Biographisches u. Historisches. F u r ii r i n g e r, r, Gcgcnbaur (mit Porträt). 103. Jacobi, Max, Leonardi da Vinci als Alpenfreund. (Orig.) 776. Jaekel, K. A. v. Zittel. (Orig.) 359. Stahl, E„ Matthias Jakob Schieiden. 977- Bredichin f. 655. Calandreau f. 495. Gegenbaur 103. V. Hefner-Alteneck j. 269. Lemström f. 941. Marey f. 796. V. Martens, E., f. 877. Perrotin f. 495. Roberts, J. f. 796. Schieiden, Centenarfeicr. 269. Siemens, Friedr. j. 796. Spencer f. 270. Stübel j. 1007. V. Zittel. 359. Literatur. Abbe, Gesammelte .■\bhandlungen. 287. A b e g g , Elektrolytische Dissoziation. 397. Adamkiew icz. Die Großhirnrinde. 93. Ahrens, Gärungsproblem. 397. Ahrens, Chem.techn. Vorträge. 397. Ahrens, Scherz u. Ernst in der Mathe- matik. 1039. Alberl 1. v. Monaco, Eine Seemanns- laufbahn. 542. Lit. üb. die schwäb. Alp. 960. Arnold, Physik. Chemie, iii. Arnold, Rep. der Chemie, ill. Aß mann & Hergesell, Beiträge zur Physik d. Atmosphäre. 991. Avenarius, Philosophie als Denken der Welt. 350. Bachmetjew, Entom. Studien. 382. Bala weider, Mathem. Ableitung der Naturerscheinungen. 655. H a u r , Hydrate in wässeriger Lösung. 397. Becker, 11., Alkalimetalle. 797. Beilingshausen, Südl. Eismeer. 815. Berliner, Experimentalphysik. 79. Besson, Le radium. 640. Biedenkapp, Was erzähle icii meinem 6 jährigen. 254. Bloch, E., Werners Theorie des C-Atoms. 847- Blondlot, Kayons-N. 640. Bölsciie, Sonnen u. Sonnenstäubchen. 126. B ö 1 s c h e , .\bstammung d. Menschen. 590. Borchers, Nickel. 797. Borchers, Elektrometallurgie. 943. Borchers, Institut f. Metall-Hüttenwesen. 911. Boussinesq, Theorie de la chaleur. 79. Brauns, Mineralreich. 319. Broca, Telegraphie sans fils. 655. Bruhns, Petrographie. 239. Bruhns, Kristallographie. 703. Burgerstein, Trans])iration d. Pflanzen. 1022. V. Büttel- R eep en. Sind die Bienen Rellexmaschincn.' 396. Ch alikiopoul OS, Sitia. 127. Lit. üb. Chemie. 1024. Chipart, Theorie gyroslat. d. I. lumiere. 366. Christiansen u. Mül 1 c r, Theor. Phy- sik. 223. Classen, Elektr. u. Magnetismus. 686. Claus -Grobben, Zoologie. 430. Conwentz, Heimatkunde in der Schule, 414. VI Register. C o n w e n t z , Gefährdung der Natur- denkmäler. 1038. Cook, F. A., Die erste Polarnacht. 751. Coym, Geometrie d. Ebene. 576. Crüger, Physik. 478. Dacque, Deszendenzgedankc u. seine Geschichte. 560. Dahl, Anl. zum wiss. Sammeln v. Tieren. 576. Danne, Radium. 797. Danneel, Elektrochemie. 224.. Dannecl, Elektrochemie u. Metallurgie. 896. Danne mann, Gesch. d. Natur. 192. Danncmann, Entw. d. Naturw. 270. Darapsky, Wünscheh'ute. 462. Delbrück u. Schrobe, Hefe, Gärung und Fäulnis. 751. Dennert, Chem. Praktikum. 576. Descombe, La comprcssibilite des gaz reels. 304. Detto, Anpassung. 718. Lit. üb. Deszendenztheorie. 960. Die kl, Effektbereclmung von Flugvor- richtungen. 767. Dreher, Philosoph. Abhandlungen. 78. Drescher, Kosmische Schneewolken. 991. I-)riesch, Die Seele als elementarer Naturfaklor. 45. Drignlsky, D. Südpolarexpedition. 619. Edcr, Jahrb. f. Photographie. 96. Eder, Praxis d. Photographie. 479. Eder, Photogr. mit Chlorsilbergelatinc. 47?- Egeli, Unfälle beim ehem. Arbeiten. 878. Lit. üb. Eingeweidewürmer. 896. Elbs, Übungsbeispiele für Fülektrolyse. 1039. Engel har dt, Monographien über Elektrochemie. 797. Fn gel h ard t, V., Hippochloritc u. elektr. Bleiche. 863. Ephraim, Vanadin. 895. Esser, Pflanzen f. d. bot. Unterr. 271. Lit. üb. den Essigaal. 1007. Eyth, Im Strome unserer Zeit. 376. Feldhaus, Erf d. eleklr. Verstärkungs- flasche. 272. Ferchland, Elektrochemie. 175. Fisher u. Darby, Mesurcs electriques. 79- Lit. üb. das Fischauge. 8S0. Fiticca, Sulfitzellstoff-Fabrikalion. 911. Lit. zum Bestimmen von Flechten. 1024. Fränkcl, Anatom. Vorträge. 352. Friedmann, Herm., Konvergenz der Organismen. 718. Frobenius, Geogr. Kulturkunde. 591. Fromm, Chem. Schutzmittel des Tier- körpers. 366. Fuß u. Hensold, Physik. 478. Geisen heyner, Flora von Kreuznach. >9I- Geißler, Mathem. Erdkunde. 463. Gelcich, Astron. Bestimmung der geogr. Koordinaten. 158. Gerber, Bewegung u. hortpHanzung der Wirkungen im Äther. 847. Ge wecke, Sternkarte. 7S4. Giard, Controverses transformistes. 718. Giesenhagcn, Botanik. 271. Götz, Bayern. 703. Graf, Ilimmelskunde. 1023. Gray, Physik I. 543. Grimsehl, Elektr. Glühlampe. 287. Grünberg, Hypothese zur Thermo- dynamik. 95. Grund, Karsi-Hydrographie. 591. Haas, Versteinerungskunde. 174. Haas, Der Vulkan. 751. Haberlandt, Physiol. Pflanzenanatomie. 607. Hagen, Synopsis d. höheren Mathem. 655. Hager- Mez, Mikroskop. 974. Harperath. Grundlagen der Astronomie. 239- Hartinger's naturgcschichtl. Wand- tafeln. 447. Hartmann .Zukunft D.S.W. -Afrikas. 446. Hassert, Württemberg. 703. Hauber, Statik. 334. Hauberrisser, Photogr. Negative. 479. Haus ding, Torf- Gew. u. -Verw. 911. Hansgi rg, Phyllobiologie. 143. Heibig, Die erste Erfindung. 254. Helfenstein, Energie u. ihre Formen. 63. Herrmann, Elektrotechnik. 703. Hert wi g , Handb. d. vergl. Entwicklungs- lehre der Wirbeltiere. 14. Hcrtwig, Zoologie, 430. Herz, Verwandtschaftslehrc. 397. Herz, Lösungen. 894. Heß, Die Gletscher. 765. Hesse, Natur u. Gesellschaft. 541. Hof mann , K arl , Radioaktive Stoffe. 80. Hörn es, Paläontologie. 703. Huber, Katechismus der Mechanik. 95. V. Hübl, Ozotypie. 479. Lit. zum Bestimmen von Insekten. 9 12. Johannsen, Erblichkeit in Populationen. 7.8. Jost, Pflanzenphysiologie. 1038. Jörge nscn, (ihemic. in. Kampffmeyer, Marocco. 559. Kap teyn, Skew frequency curvcs. 415. Karsten u. Schenck, Vegetations- bilder. 878. Kassowitz, Biologie. 317. Kienitz, Baden. 703. K i eni tz- G erlof f , Bakterien u. Hefen. 942. Klebs, VVillk.Entw.-And.b. Pflanzen. 255. Klein, Chemie. 703. Klein, F., Umgestaltung des nuith'-ni. Unterr. 1023. Klockmann, Mineralogie. 95. Knelei", Das Christentum und die \'er- trcter der Naturw. 94. Kobert, Sa;'ioninsubslanzen. 446. K o h u t , J. V. Liebig. 20J. Kolbe, B., Elektrizitätslehre. 608. Kollert, Physik. 158. Krämer, Weltall u. Menschheit. 286. 941. Kr an eher, Entom. Jahrbuch. 270. Kra.san, Indiv. u. spez. Gestaltung i. d. Natur. 477. Ki'iz, Quartär in Mähren. 158. Kur eil a s. Löwenthal. Kubier, Weltgesetze. 846. Ladenburg, Racemie. 397. Langhans, Rechts u. links der Eisen- bahn. 735. Lankaster, Zoology. 430. Lassar-Cohn, Chemie, iii. Lauterborn, Vogel- etc. Buch von Baldner. 304. Lepsius, Geol. v. Deutschland. 591. Leo, Hat das Menschenleben einen Zweck? 78. Levy, Organ -chem. Präparate. 383. Linde. Lüneburger Heide. 1007. Lipps, Das Selbstbewußtsein. 93. Liesegang-Gädickc, Photogr. Alma- nach 1904. 479. Liznar, Barometr. Höhenmessung. 415. Loin, Chemie, in. Lösner, Levitation u. Flugproblem 767. Löwenthal u. Kurella, Grenzfragen des Nerven- u. Seelenlebens. 93. Lubarsch, Chemie. 942. Lunge, Techn.-chem. Analyse. 703. Mahler. Physikal. Formelsammlung 640. Marth, Trunksucht. 958. Mathias, Le point critique. 304. Matzat, Philosophie der .Anpassung. 46. Matzdorff, Tierkunde. 430. Marti, Wetterkräfte. 941. Mayer, Hans, Die neueren Strahlungen- 640. Meyer, Arthur , Bakterienkunde. 143. Meyer, G., Graphologie. 62. Meyer's Konversationslexikon. 32,^70, 526, 828, 1037. Meyer's Histor. -geogr. Kalender. 590. Mie, Ionen u. Elektronen. 415. Lit. zum Bestimmen von Mineralien. 944. Minet, Aluminium. 797. Lit. üb. die Genesis von Mooren. 880. Mooser, Entsl. d. Sonnensystems. 846. Morel!, L'acetylene. 942. Möbius, Astronomie. 334. Moebius, Schieiden. 543. Nansen, Eskimoleben. 783. Neger, Handelspflanzen. 175. Nernst, Theoret. Chemie. 928. Neumeister, Wesen der Lebenserschei- nungen. 559. N i e m a n n , Mikroskop. 894. Nippoldt, Erdmagnetismus. 175. Nissenson, Elektrolytisches Laborato- rium. 797. Oppenheimer. Fermente. 240. Ostwald, Schule der Chemie, iii. Pellat, Electricite. 207. Penck, Morph, u. Erdoberfläche. 512. Lit. üb. Perlenfischerei. 1008. Pernter, Wetterprophezeiung. 144. Perrin, Chimie physique. 1007. Petzoldt, Fünf i. d. Philos. d. reinen Erfahrung. 63S. Pfaundler, Phys. d. tägl. Lebens. 478. Phillips, Combustibles. 447. Pizzig belli, Photogr. Prozesse. 479. Poincare, Theorie d. Maxwell. 816. Pokorny-Latzel. Tierreich. 430. Popig, Stellung d. Südost-Lausitz ipi Gebirgsbau Deutschlands. 511. Post u. Kuntze, Lexikon generum phanerog. 4S0. Ramsay, Period. System d. Elemente. 159. Rauter, Chem. Technologie. il2. Rauter, Schwefelsäureindustric. 397. Reinisch, Pctrographisches Praktikum. 239- RcUstab, Telegraphie. 175. R em US , Das dynamologische Prinzip, 799. Ribot, Schöpferk-aft der Phantasie. 93. Riehl, Helmholtz u. Kant. 8 16. R i e c k c , Zum Unterr. in Physik u. Astro- nomie. 1023. Roosevelt, lagden in amerik. Wildnis. 990. Rosen, Die Natur i. d. Kunst. 429. Rosenberg, Physik. 478. Röttger, Nahrungsmittelchemie. 239. Rudorf, Lichtabsorption in Lösungen. 397- Register. VII Rüdorff- Lüpke, Chemie, I2. Aufl. III. Rüd orft- Krause , Chemie, 13. Aufl. 829. Ruhmer, Funkeninduktoren. 686. Ruppin, Darwinismus u. Srig.) 67. Ramses II. 694, 695. Riffkalk (älterer) mit Brandungskehle. (Orig.) 485. Rosa-Sprofl. (Orig.) 903. Sandstein - Orgel im Zittauer Gebirge. (Orig.) 188. Sarcophaga u. Tachina , Weibliche Ge- schlechtsorgane. 714, 7^5- Schädel. (Orig.) 975, 976. Scharfenstein b. Cassel. (Orig.) 934. Schech el Beled. 680. Schema einer Ctenophorc. 972. Schema einer Meduse. 972. Schema über die Stärke der |3-Strahlen. 998. Schemata zur Biogen-Hypothese. (Orig.) 358- Schemata zur Demonstration der P.rillen- wirkung. (Orig.) 228. Schemata zur Erläut. der Extremitäten- entstehung. 147, 148. Schemata zur Vergleichung von Größe, Gewicht u. Kraft von Vögeln. lOrig.) 567. Schemat. Darstellung über Temperatur u. Niederschläge. 44, 124, 190, 269, 333, 395. 477> 538. 618, 685, 750, 814. Scheuchzeria palustris. 790. Selachier-Schädel-Skelett. 132. Spirogyra jugalis. 899. Schnecken, parasitische. 242, 243, 244, 245, 246. Schwimmender Eisberg. 507. SemperncUa. 164. Seti I. 694. Sicyos-Sproß. 904. Sigillarien-Rinden. (Orig.) 409 — 410. Sphagnum acutifol. 787. Sphinx. 693. Sphinx von Gizeh. (Orig.) 690. Stachys silvatica-Sproß. (Orig.) 902. Stauzone des Meereises. 507. Stegomyia fasciata. 1032. Stelzenpflanzen, heimische. (Orig.) 301. Sven v. Hedins Boot auf dem .^ksu-Darja. 621. Tätelchen aus einem Grabe von Abvdos. 678. Taschenlupen von Zeiß. 537. Thutmosis 111. 693, 694. Tokkus-Kum. 623. Torfstich im Gifhorner Moor. (Orig.) 789. Transportable Röntgen-Einrichtungen. 782, 783. Trichomanes reniforme. 36. Trisections-Apparat für Winkel. (Orig.) 394- Triticum, Blattquerschnitl. 900. Trypanosomen. 458, io34- Überzählige tier. Bildungen. 585, 586. Vaccinium Oxycoccos. 792. Variationskurven für Centaurea Jacca. (Orig.) 424. Versteinerte Baumstämme aus .\rizona. 731 u. 732. Völkertypen ägypt. Wandgemälde. 676. Vulkane mit Gipfelkrönungen. 933, 934. Zellen (zu France, S. R.). 282, 283. Zellverbindungen. 818, 820, 821. Einschliefslich der Zeitschrift „DlC NatUf" (Halle a. S.) seit i. April 1902. Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potonie und Oberlehrer Dr. in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. F. Koerber Neue Folge III. Band; der ganzen Reihe XIX. Band. Sonntag, den 4. Oktober 1903. Nr. 1. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M. 1.50. Bringegeld bei der I'osl 15 Pfg. extra. Postzeitungsliste Nr. 5263. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 40 Pfg. Bei griiljeren Aufträgen entsprechender Rabatt. PieiKigen nach Ul)er- einkunft. Inseratenannahme durch Max Gelsdorf, Leipzig- Gohlis, BlumenstraBc 46, HuchhUndlerinserate durch die Verlagshandlung erbeten. Über die psychischen Funktionen der Tiere. Von Prol. H. J. Kolbe. .Äußeriingen der Tiere werden verschiedenen Gesichtspunkten [N.Tcluhuck veiboten. I Die seelischen unter zwei ganz betrachtet und beurteilt. Die erste Richtung der Tierpsychologen steht unter dem Zeichen des Instinkts. Alle psychischen Erscheinungen an Tieren werden auf instinktiven Impuls zurückgeführt, jenen geheimnis- vollen inneren Naturtrieb, dem das Tier blindlings und ohne eigentliches Bewußtsein folge. In der zweiten Richtung waltet vornehm- lich die Ansicht vor, daß die Tiere neben instink- tiven Trieben selbständige seelische Regimgen haben, daß sie denken und bewulSt psychische Tätigkeiten ausüben. Das hierfür gebräuchliche Schlagwort heißt Intelligenz. Die alte, auf den Instinkt begründete Lehre von der Seele der Tiere hat auch in der Gegen- wart hervorragende Vertreter. Vor allem ist es P. Erich Was mann'), der seit vielen Jahren ') Man vergleiche z. B. aus seinen zahlreichen Werken „Die psychischen Fähigkeiten d e r A mci s e n" (1899) und „ V c r g 1 e i c h e n d c S t u d i e n über das Seelenleben nicht nur als feiner Beobachter des Insekten- und namentlich des Ameisenlebens bekannt ist, sondern auch die psychischen Fähigkeiten der x^meisen in weitestem Sinne erforscht. Indem er von dem Standpunkte ausgeht, daß zurflrklärung der ps)-chischen Vorgänge bei den Tieren keine höheren Faktoren herangezogen werden dürfen, wenn einfache genügen, geht er niemals über die Annahme von Instinkten bei den Tieren hinaus. Aber als einsichtsvoller Naturforscher gesteht W a s m a n n den Ameisen ein „unzweifelhaftes Vermögen der sinnlichen Mitteilung", „individuell erworbene Geschicklich- keit", die „Fähigkeit, selbständig, aus unzweifel- haften Erfahrungen heraus, ihr Handeln zu modi- fizieren", die „individuelle Bildung von neuen sinn- lichen Assoziationen", ferner ,, Lernvermögen", dann die Fähigkeit, „selbständig individuelle Erfahrungen zu sammeln" und schließlich „das Benehmen an- derer Gefährtinnen wahrzunehmen und instinktiv nachzuahmen", bereitwillig zu. Diese Fähig- der Ameisen und der höheren mehrte .\uflagc (1900). Tiere." Zweite ver- Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. ni. Nr. I lfahrung und durch Lernen Er- worbene. Indes haben die Tiere nur anschau- liche Vorstellungen; beim Menschen treten noch abstrakte, begriffliche Vorstellungen hinzu, wie z. B. schon von Schopenhauer hervor- gehoben wird. Waitz ') ist der Ansicht, daß den Tieren durch den Mangel der Sprache nicht nur die Bildung von Begriffen, sondern auch das Denken unmöglich sei. Ein Hund hat aber in seiner psychischen Vorstellung von einem anderen Hunde ') Waitz, Lehrbuch der Psychologie als Natur- wissenschaft. S. 538. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. I sicher den Begriff „Hund", ohne dafür einen sprach- lichen Ausdruck anscheinend nötig zu haben. Und Denkvermögen in einfachen Formen ist vielen Tieren auch wohl nicht abzusprechen, wie manche Beobachtungen zeigen. In der Literatur sich findende Mitteilungen von Beispielen des Abstraktionsvermögens bei Insekten sind ohne Zweifel Mißdeutungen und Anthropomorphismen, welche von Wasmann') auf ihren eigentlichen Wert zurückgeführt werden. Einfache Formen des Abstraktionsvermögens glaubt Darwin'-) bei Hunden annehmen zu können; denn er schreibt; „Wenn ein Hund in der Ent- fernung einen Hund sieht, so ist es oft ganz klar, dal.^ er nur in abstraktem Sinne wahrnimmt, daß es ein Flund ist, denn wenn er näher herankommt, so ändert sich sein ganzes Wesen plötzlich, wenn der andere Hund mit ihm befreundet ist." Es ist natürlich unmöglich, zu beurteilen, was in der Seele des Hundes vorgeht. xAhnlich ist es mit der Frage, ob Tiere Selbst- bewußtsein haben. Darwin glaubt ,"') daß ein alter Hund mit einem ausgezeichneten Gedächt- nisse und etwas Einbildungskraft, wie sie sich durch seine Träume zu erkennen gibt, sicher über die Freuden und Leiden Betrachtungen anstellt, welche er vorher auf der Jagd hatte. Daran ist gewiß nicht zu zweifeln. Ich selbst kann dazu die folgende kleine Geschichte mitteilen , welche den Hund (schottischen Schäferhund) eines meiner Bekannten betrifft. Dieser Hund, der gewohn- heitsmäßig den Abend und die Nacht im Hause zubringt und hier seine regelmäßige Mahlzeit und sein bequemes Nachtlager erhält, blieb ein- mal bei einem Spaziergange, auf dem er seinen Herrn begleitete, zurück .und verirrte sich an- scheinend. Er war am Abend nicht zu Hause, auch in der Nacht nicht. Am folgenden Morgen stellte er vor der Haustür sich ein und winselte. Als ihm von Hausgenossen geöffnet wurde, klagte und jammerte er, als ob er sagen wollte, er habe eine sehr schlechte Nacht und große Unbequem- lichkeiten gehabt. Auch dieses Beispiel, wenn es nicht mißdeutet ist, könnte einiges Licht auf die Vorstellungen werfen, welche sich im Kopfe des Hundes abspielten. Schließlich taucht bei derartigen Betrachtungen, wobei Tiere eine Rolle spielen, immer wieder der Begriff „Instinkt" vor uns auf. Instinkt ist, wie ich mehrfach mit Recht dar- gelegt zu haben glaube, nur in der Anlage als solcher vorhanden. Er ist ein Naturtrieb , aber die aus dem Naturtriebe hervorgehende Handlung halte ich nicht mehr für in- stinktiv. Vielmehr bin ich der Ansicht, daß ') E. Was mann. Die zusammengesetzten Nester und gemischten Kolonien der .\ m e i s e n. Münster i. W. S. 190. ") eil. Darwin, Die Abs tammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl. Deutsch v. (. Victor Carus. 5. Aull. Stuttgart, 1S90. S. gj. ^1 Ch. Darwin, 1. c. S. 92. der Instinkt auch bei den Tieren vom Verstände kontrolliert wird, daß der in Tätigkeit umgesetzte Instinkt selbständiges Handeln ist. .^ber die aus dem Instinkte resultierenden Handlungen der Tiere werden von ihrer Organisation reguliert. Eine Arbeiterameise, welche für die Brutpflege prädestiniert ist, kann schon bald nach ihrem Aus- schlüpfen aus der Puppe ihre ihr vorgesetzten, im Haushalt des Ameisenstaates notwendigen Arbeiten verrichten, ohne diese erlernt zu haben. Der ihr innewohnende Naturtrieb lenkt sie zu diesen Hand- lungen hin, und sie verrichtet ihre Arbeiten so, wie diese ihrer körperlichen Organisation ange- messen sind. Bei dieser Ausführung ihrer Arbeiten handelt sie selbständig und lernt durch eigene Erfahrungen und Nutzanwendungen noch mehr dazu. Auch Reflextätigkeit, wie sie der Natur der Ameise entspricht, beeinflußt sicher ihre Arbeiten. Ich fasse den Instinkt und die daraus re- sultierenden Handlungen nun folgender- maßen auf: Instinkt ist ein erblicher Trieb zu bestimmten Handlungen, welcher in engster Verbindung steht mit der durch die Organisation des Körpers gegebenen h""ähigkeit, diese Handlungen auszu- führen. Die Ausführung der durch den Instinkt hervorgerufenen Handlungen ist eine selbständige und bewußte Tätig- keit. Meine vorstehende Erklärung unterscheidet sich von den bisherigen Erklärungen des Instinkts da- durch, daß ich die Ausführung der durch Instinkt hervorgerufenen Handlungen nicht für instinktiv halte. Hierinit glaube ich die Schwierigkeiten hinweggeräumt zu haben, welche zwischen den Differenzen der bisherigen Deutungen bestehen. Einige Naturforscher er- klären auch die aus dem Instinkte hervorge- gangenen Handlungen für instinktiv; andere sind zu extrem in der Auffassung der Intelligenz der Instinktwesen. Da es wichtig ist, festzustellen, was bei einem Tiere Instinkt und was durch eigene Erfahrung erworben und erlernt ist, so erscheint es not- wendig, junge Tiere (namentlich junge Säugetiere und Vögel, kurz vorher aus der Puppenhülle her- vorgegangene Insekten) daraufhin zu beobachten und dabei anzumerken, wie sie bei all ihrem Tun sich benehmen, wie sie ihre Nahrung suchen und finden, wie sie sich zu ihresgleichen verhalten, wie ihre Beziehungen zu ihren Eltern sind (was bei Insekten nur teilweise möglich ist), namentlich wie und worin sie von ihren Eltern unterrichtet und bei ihren Versuchen unterstützt werden, dann wie sie ihre Handlungen zu den sexuellen Tätigkeiten und zu den Geschäften der Brutpflege einleiten ; ferner wie sie ihre Handlungen vervollkommnen, wie sie an Geschicklichkeit zu den verschiedenen Hand- lungen gewinnen, was für Erfahrungen sie machen, wie sie diese verwerten, was sie sonst noch hinzu- lernen und wie sie sich fernerhin in allen ihren N. F. III. Nr. I Naturwisscnschaftliclic Wochenschrift. Handkingen verhalten, und namentlich wie die Handlungen der älteren Tiere sich von denen der jüngeren Tiere unterscheiden. Das heißt also : die auf individueller Wahrnehmung und auf Lern vermögen beruhenden selbständigen Handlungen sollen von den der betreffenden Art zukommenden, aus Instinkten hervorgehenden Hand- lungen unterschieden werden. An derartigen Beobachtungen ist in der Biologie großer Mangel ; sie sind aber notwendig für die Erkenntnis der Tierseele. Kleinere Mitteilungen. Plauderei über die Macht der Gewohn- heit. — Durch stete Wiederholung seines Rufes „ceterum censeo Carthaginem esse delendam" ge- wöhnte der alte Cato die Römer an seinen Ctc- danken von der Notwendigkeit der Zerstörung Carthagos. Der frühere preußische Abgeordnete Bohtz stellte in einer Sitzung (vom 14. April 1891) den Antrag in § 80 der Landgemeindeordnung das Wort „absolute" in „unbedingte" umzuändern und führte zur Begründung das Folgende aus. Der stenographische Bericht lautet : „„um das Wort habe ich gebeten, weil ich mir auf Nr. 252 der Drucksachen unter Nr. 4 den Antrag zu stellen erlaubt habe, in i; 80 das Wort „absolute" vor Stimmenmehrheit umzuwandeln in „unbedingte". Das klingt vielleicht lächerlich, aber wir sind bestrebt, da, wo es irgend geht, I''rem(i- wörter zu eliminieren (Rufe : eliminieren !) (Heiterkeit.) Dieser Lapsus, — (Rufe: Lapsus!) (Große Heiterkeit.) der mir eben begegnet ist, beweist nur, wie sehr wir noch gewöhnt sind, mit Fremdwörtern . . . (Rufe: zu operieren!) (Stürmische Heiterkeit.) — Mißbrauch zu treiben, so daß es wirklich an- gezeigt ist, da, wo es angängig erscheint, der- artige Fremdwörter zu beseitigen. Nun habe ich bei meiner Erfahrung in der Praxis — (Heiterkeit.) häufig gefunden , daß bei der Feststellung der Mehrheit bei Wahlen, die Gemeindevorsteher in Verlegenheit geraten. Sie verstehen die Begrifie „absolute" und „relative" Mehrheit nicht ausein- ander zu halten, und ich habe es deshalb für an- gezeigt gehalten, den Antrag zu stellen, an Stelle des Wortes ,, absolute" hier das deutsche Wort „unbedingte" zu setzen. Die Sache hat ja nun hier einen lächerlichen Anstrich gewonnen, aber sie ist wirklich nicht so lächerlich, wie es scheint. Ich habe es ernst gemeint und möchte Sie bitten, den von mir zu § 80 gestellten Antrag hier schon bei § 60 an- zunehmen, woraus dann als Konsequenz — (Heiterkeit.) — folgt, daß er auch bei § 80 als angenommen gilt." " Muß man bei solchen Beispielen, die sich ins Unendliche mehren lassen, nicht unwillkürlich an einen großen, schweren Pendel denken, der beim ersten Anstoß einen noch nicht merklichen, beim zweiten einen eben merklichen Ausschlag und schließlich nach und nach immer deutlicher werdende .Ausschläge zu erkennen gibt, um endlich bei diesen länger zu verweilen ? Unser Denken und Handeln auf Grund von Gewohnheiten ist zu vergleichen mit der „Trägheit" des Stoffes. P. Mantegazza sagt in seinem Büchelchen „Hygiene des Kopfes" : „Die (iewohnheit ist eine der psychologischen Formen des allumfassenden Trägheitsgesetzes, und sicherlich eines der elementarsten Gesetze der Be- wegung, indem dieselbe, sobald sie einmal eine Richtung eingeschlagen hat, nicht anhält, wenn sie nicht etwa auf Hindernisse stößt, die ihr eine andere Richtung zu geben oder sie in eine Kraft umzubilden vermögen. Ja sogar der Instinkt ist wohl nichts anderes als eine von Generation zu Generation fortgeerbte Gewohnheit, als die ver- mittelst der Liebe übertragene Veränderung des Individuums . . . Die Gewohnheit ist eine be- ständige Modifikation eines Organs oder einer Funktion, hervorgebracht durch die häufige Wieder- holung einer und derselben Tätigkeit oder Hand- lung, infolgedessen dieselbe immer leichter und notwendiger wird." Es ist in der Tat sehr bemerkenswert , daß einmal gewonnene Denkanschauungen mit außer- ordentlicher Zähigkeit festgehalten werden. Die Macht der Gewohnheit spielt hier eine gewaltige und — man muß wohl auch sagen — „berech- tigte" Rolle; denn hat sich eine Denkrichtung im Leben bewährt, oder hat sie doch keinen Anstoii gefunden, so liegt ja keine äußere Ursache vor, sie aufzugeben oder verschwinden zu machen. Folgen wir einer nützlich gefundenen Gewohn- heit, so schwindet uns allmählich das Bewußtsein des aus der Erfahrung geschöpften Grundes, warum wir ihr folgen. Ihr zu folgen erscheint uns dann in unserem Handeln ohne weiteres selbstverständ- lich, in unserem Denken auch : sie nähert sich dem Aprioristischen immer mehr. Mantegazza macht ferner den berufsmäßig mit dem Kopfe Arbeitenden Vorschläge dahingehend, ihre Arbeiten an bestimmte Zeiten zu knüpfen, niemals über den Beginn der Ermüdung hinaus zu arbeiten, von Reizmitteln keinen Gebrauch zu machen usw.') Diese Ratsciiläge können von denen, die bisher anderen Gewohnheiten folgten, deshalb leicht angenommen werden, weil die Denk tätig- ') Vgl. „Naturw. Wochcnsclir." Bd. V (1890), S. 501. Naturwissenschaftliclic Wochenschrift. N. F. III. Nr. I keit vergleichsweise leicht neuen Gewohnheiten folgt. Mit der Denkrichtu ng ist es eben anders; denn, wie gesagt, die Gewohnheit, in einer be- stimmten Richtung zu denken, auch wenn diese eine falsche aber nützliche oder indifferente ist, ist nur sehr schwer, oft gar nicht zu überwinden. ,,Es ist eine merkwürdige, sich immer wieder- holende Erscheinung in der Geschichte der Wissen- schaft — sagt z. B. Melchior Neumayr ') — : eine neue und richtige Auffassung, die sich nicht auf neues handgreifliches Material von Tatsachen, sondern auf eine bessere Deutung schon bekannter Beobachtungen stützt, gelangt nicht dadurch zur allgemeinen Annahme, daß die Gegner durch die Macht der Gründe widerlegt und überzeugt werden, sondern dadurch, daß dieselben aussterben und die junge Generation die neue Theorie als selbst- verständlich annimmt, so daß eine solche in der Regel ein Menschenalter braucht, um sich Eingang zu verschaffen." Zur Illustration dieser Äußerung sei der be- kannte Berliner Naturforscher Christian Gottfried Ehrenberg herangezogen , der in einem nachge- lassenen Manuskript über die Darwin'sche Theorie den Ausspruch tat : -) „Der Gedanke, daß alles Leben in seinen Formen aus lieblosem Kampfe ums Dasein hervorgegangen, ist drückende Folter. Ich erachte, daß die späteren Generationen der Menschen diese lieblose Schöpfung nicht ertragen werden, sondern sich umzusehen geneigt sein werden, ob • nicht noch eine andere Weltansicht des Lebens aufzufinden sei" — und doch giebt Ehrenberg zu : — ,,Darwin's Bemühung ist das Resultat eifriger Anschauung der Natur in einem langen, beobachtungsreichen Leben. Die von diesem Schriftsteller vorgetragenen , höchst interessanten Naturbilder werden einen großen Wert für alle Zeiten behalten , nicht bloß der reichen eigenen Beobachtungen halber , sondern auch wegen der Eintragung vieler sehr zerstreuter Beobachtungen anderer, wonach dieses Werk zu einem Lexikon geworden ist, dessen einzelne Schätze von Zeit zu Zeit immer wieder benutzt zu werden geeignet sind." Für Ehrenberg war die Annahme der Konstanz der Arten eine Hauptgrundlage seiner langen und beständigen Studien gewesen ; dieser Gedanke ge- hörte innig zu seinem Weltbegriff, der durch die Annahme der Veränderlichkeit der Arten wesent- lich erschüttert worden wäre. Die Selbsterhaltung mußte ihn daher zur Ablehnung der Deszendenz- Theorie führen, und es ist nur ein Zeichen des trefflichen Naturforschers, daß er klar erkannte, daß für ihn ein wesentlicher Grund der Ablehnung in der „drü cken den Folter", in dem ihm „lieb- los" erscheinenden Kampf ums Dasein lag. Es wäre psychologisch fast wunderbar, wenn die älteren Naturforscher nicht zum größeren Teil Gegner der Deszendenz -Theorie und im speziellen des ') Erdgeschichte I. Leipzig 18S7. p. 18. -) Vergl. Nalurw. VVochenschr. Bd. X (1895) Nr. 15. Darwinismus gewesen wären. Wenn wir die beiden Möglichkeiten — Konstanz der Arten und Ver- änderlichkeit derselben — gegenüberstellen , so entspricht freilich die letztere erdrückend besser den Tatsachen und fordert gebieterisch ihre Annahme: aber auch zur Einsicht von Wahrheiten^ gehört Übung! Die mit dem Hypnotismus Vertrauten nennen die Tatsache von der Kraft der Gewohnheit Sug- gestion. Bei der Erziehung werden einem jeden Dogmen vorgetragen, um sie einzupflanzen; „s[)äter — sagt z. B. Albert Moll ') — sitzen sie in ihm fest und beeinflussen sein ganzes Handeln. Es ist das Dogma für ihn zu einer Autosuggestion ge- worden, die durch keine wissenschaftlichen Gründe beseitigt werden kann; denn die Autosuggestion ist der größte Feind der Fremdsuggestion. Jeder Mensch eignet sich diese Autosuggestionen im Laufe der Zeit an. Auch die \'orurteile sind solche Autosuggestionen. Ideen, für die Menschen kämpfen, sind als Autosuggestionen aufzufassen." Mag man nun die Tatsache nennen oder ,, er- klären" wie man wolle: jeder Einzelne hat an der Partei, der er nicht angehört, die Erfahrung ge- macht, daß die Logik eingefleischten Anschauungen gegenüber keinen Einfluß übt, und jeder Gelehrte wird bestätigen, daß speziell die wissenschaftliche Logik anerzogenen oder althergebrachten An- schauungen gegenüber meistens machtlos ist. Es ist diese Tatsache auch ganz begreiflich. Denn ist ein Mensch mit den ihm anhaftenden, aus seinem Lebensgange resultierenden Gewohnheiten seinen Bedürfnissen entsprechend gut durchge- kommen, so hat er keine Ursache diese Gewohn- heiten in seinem Denken und Handeln zu ver- lassen. Viele Gewohnheiten entstehen mit Rück- sicht auf die individuelle Lebenserhaltung und festigen sich, wenn sie nicht durch aus ihnen folgende lebensstörende Hindernisse beseitigtwerden. Die meisten Gewohnheiten verdanken wir der Er- ziehung, der planmäßigen in unserer Jugend oder der später aus dem gesellschaftlichen Leben sich ergebenden, und auch diejenigen unter diesen, die weder nützlich noch schädlich aber aus falschen Voraussetzungen entspringen, werden sich im ge- gebenen Moment geltend machen, weil das ganze menschliche Verhalten auf Assoziationen beruht. Die Prinzipien der Erziehungslehre beweisen, daß die Pädagogen den Wert der Gewöhnung (der l^bung) vollauf kennen. Schopenhauer sagt: „Durch Erziehung und Beispiel kann man den Menschen das Richtige und Vernünftige, oder auch das Absurdeste einprägen, z. B. sie gewöhnen, sich diesem oder jenem Götzen nur vpn heiligem Schauer durchdrungen zu nähern und beim Nennen seines Namens nicht nur mit dem Leibe, sondern auch mit dem ganzen Gemüte sich in den Staub zu werfen ; an Worte, an Namen , an die Ver- teidigung der abenteuerlichsten Grillen, willig ihr Eigentum und Leben zu setzen; die größte Ehre ') Der Hypnotismus. I. AuH. p. 35. N. F. III. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. und die tiefste Scliandc bchebij^ an Dieses oder Jenes zu knüpfen, und danach jeden mit inniger i^berzeugung hoclizuschätzen, oder zu verachten ; aUer animalischer Nahrung zu entsagen, wie in Hindostan, oder die dem lebenden Tiere heraus- geschnittenen, noch warmen und zuckenden Stücke zu verzehren, wie in Abessinien ; Menschen zu fressen, wie in Neuseeland, oder ihre Kinder dem Moloch zu opfern; sich selbst zu kastrieren, sicli willig in den Scheiterhaufen des Verstorbenen zu stürzen, — mit einem Worte, was man will. Daher die Kreuzzüge, die Ausschweifungen fana- tischer Sekten, daher Chiliasten und Flagellanten, Ketzerverfolgungen, Autos de fe, und was immer das lange Register menschlicher Verkehrtheiten noch sonst darbietet." Da sagt allerdings Schiller's Wallcnstein nicht zu viel, wenn er die Gewohnheit die Amme des Menschen nennt. Für die meisten ist es unmög- lich, für andere nur nach Kämpfen möglich, die von der Amme übertragenen Keime wieder los- zuwerden. Die Fähigkeit zu glauben bedarf zli ihrer Entstehung der Pflege, aber sie entwickelt sich leicht; wer aber einmal gläubig geworden ist, und dann ausschließlich wissen will, findet in seinem Denken versperrende steile Wälle auf- getürmt, die zu erklimmen nur wenigen ver- gönnt ist. Die anerzogene Denkrichtung eines Menschen gleicht einem gewaltigen Sturzbach, der alles sich ihm in den Weg .Stellende mit sich fortreilU. Ein junger Bach schlängelt sicii, den zurückzulegenden Weg zur Erreichung seines Zieles überflüssig ver- längernd, vielfach hin und her und entfernt sich auch wohl streckenweise vom Ziele. Erst nach und nach , sehr allmählich vermag er gewisse Strecken seines Bettes, die nur Umwege und Rück- schritte bedeuten, abzuschneiden. Auch der Ver- stand kann aus seinem mäandrischen Geleise nur selten plötzlich heraus in ein in gerader Richtung schnell zum Ziele laufendes hinein; ebenso wie auch ein Wasserlauf nur bei ausnahmsweise starkem Zufluß, wenn das alte Bett die Fülle nicht melir fassen kann, ein neues, kürzeres Bett zu graben vermag. Die Logik aber ist es nicht, die falsche Ansichten des Alltagsmenschen zu rektifizieren ver- mag; wie beim Wasserlauf vermag ein solches nur der Zwang der Verhältnisse. „So sehen wir — sagt auch Moll ') z. B. — daß gegenüber Vorurteilen, Dogmen, politischen Ansichten, die Logik keinen allzugroßen Wert hat." Wenn wir diese Tatsache erwägen unter dem Gesichtspunkt, daß die konstanten Eigenschaften der organischen Wesen, sofern diese nicht zu- grunde gehen sollen, so beschaffen sein müssen, daß sie das individuelle Leben und die Arterhaltung stets unterstützen oderjedenfalls doch nicht hindern, so müssen wir ohne weiteres aus dem Gesagten die Folgerung ziehen, daß für das Leben und die Erhaltung der Organismen, speziell des Menschen, ') A. a. O. p. 35. also wohl gewohnheitsmäßiges Denken wichtiger ist als rein logisches. Ein Re- sultat, aus welchem wir die Individualitäten ver- stehen lernen, deren Eigentümlichkeiten nur in- sofern bestehen, als sie im Kampf ums Dasein nicht tangiert werden. Gab es nun stets Individualitäten , oder mit anderen Worten : waren die Menschen stets geteilter Meinung? Daß übereinstimmende Meinungen immer auf Gebieten herrschen, die die dringenden Bedürfnisse des menschlichen Lebens betreffen, während ein Auseinandergehen erst auf Gebieten stattfindet, die in dieser Beziehung indifferent sind, ist eine leicht wahrzunehmende Tatsache. Eduard Kulke ') macht darauf auhnerksam, daß ein solcher Widerstreit der Meinungen , wie er heutzutage beobachtet wird, aus dem Grunde bei dem Menschen der allerersten Urzeit nicht möglich war, weil sich bei diesen alles ausschließlich um den Kampf ums Dasein drehte: „Solange das Streben nach Befriedigung der dringendsten Be- dürfnisse das einzige blieb, welches das Denken der Menschen beschäftigte, konnte die durchgängige Übereinstimmung in ihren Meinungen auch gar nicht durchbrochen werden." „Diese Möglichkeit trat nicht eher hervor, als bis die Menschen an- fingen ihre Gedanken auf Dinge und Erscheinungen zu richten, welche mit den dringenden Bedürf- nissen und deren Befriedigung in keinem unmittel- baren Zusammenhang standen." Erst hier können gewisse subjektive Eigentümlichkeiten des Indivi- duums hervortreten. Durch Schaden wird man klug; wo ein Schaden mit einer falschen Meinung nicht verknüpft ist, bleibt man eben unklug. Be- ginnt eine subjektive Meinung eines einzelnen die Gesamtheit aus irgend einem Grunde zu inter- essieren, so tritt der Moment ein, wo sich die religiösen Vorstellungen zu bilden beginnen. Denn war z. B. die .Sonne ein Wesen, das sein dem Menschen unentbehrliches Licht und seine ebenso unentbehrliche Wärme, wenn es wollte, auch vor- enthalten konnte, so mußte man es verehren und anbeten; war sie ein von unsichtbarer Hand ge- worfener Gegenstand, so mußte jenes Wesen ver- ehrt und angebetet werden, das die Macht besaß, solches zu vollbringen: es kam nur darauf an, für welche dieser subjektiven Meinungen sich die Ge- samtheit oder ein Teil der Gesamtheit (Kasten- bildung) entschied. Dies die Ansicht des letzt- genannten Autors. Nur diejenigen Meinungen werden allmählich ausgemerzt, die unbedingt zu schädlichen Hand- lungen führen; die relativ unschädlichen Ansichten aber haben lange Dauer und werden nur durch neu auftauchende Interessen von anderen beeinflußt oder abgrelöst. H. P. Zur Entwicklungsgeschichte der Meinungen. Leipzig 1891. Räuberische Süfswasserschnecken. — Die siroße Schlanmischnecke oder gemeine Teich- lO Nalurwisseiiscliaftlichc VX'ochcnschrifi. N. I'. III. Nr. I Schnecke, Limiiaea stagnalis Lam. ist in unseren Teichen und Tümpeln überall häufig zu finden. Ihre ansehnliche Größe macht es ziemlich leicht, sie zu beobachten, und ihr Körperbau wie ihre Lebensweise bieten so viel des Interessanten, daß es sich wohl lohnt, Zeit und Mühe dafür hinzu- geben. Es haben sich auch schon viele Zoologen und Laien mit ihr beschäftigt, und es ist bereits viel über sie geschrieben worden. Trotzdem möchte ich hier einige Beobachtungen veröffentlichen, von denen ich wohl annehmen darf, daß sie weniger bekannt sind. In Kreisen der Aquariciiliebhaber erfreut sie sich keines guten Rufes, denn sie richtet unter den Pflanzen im Aquarium große Ver- wüstungen an. Das tut sie aber allem Anscheine nach nur aus Not, weil es ihr an tierischer Nahrung mangelt. Jedenfalls zieht sie die letztere den Vege- tabilien vor. Gleich den Wasserasseln und anderen Kleinkrebsen maciit sie sich in den Gewässern dadurcii nützlicii, daß sie dieselben vom Aase säubert. Dabei leistet sie im Skelettieren toter Fische ganz Vorzügliches, alle Weichteile, die Augen, sogar das Gehirn werden vollständig entfernt und aucii die feinste Gräte säuberlich abgeleckt. Aber aucii lebenden Tieren wird die Limnaea stagnalis gefährlich. Ich habe selbst beobachtet, wie sie eine ganze Kolonie Süßwasserpolypen (Hydra) ver- nichtete. Die Hydren saßen in lo — 12 Exem- plaren an der Glaswand eines Aquariums, die Schnecke kroch an derselben entlang. Kaum be- rührten die Tentakeln der Polypen ihre Oberlippe, welche ein vorzügliches Tastorgaii zu sein scheint, als sie sich schleunigst daran machte, eine nach der andern zu verzehren. Ein anderes Mal traf eine große Limnaea auf ihrem Wege eine junge Posthorn- oder Tellerschnecke (Planorbis). Sofort überfiel sie dieselbe, wobei sie das Maul außer- ordentlich weit öffnete. Im Augenblick war sie damit fertig und ließ das Gehäuse des Tierchens zurück. Ich habe dasselbe mit dem Mikroskop untersucht und gefunden, daß der Körper der Planorbis vollständig aus dem Gehäuse heraus- geholt war. Anfangs war ich geneigt, derartige L^berfälle auf lebende Tiere als Gelegenheitsräube- reien anzusehen, bis ich vor einigen Tagen durch eigene Anschauung dahin belehrt wurde, daß nicht immer der Zufall die Schuld trägt, sondern daß auch eine planmäßige Jagd stattfindet, bei welcher außer dem Tastsinn auch die Augen eine wichtige Rolle spielen. In einem großen Einmacheglase wächst vor meinem Fenster unser einheimisches Pfeilkraut, Sagittaria sagittaefolia L. Die Pflanze ist mit unzähligen großen Blattläusen behaftet. Eine Gruppe dieser Tiere saß an einem Blatt- stiele und wurde von einer Limnaea bemerkt. Da die Läuse oberhalb des W^assers saßen, konnte von einer Anwendung desTastsinnes seitens der .Schnecke nicht die Rede sein, sie mußte vielmehr die Beute mittels der .\ugen wahrgenommen haben. Nun geschah etwas Unerwartetes : die .Schlammschnecke kroch aus dem Wasser heraus, bis ihr Kopfende ca. 3 cm über der Wasseroberfläche war und suchte den Blattstiel rund herum ab, und alles, was sich nicht durch schleunige Flucht retten konnte, wurde von dem weit geöffneten Maule gepackt und aufgefressen. Wenn ein Beutestück an der Oberfläche des Wassers treibt, so weiß die Limnaea sich unter geschickter Verwendung der P'ußsohle desselben zu bemächtigen und es dem Munde zuzuführen, so daß sich dem Beschauer un- willkürlich der Gedanke aufdrängt, das Tier müsse einer gewissen Überlegung fähig sein. Es möge darum zum Schlüsse noch das folgende Experiment Erwähnung finden. Um zu sehen, was das Tier beginnen würde, steckte ich in die geöffnete Atem- höhle einer Schlammschnecke einen feinen Stroh- halm. Kaum spürte die Limnaea den PVenrdkörper, als sie die Atemöffnung schloß, den Körper einzog und sich zu Boden fallen ließ. Hier blieb sie eine Weile regungslos liegen, dann kam sie aus dem (ichäuse heraus und suchte sich über die Ursache des Unbehagens zu orientieren, schließlich faßte sie mit der Oberlippe und mit dem vorderen Teile der Sohle den Halm und zog ihn ruckweise unter fortwährendem Nachfassen aus dem Luft- sackc heraus. Chr. Brüning. Eine neue deutsche Clathracee. — Die inter- essanten P'ormen der Phalloidecn sind besonders in den Tropen verbreitet, während bei uns in Deutschland bisher nur zwei heimische Arten, die Stinkmorchel (Phallus impudicus) und die Hundsrute(Mutin us caninus) beobachtet worden sind. Hin und wieder ist allerdings auch der rote Gitterpilz (Clathrus cancellatus), so vor mehreren Jahren bei Berlin auf einem Palmen- kübel, gefunden worden, doch wurde das Mycel dieses Pilzes stets mit der Pflanze aus Italien oder Südfrankreich eingeschleppt. Erstgenannte Arten gehören zur l''amilic der Phallaceen, letztere den Clathraccen an. Zu meiner größten Überraschung erhielt ich im August vorigen Jahres einen ganz wunderbaren Pilz in zahlreichen lebenden Exemplaren aus Lud- wigslust in Mecklenburg zugesandt. Derselbe war dort auf einem sandigen Spargelfeld außerhalb der Stadt gewachsen und war von dem Herrn H. Klitzing daselbst entdeckt worden. Der Pilz erwies sicli als eine Art der Clathraceen-Gattung Anthurus, deren Vertreter, sonst fast ausschließlich in tropischen Gebieten heimisch, bisher sehr mangelhaft bekannt geworden sind. Es sind dies etwa 7 Arten , von denen A n t h u r u s W o o d i i in Ostafrika, A. Santa Catharinae in Brasilien, A. Clarazianus in Argentinien, A. cruciatus in Gujana, A. Müllerianus, A. aust ral ien sis in Australien, sowie A. borealis in Nordamerika vorkommt. Letztere Art wurde erst im Sep- tember 1894 auf einem sandigen Getreidefelde bei Last Galway (New- York) von Burt entdeckt und beschrieben. — Mit dieser letzteren Art hat unser mecklenburger Pilz nun sehr große .\hnlichkeit, doch ist derselbe durch verschiedene Merkmale, so durch P'ärbung der Arme und der Sporenmasse, N. F. III. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. durch Vorhandensein einer ringförmig verlaufenden Leiste unterhalb der Arme u. s. w. abweichend. Ich habe den Pilz daher vorläufig nur als Varietät zu letzterer .^rt gestellt, doch dürfte derselbe wohl besser als Art A n t h u r u s K 1 i t z i n g i i abzu- trennen sein. Das Vorkommen, sowie die ange- gebene Verschiedenheit von der amerikanischen Art sprechen dafür, daß der Pilz zweifellos ein ursprünglicher Bürger unserer Flora, möglicher- weise auch weiter verbreitet sein dürfte. Recht oft entziehen sich derartige sich äutlcrst rasch ent- wickelnde und dabei äul.^)erst vergängliche Pilzarten dem Auge und der Kenntnis des Mykologen. Der heran. Dieses Ei ist von weißer Farbe, an der Basis dem Mycelstrange angewachsen. Bei der Reife reißt die Eihaut, welche außen pergament- artig, innen aus einer dicken Gallertschicht und zu innerst aus einer sehr dünnen weißen Membran besteht, unregelmäßig auf. Der Stiel des Frucht- körpers streckt sich oft binnen wenigen Minuten und hebt die Gleba hervor, während die zerrissene E'ihaut am Grunde des Stieles als Scheide ver- bleibt. Der Stiel ist keulenförmig nach oben zu verdickt, 2 — 8 cm lang, oben 1 — 2 cm dick, aul.5en weiß, runzelig, netzig-zellig, im Innern mit weitem I lohlraume. Fig. I. ^ Fig. 2. Fig. 7. >0 Fig. 8, P'Jt?) yi Fig. 4. Fig. 3- fig- .=;■ F'ig. 1 u. 2 : F.icr in verschiedenen Stadien mit Myeel ; Fig. 3 : Entwickelter 6-armiger Fruclitkörper; Fig. 4: 7-armiger kleinerer Fruchtkörper; Fig. 5: Überreifer Fruchtkiirper, dessen .\rmc sich an der Spitze getrennt haben ; Fig. 6 : Unent- wickelter Fruchtkörper, bei dem in der oberen Hälfte die Fihaut abgelöst worden ist; Fig. 7 u. 8; Querschnitte durch ein /.iemlich reifes Ei. (Alles natürl. GröLie.l höchst unangenehme Geruch, sowie die nicht leicht zu konservierende Form des oft nur wenige Stunden vegetierenden Pilzes schrecken den Laien, falls er ihn bemerkt, ab vom Sammeln und Aufbewahren desselben, und die wenigen Mykologen können nicht überall zugegen sein, wo gerade ein der- artiger Pilz einmal auftritt. Unser Pilz entwickelt sich, wie auch die übrigen Phalloiden aus einem eiähnlichen Körper. Dieser geht aus den im Boden befindlichen Mycelsträngen hervor, er ist anfangs etwa in Größe eines Senf- kornes wahrnehmbar und wächst nach und nach unter der lürde bis zur Größe eines 'I'aulieneies Zuoberst des Stieles macht sich eine ring- förmige, schwach hervortretende Leiste bemerkbar, oberhalb dieser teilt sich derselbe in 6, seltener in 5 oder 7 Arme. Diese sind fast lanzettförmig, \—2^l„ cm lang, 0,5 — 0,6 cm breit, nach oben stark verjüngt, zugespitzt oder stumpflich, in der Mitte von einer tiefen, glatten, weißen Längsfurche durchzogen, die nach oben zu breiter und flacher wird. Auf beiden Seiten der Längsfurche, sowie auf der Innenseite bis kurz vor der Basis sind die Arme querrunzelig, weißlich, mit der schokoladen- braunen Sporenmasse bedeckt. Im sporenreifen 12 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. I Zustande neigen die Arme nach oben dicht zu- sammen, wenn jedoch die Sporen abgeflossen sind, beginnen sie sich zu trennen und nach außen zu neigen. Die Sporen entstehen zu S~8 a^n Scheitel der langkeuligen Basidien, sie sind ellip- soid oder ovoid-subfusoid, chlorin-hyalin, 3' '., — 4 u lang, I — 2 /.t breit. Die Sporenniasse besitzt einen an Menschenkot erinnernden Geruch. Die Fruchtkörper sind recht verschieden groll, einzelne bis 12 cm, andere nur 4 — 6 cm hoch und besitzen je nach der Anzahl und der Länge der Arme ein oft recht verschiedenes Aussehen. Der Pilz entwickelt sich von August bis Spätherbst, selbst noch bei gelinden Nachtfrösten im Oktober, am üppigsten jedoch in feuchtwarmen Nächten. Wir geben anbei einige Abbildungen des Pilzes in verschiedenen Entwicklungsstadien und Formen, die von dem Entdecker Herrn H. Klitzing nach der Natur gezeichnet worden sind. Prof. F. Hennings. Um Luftballons gegen Explosionen zu schützen, wurden auf \'eranlassung des „Berliner Vereins für Luftschiffahrt" neuerdings Versuche angestellt, die, obwohl noch nicht abgeschlossen, für die Leser dieser Zeitschrift doch schon einiges Interesse bieten dürften. Wie s. Z. in den Tages- blättern berichtet wurde, verlor der genannte Verein am 25. April d. J. seinen schönen Ballon „Pannewitz" durch Feuer unmittelbar nach Be- endigung einer bis dahin unter den günstigsten Verhältnissen \-erlaufenen Fahrt. Die Einzelheiten des Unglücksfalles glichen vollständig denjenigen, welche am 26. April 1S93 zur Vernichtung des Ballons ,, Humboldt" führten, und machen es sehr wahrscheinlich, daß in beiden und noch mehreren ähnlich verlaufenen Fällen ein elektrischer Funke beim Landen entstand und die Gasfüllung des Ballons in Brand setzte. Unter den Schutzmaß- regeln, die zur Vermeidung solcher Vorgänge empfohlen wurden, befand sich auch die An- wendung radioaktiver Substanzen. Man erinnerte sich, daß in neuerer Zeit mehrere Körper (Radium, Polonium und ihre Verbindungen) auf- gefunden wurden, welche eine zuvor noch nicht bekannte Art von Strahlen aussenden, und daß die von solchen Strahlen durcheilte Luft eine er- höhte elektrische Leitungsfähigkeit zeigt. Lädt man einen isoliert aufgestellten Leiter mit Elek- trizität und nähert ihm einen jener radioaktiven Körper, so verschwindet die Ladung alsbald, weil die umgebende Luft sie vermöge ihrer durch die radioaktive Strahlung gewonnene Leitungsfähigkeit fortführt. Daraufhin glaubte man eine jede während der Luftfahrt entstehende elektrische Ladung des Ballons sogleich und ohne Gefahr beseitigen zu können durch Anbringen eines radioaktiven Körpers an irgend einem Teile des Ballons. Die \^ersuche erwiesen indessen die Irrigkeit solcher Hoffnung. Man bediente sich dabei eines zur Abfahrt fertigen Ballons, der mit einer isolierenden Seidenschnur an den Boden gefesselt war und nur soviel Auf- trieb hatte, um die Schnur zu spannen. Zunächst galt es, diesem Ballon eine elektrische Ladung zu erteilen. Seine Wasserstofffüllung ließ die An- wendung einer Elektrisiermaschine bedenklich er- scheinen, und man wandte daher ein durch dies- jährige Beobachtungen des Herrn Ebert in München bekannt gewordenes X'erfahren an, näm- lich die PLlektrisierung durch Sandauswerfen. Der genannte h'orscher bemerkte, daß das bloße Aus- schütten von Sand aus einem der gebräuchlichen Ballastsäcke genügt, um den Sack und seinen Träger (natürlich bei isolierter Aufstellung) positiv elektrisch zu machen, während der herabfallende Sand negati\e Ladung zeigt, falls man ihn in einem isolierten Gefäß auffängt. Demgemäß fand man auch bei den hier erwähnten Versuchen, daß Aus- werfen trockenen Sandes aus dem Korbe des isolierten Ballons eine erhebliche Ladung positiven Vorzeichens im Ballon erzeugte, namentlich wenn der Sand, wie es ja beim Ballastwerfen zu ge- schehen pflegt, an der äußeren Korbwand Reibung fand. Wurde nun eine solche Ladung bewirkt, und dann durch einen am Boden stehenden Be- obachter eine mit radioaktiver Substanz bedeckte Metallplatte dem Ballonkorb genähert, so entlud sich der Ballon rasch. Diese Wirkung blieb aber aus, wenn derselbe Beobachter auf Paraffinstücken stand und dadurch vom Boden isoliert war. Denn wenn jetzt auch in der unmittelbaren Nähe des Korbes eine leitende Luftmasse sich befand, so fehlte doch die leitende Verbindung mit dem Erdboden, welche zum Fortführen der Ballonladung nötig gewesen wäre. .Aus demselben Grunde er- wies sich auch die .'\nbringung der radioaktiven Platte am äußeren Korbrand als unwirksam und verhinderte keineswegs die Ladung des Ballons durch .Sandauswerfen. Weil aber der frei fliegende Luftballon gleichfalls keine Gelegenheit zur P'ort- führung angesammelter Elektrizität gegen den Boden bietet, wird er das nämliche Verhalten zeigen, und es ist daher untunlich, durch Anwen- dung radioaktiver Körper die elektrische Ladung des Ballons zu hindern und das Entstehen zünden- der Funken auszuschließen. Über weitere Versuche, welche die gleiche Auf- gabe auf andere Art zu lösen bestimmt sind, hoffen wir später zu berichten. R. Börnstein. Die Intensitätsverteilung bei Linienspek- tren. — Zahlreiche Arbeiten sowohl theoretischer als experimenteller Natur haben in den letzten Jahren gezeigt, daß feste Körper ebenso wie der sogenannte ,,s c h w a r z e" Körper alle Wellenlängen mit zunehmenden Intensitäten aussenden , wenn man die Temperatur erhöht; da jedoch dieses .Anwachsen für kleine Wellenlängen schneller vor sich geht, verschiebt sich das Energiemaximum nach diesen hin. Es wäre interessant zu untersuchen, ob dieses selbe Gesetz sich auch für die Linienspektra der Gase bestätigt , worauf viele Erscheinungen hin- N. F. III. Nr. I Natui'wissenscliaftliche Wocliciischrift. 13 weisen. Aber ganz besondere experimentelle Schwierigkeiten stellen sich bisher einer endgülti- gen Lösung dieses Problems entgegen. Die Licht- stärke der Linien ist nämlich nicht das genaue Maß für die ausgesandte Energie ; ein solches wird vielmehr nur durch das Bolometer oder ein Wärnieelement geliefert. Da jedoch diese Instru- mente noch nicht empfindlich genug sind, um mit ihnen die Energie zu messen, die einer Spek- trallinie einer Geißlerröhre entspricht, so kann man nur auf photometrischem VVege die Hellig- keit der Linien mit der des entsprechenden Be- reiches einer Lichtquelle vergleichen, für die die Verteilung der Lichtstärken gegeben ist. Diese Methode ist von Herrn K. L a n g e n b a c h eingeschlagen worden, dessen LJntersuchungen in Nr. 4 der Annalen der Piiysik veröfifentlicht worden sind. Verfasser hat auch die Schwierig- keit gefunden, daß die Streifen bei der geringsten Veränderung der F^ntladung unregelmäßige Ver- breiterungen erfahren , welche die Stärke der Emission verändern. Daher ist denn auch der Verfasser weit entfernt, seinen Ergebnissen cjuanti- tativen Wert beizumessen und sieht in ihnen viel- mehr nur eine erste grobe Annäherung, aus der jedoch hervorgeht, dal.3 bei diskontinuierlichen Gasspektren das Energiemaximum sich gleichfalls für wachsende Temperaturen nach den kleinen Wellenlängen hin verschiebt. Es ist überflüssig, auf die Wichtigkeit hinzu- weisen, welche eine genaue Kenntnis der Ver- teilung von Spektralenergien für die Astronomen hätte, die auf diese Weise in der Lage wären, aus der Untersuchung des Spektrums eines Ge- stirns genaue Schlüsse auf die Tem])cratur des- selben zu machen. Die bisher in dieser Richtung gemachten Versuche ruhten auf keiner genügend sicheren Grundlage, und nur durch weitere Ver- folgung der vom Verfasser begonnenen LJnter- suchungen kann man einmal die Temperatur der Sterne mit einiger Genauigkeit bestimmen zu können erwarten. A. Gr. Bücherbesprechungen. Prof. Dr. Otto Wünsche, Blicke auf die Ent- wicklung der Naturwissenschaften. \'or- trag, gehalten im Verein für Naturkunde zu Zwickau. Sonderabdruck aus dem Jahresbericht des Vereins für Naturkunde zu Zwickau 1S99. Zwickau, 1902. Gebr. Thost (R. Bräuninger). 2,:; S. 8". — Preis 50 Pf. Die Wissenschaft ist der Inbegriff von Über- zeugungen, die zusammengehalten werden durch das Bewußtsein, w a r u m man sie für wahr zu halten hat. In diesem Sinne ist ihr Anfang in Alexandria zur Zeit der Ptolemäer zu suchen. Seitdem hat sie einen ungeheuren Umfang angenommen , vor allem durch das Eindringen in das Gesetz der Entwicklung, das wir überall finden , und der gegenüber alles Be- harren nur scheinbar und vorübergehend ist. Dies rasche Anwachsen täuscht jedoch insofern , als die unzähligen Einzeltatsachon , die heute viele Zweige der Naturwissenschaft unübersehbar machen, ihre Be- deutung verlieren werden , wenn wir sie als Folgen allgemeinerer Gesetzmäßigkeiten erkannt haben werden. Aber darum bleibt das Wesen des Fortschritts doch an flüssige Einzelarbeit geknüpft, und auch das Genie wirkt um so erfolgreicher, je mehr es den dichterischen Drang bezwingt. Das Beweisen, nicht das bloße Finden eines Gesetzes macht den großen Mann der Wissenschaft. Diese großen Männer sind eng mit ihrer Zeit verknüpft, sie sprechen gleichsam nur aus, was zur Entwicklung herangereift ist, und sie haben auch nur Erfolg , wenn ihre Gedanken in den Zu- sammenhang der jeweiligen Wissenschaftsentwicklung hineinpassen. So zeigt die ^^'issenschaft ein selb- ständiges Leben nach eigenen Gesetzen. Alle flüssige Arbeit , selbst der Irrtum , wenn er gründlich behan- delt wird, bringt sie vorwärts. Zum Schluß fragt der Verfasser nach den Kräften, die die Menschen zur Wissenschaft trieben, und findet sie nicht im Trieb nach Erwerb oder im Drängen der Not, sondern im Sinn für das Erhabene ; denn d i e Völker haben für die Wissenschaften am meisten geleistet , die auch durch gewaltige Bauten jenen Sinn bekundet haben. .\ber entspringt die Wissenschaft nicht dem Nutzen, so dient sie ihm doch , und mag auch manche der Naturwissenschaften unnütz erscheinen , so läßt sich die Tragweite ihrer Forschungen nie vorher über- sehen. ..Die Geisteskraft, durch Wissenschaft geweckt und geleitet, beherrscht die Welt." Das sind die Ge- danken , die der Vortrag entwickelt und durch viel- fache Beispiele aus der Geschichte der Naturwissen- schaft belegt. Wie der ^''erfasser im Vorwort sagt, verfolgt er den Zweck, „den Leser für den deutsch- russischen Naturforscher K. E. v. Baer und für natur- wissenschaftliche Studien zu interessieren", und schließt sich in den Grundgedanken an einen Vortrag mit ähnlichem Titel an, den v. Baer am 29. Dezember 1835 in der Akademie zu St. Petersburg gehalten hat. Der Versuch ist eigenartig und wird jeden sym]jathisch berühren , der die vielfache Unkenntnis der Wissenschaftsgeschichte und ihrer Träger selbst in naturwissenschaftlichen Fachkreisen bedauert. Aber es hat auch seine Bedenken, Tote zu erwecken, wenn man ihnen nicht denjGeist der Neuzeit einhauchen kann. Wer heute Blicke auf die Entwicklung der Naturwissenschaften wirft , darf nicht achtlos an dem vorübergehen, was seit Baer geleistet worden ist, und bei näherem Hinsehen wird er dann finden, daß in der ersten Hälfte des 1 9. Jahrhunderts allerdings ein Wendepunkt in der Entwicklung der Naturwissenschaft eingetreten ist , der durch die unvergleichlich viel zahlreicheren, ihr jetzt zur Verfügung stehenden Arbeits- kräfte bedingt ist. Heute erfordert die Wissenschaft wirklich geniale Männer, die nicht nur selbst durch flüssige ."Arbeit den Bestand mehren , sondern vor allen Dingen das ungeheure alljährlich wachsende Beobachtungsmaterial zu wahrem Fortschritt zu ver- werten wissen. Mit der Ausdehnung der „Gelehrten- republik" wird man auch in ihr mehr und mehr zwischen arbeitenden und beherrschenden , organisa- torischen Naturen unterscheiden müssen. .\ber dieser 14 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Umschwung ist nur eine letzte Phase einer mannig- fohigen Entwicklung, deren Verfolgung man nach dem Titel zunächst von dem obigen Vortrag erwarten würde. Die Wissenschaft der Alexandriner, der Araber, des Mittelalters , der Renaissance , der Kepler und Kopernikus , Newton , Linne usw. , das alles sind recht verschiedene Arten des Denkens, deren gesetz- mäßige Entstehung auseinander und im Kampfe mit- einander den ungemein fesselnden Inhalt einer wahr- haft entwicklungssuchenden Wissenschaftsgeschichte bilden müßte. Möge sie bald geschrieben werden ! F. S. Handbuch der vergleichenden und experimen- tellen Entwicklungslehre der Wirbeltiere. Bearbeitet von Prof. I^r. P.arfurth, Rostock, Prof. Dr. Braus, Heidelberg, Dozent Dr. Bühler, Zürich , Prof. Dr. R u d. B u r c k h a r d t , Basel, Prof. Dr. Felix, Zürich, Prof. Dr. Flemming, Kiel, Prof. Dr. Froriep, Tübingen, Prof. Dr. Gaupp, Freiburg i. Br. , Prof. Dr. (joeppert, Heidelberg, Prof. Dr. Oscar Hertwig, Berlin, Prof. Dr. Richard Hertwig, München , Prof. Dr. H o c h s t e 1 1 e r, Innsbruck, Prof. Dr. F. K e i b e 1, Freiburg i. Br., Dozent Dr. Rud. Krause, Berlin, Prof. Dr. Wilh. Krause, Berlin, Prof. Dr. v. Kupffer (f), München, Prof. Dr. Maurer, Jena, Prof. Dr. Mo liier, München, Dozent Dr. Peter, Breslau, Dr. H. Poll, Berlin, Prof. Dr. Rückert, München, Prof. Dr. Sc h au i n slan d, Bremen , Prof. Dr. Strahl, Gießen , Prof. Dr. Waldeyer, Berlin, Prof. Dr. Ziehen, Utrecht. Herausgegeben von Dr. Oscar Hertwig, o. ö. Piof., Direktor d. anatom.-biolog. Instituts in Berlin. Jena, Verlag von Gustav Fischer, 1901 — 1903. I. bis 15. Lieferung. (Vollständig in etwa 20 Lieferungen zu 4 Mk. So Pf.) Ein bedeutsames Werk über die Entwicklungs- geschichte der Wirbeltiere liegt in dem vorliegenden Handbuche vor. Es ist ein Kompendium der Onto- genie dieser Tiere und umfaßt unter Berücksichtigung der verschiedenen Klassen der Wirbeltiere in ver- gleichender Darstellung alles Wesentliche, was über den Werdegang derselben von der Eizelle an bekannt geworden ist, namentlich bereichert durch die zahl- reichen, in Zeitschriften und in verschiedenen Büchern zerstreuten neuesten Forschungsresultate auf diesem Gebiete. Seit der vor mehr als zwanzig Jahren er- folgten Herausgabe der „Treatise on comparative embryology" des leider zu früh durch den Tod der Wissenschaft entrissenen Francis Balfour ist kein Versuch mehr gemacht worden, das Gesamtgebiet der vergleichenden Entwicklungsgeschichte der Tiere zu- sammenfassend darzustellen. Nur Korscheit und Heider haben seitdem das treffliche Lehrbuch der wirbellosen Tiere 1890 — 93 in 3 Bänden heraus- gegeben, welches seit kurzem seine zweite Auflage erlebt. Aber ein für den Forscher bestimmtes Hand- buch der vergleichenden Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere, welches den neuesten Standpunkt dieser umfangreichen Wissenschaft repräsentiert, gab es bis jetzt noch nicht. Denn die im Laufe der letzten Jahrzehnte herausgegebenen, umfassenden Lehrbücher der Entwicklungsgeschichte des Menschen und der Tiere sind vorzugsweise für den Studenten der Medizin und den praktischen Arzt berechnet und haben die vergleichende Entwicklungsgeschichte nur insoweit berücksichtigt, als dies für Lehrbücher erforderlich schien. Das vorliegende, noch nicht abgeschlossene Hand- buch der Acrgleichenden ^Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere will also einen treuen Spiegel vom Stande der gegenwärtigen entwicklungsgeschichtlichen For- schung geben. Die Namen der vielen guten Mit- arbeiter an diesem umfangreichen Werke, ohne Aus- nahme Fachleute , welche durch eigene Forschungen tiefere Einblicke in einzelne Gebiete der vergleichen- den Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere gewonnen haben, sind eine Gewähr für die (lüte des Inhalts der einzelnen Kapitel. Die Herausgabe des ganzen Werkes liegt in den bewährten Händen Oscar Hert- wig' s. Für die Bearbeitung des Materials sind die ein- zelnen Organsysteme der Einteilung zugrunde gelegt, wie sich aus der unten mitgeteilten Inhaltsangabe ergibt. Der Herausgebet und seine Mitarbeiter wollen in dem Handbuche vor allen Dingen einen erschöpfenden, auf ()uellenforschung beruhenden Überblick über das Gesaratgebiet der vergleichenden EEntwicklungsge- schichte der Wirbeltiere bieten, unter möglichst voll- ständiger Berücksichtigung der ganzen entwicklungs- geschichtlichen Literatur und unter Zusammenfassung aller als gesichert erscheinenden Ergebnisse, sowie der noch strittigen Fragen und der leitenden und sich immer mehr verfeinernden Probleme der Forschung. .\uch sind in dem Handbuche die Ergebnisse der e-\i]erimentellen Entwicklungslehre gebührend berück- sichtigt. Zahlreiche gute Te.xtfiguren erleichtern das Verständnis des Inhalts. Das Titelbild stellt den berühmten Altmeister Karl Ernst v. Baer vor, mit dessen gut ausge- wähltem Ausspruche als Motto : „Die Wissenschaft ist ewig in ihrem Quell, unermeßlich in ihrem Umfange, endlos in ihrer Aufgabe, unerreichbar in ihrem Ziele." In der Tat umgreift das vorliegende Werk mit weiten Armen das ganze höhere organische Leben, um es aus seinem innersten Sein und Werden heraus zur öffentlichen Darstellung zu bringen. Eine große Frage ist es, welche die Naturforscher bei ihren entwicklungsgeschichtlichen Untersuchungen stets auf das lebhafteste beschäftigt hat und noch beschäftigt, es ist die Frage : was ist das Wesen des organischen Entwicklungsprozesses, wodurch wird es möglich, daß aus einer winzigen Substanzmenge, aus einem Pflanzen - Samen oder aus einem tierischen Ei wieder ein hoch zusammengesetzter Organismus genau der gleichen .\rt entsteht? Was ist der Keim von Anfang an und wie bildet er sich zum ausgewachsenen Geschöpf um r Wie ist das Wunder zu erklären, daß an der Wund- stelle die organische Substanz die Fähigkeit besitzt. Verlorenes in zweckmäßiger Weise wieder herzustellen : Vom historischen Standpunkte ist es interessant, zurückzuschauen auf unsere Wissenschaft während der N. F. III. Nr. I Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 15 letzten Jahrhunderte. Wir werden wieder daran er- innert, daß früher die Samenfäden meistens für para- sitische Gebilde der .Samenflüssigkeit, den Infusorien vergleichbar, gehalten wurden , und daß es noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gedauert hat, bis der wirkliche Sachverhalt, daß Ei- und Samen- zelle als gleichwertige Elemente am Zeugungsakt be- teiligt sind, festgestellt und damit die Streitfrage der Ovisten und der .Xniniaikulisten zum Abschluß ge- bracht wurde. Wie änderte sich nicht die Entwicklungslehre, be- vor die wahre Theorie der Gegenwart zum Durch- bruch kam! Die im 17. und 18. Jahrhundert herr- schende Präformationshypothese (oder E\o- lutionsh\ pothese) , nach welcher angenommen wurde, daß im Ei oder im Samenfaden das spätere ausge- wachsene Geschöpf gewissermaßen schon in kleinster Form vorgebildet oder als unendlich kleines Miniatur- bild angelegt und in Hüllen eingeschlossen sei, welche von dem neu entstehenden Wesen durchbrochen wer- den mußten, — diese Hypothese wurde im 18. Jahr- hundert durch die E p i g e n e s i s abgelöst , welche eine neue Periode einleitet und die allmähliche Ent- stehung eines der Form nach noch nicht vorgebildeten Organismus aus dem elterlichen Zeugungsstofte durch Umbildung zum Ciegenstande hat. Mit der Darstellung dieser historischen Rückblicke wird die i. Abteilung des ersten Bandes ein- geleitet ; sie stammt aus der Feder von Professor Osr:ar Hertwig und ist in der „Einleitung und allgemeinen Literaturübersicht" enthalten. Sie umfaßt 1. die Entwicklungslehre im 16. bis 18. Jahrhun- dert (die Theorien der Präformation oder Evo- lution, der Epigenesis und des Panspermatismus) S- 1—35; 2. die Entwicklungslehre im ig. Jahrhundert (die morpiiologische, die physiologische Richtung in der entwicklunLisgeschichtlichen Forschung) S. 35—68; Allgemeine Literalurübersicht S. 69 — 85. Daran schließen sich die einzelnen Kapitel. I. Kapitel: Die Geschlechtszellen. Von Professin W. Waldeyer. S. 86 — 476. II. Kapitel: Eir e ife und Be fr u ch t un g. Der Furchungsprozeß. Von Professor Richard Hertwig. S. 477 — 698. III. Kapitel: Die Lehre von den Keim- blättern. Von Professor Oscar Hertwig. S. 699 bis 966. IV. Kapitel : M i ß b i 1 d u n g e n u n d M ehr f a c h - bildungen, die durcli Störung der ersten Entwicklungsprozesse hervorgerufen wer- den. Von Professor Oscar Hertwig. S. 967 - 998. Zusammenfassung von Kapitel III und IV. Die Ergebnisse der Keimblattlehre. Von Professor Oscar Hertwig. S. 999 — xoiS. \Vert\oll sind hier namentlich die Ergebnisse, welciie den Urniund betreffen. „Am wichtigsten ist die Stelle des Urmundes, wo sich die Naht vollzieht. Sie allein gibt einen bei allen Wirbeltieren vergleichbaren Punkt ab." „Aus dem immer kleiner werdenden Urmundgebiet geht der Schwanz und die Afteranlage hervor." „Was man auf den einzelnen Stadien als Urmund bezeichnet, ist nicht ein und dasselbe un- verändert gebliebene Organ ; es sind nur verschiedene Strecken eines sich durch Wachstum am hinteren Ende in demselben Maße ergänzenden und erneuern- den Organs, als es nach vorn durch Verwachsung und Organdifferenzierung aufgebraucht wird." Die 2. Abteilung des ersten Bandes beginnt mit dem VI. Kapitel : Die Entwicklung d e r ä u ß e r e n Körper form der Wirbeltier embryo neu, insbesondere der menschlichen Embry- onen aus den ersten zwei Monaten. Von Professor F. Keibel. S. i — 176. \'II. Kapitel : Die Entwicklung der Eihäute der Reptilien und d e r V ö g e 1. Von Professor Dr. H. Schauinsland, S. 177 — 234. VIII. Kapitel: Die Embryonalhüllen der Säuger u n d d i e P 1 a c e n t a. Von Professor Hans Strahl. S. 235—368. Des zweiten Bandes i. Abteilung enthält die folgenden Kapitel: I. Kapitel: Die Entwicklung des Mundes und der Mundhöhle mit Drüsen und Zunge; die Entwicklung der Schwimmblase, der Lunge und d e s K e h 1 k o j) f e s b e i d e n W i r b e 1- tieren. Von Professor E. Göppert. S. 1 — 108. II. Kapitel: Die Entwicklung des Darm- systems. Von Professor F. Maurer. S. log — 252. III. Kapitel: Die Entwicklung der Haut und ihrer Nebenorgane. Von Professor Wilh. Krause. S. 253 — 348. IV. Kapitel: Die Entwicklungsgeschichte der Verknöcherungen des Integunients und der Mundhöhle der Wirbeltiere. Von Professor Rudolf Burckhardt. S. 34g — 462. Die 2. Abteilung des zweiten Bandes ent- hält bis jetzt die folgenden Kapitel : V. Kapitel : Die E n t w i c k 1 u n g d e s G e r u c h s - Organs und Jakobson'schen Organs in der Reihe der Wirbeltiere. Bildung der ä u ß e r e n Nase und des G a u m e n s. Von Dr. Karl Peter. S. 1 — 82. VI. Kajjitel: Entwicklungsgeschichte des Gehörorgans. Von Dr. Rudolph Krause. S. S3— 138. Die 3. Abteilung des zweiten Bandes beginnt mit dem VIII. Kapitel : Die Morphologie des Zentralnervensystems von Prof K. von Kupffer (der leider währenddessen gestoijjen ist). S. i — g6 (noch nicht abgeschlossen). Von der 2. Abteilung des dritten Bandes sind bis Jetzt folgende Kapitel erschienen : III. Kapitel: Die Histiogenese der Stütz- substanzen der Bindesubstanzgruijpe. Von Prof. W. Flemming. S. i — 20. IV. Kapitel: Die Entwicklung des Blut- gefäß syst ems. Von Professor Hochstetter. S. 21 — 166. Zahlreiche Figuren sind dem Te.xte der einzelnen Kapitel eingefügt. Später wird noch über die Schluß- ka[iitel referiert werden. Nach Fertigstellung des i6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. I ganzen Werkes werden wir Gelegenheit nehmen, noch auf den Inhalt des wichtigen Werkes zurückzukommen. Prof. H. Kolbe. Dr. Felix Wahnschaffe, Geheimer Bergrat, Landes- geologe, Professor an der Bergakademie und Privat- dozent an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin : A n 1 e i t u n g z u )■ w i s s e n s c h a f 1 1 i c h e n B o d e n- unter suchung. 2. Auflage. Paul Parey in Berlin 1903. — Preis 5 Mk. Als das einzige auf diesem Gebiete der chemischen Forschung existierende Spezialwerk ist das vorliegende Buch kürzlich in zweiter, neubearbeiteter Auflage er- schienen. Es ist durch Aufnahme einiger neuerer Untersuchungsmethoden auf dem Gebiete der Boden- analyse wesentlich bereichert und mit zahlreichen Textabbildungen ausgestattet worden , während die bisherige Einteilung des Stoffes beibehalten wurde. — Nach einem einleitenden Abschnitt, der die Definition, Klassifikation und Entstehung des Bodens, sowie den Zweck der Bodenuntersuchung behandelt, folgen i. ,,l)ie mechanische Bodenanalyse, 2. Die Bestimmung der Bodenkonstituenten, 3. Bestimmung der Pflanzennähr- stoft'e, 4. Die Bestimmung der für das Wachstum der Pflanzen schädlichen Stoffe des Bodens, 5. Die Er- mittelung verschiedener Eigenschaften des Bodens, welche teils auf physikalischen, teils auf chemischen Ursachen berJ.ien." — Neu aufgenommen sind unter 1. einzelne neue Schlämmapparate, die indessen noch wenig Eingang in die Praxis gefunden haben, unter 2. „Die Bestimmung des kohlensauren Kalkes durch Maßanalyse, die Ermittelung der Karbonate von Kal- zimii und Magnesium durch Auskochen mit Essig- säure und die maßanalytische Humusbestimmung nach Aschmann und Faber," Unter 3. ist neu der Ab- schnitt „über den Auszug des Bodens mit Zitronen- säure oder Essigsäure zur Bestimmung der assimilier- baren Phosphorsäure, sowie Pagnouls kolorimetrische Methode zur Bestimmung des leicht löslichen Kalis." Endlich ist der Inhalt des Buches auch um die neueren ,, Bestimmungen der Benetzungswärme des Bodens" und die „elektrische Messung der löslichen Bodensalze" bereichert worden. Das Wahnschafte'sche Buch, welches in der neuen Auflage besonders auch in dem Kapitel über die Nährstoffbestimmung einer Umarbeitung unter- zogen wurde, und welches teilweise die Methoden der Bodenuntersuchung wiedergibt, wie sie im Laboratorium für Bodenkunde an der Königl. Preuß. Geologischen Landesanstalt zur Anwendung kommen, ist als ein Ratgeber jedem zur Anschaffung zu empfehlen, der sich mit der mechanischen und chemischen Boden- analyse und der Bestimmung gewisser ph}'sikalischer Eigenschaften des Bodens zu befassen hat. Bei einer Neuauflage dürfte es sich empfehlen, dem Werke ein Inhaltsverzeichnis beizufügen, um die Übersichtlichkeit des Stoftes zu erhöhen. L. Briefkasten. B. H., Kitzingen. — Bezüglich der Anforderungen, welche an akademisch gebildete Frauen bei der Anstellung als Lehrerin an höheren Mädchenschulen gestellt werden, können wir Ihnen keine Auskunft erteilen ; diese Fälle sind wohl bisher nur vereinzelt vorgekommen und individuell be- handelt worden. Falls Bestimmungen über abzulegende Prü- iungen etc. bereits vorhanden sind, würden Sie dieselben wohl am besten durch Frauenvereine oder direkt von den in Be- tracht kommenden Behörden erfahren können. Herrn H. — Baumzwicbel. Die Baumzwiebel, Allium canadense Kalm, wird meines Wissens in Deutschland noch nicht kultiviert. Sie kommt, wie .•\sa Gray in seinem Manual of the Botany of the Northern United States, 6. Auf- lage, S. 526, angibt, auf feuchten Wiesen, von Kanada bis zum Golf von Mexiko vor und blüht im Mai und Juni. Der Schaft ist nach ihm I Fuß hoch oder mehr. — Warum der Fragesteller diese Zwiebel Baumzwiebel nennt , ist mir daher nicht recht klar. In den Vereinigten Staaten heißt sie Wild Garlie (wilder Knoblauch). L. Wittmack. Herrn O. in .Stuttgart. — Herr R. Lucks schreibt: ,, Zeile 2 v. oben im zweiten Abschnitt der r. Spalte auf pag. 592 muß es selbstverständlich ,,D o rsa 1 1 ap p e n" heißen. Das Versehen geht aus Abschn. 3 r. Spalte pag. 590 deutlich hervor. .Mit den dreierlei Eiern hat es seine Richtigkeit. Es kommen vor ; r. . I größere, aus denen Weibchen hervorgehen ; oommcrcicr ' o ? o ' ( kleinere, aus denen sich Männchen entwickeln ; Wintereier, die wohl besser als Dauereier bezeichnet werden dürften, da die Ablage und oft auch die Entwicklung schon im Sommer vor sich geht." Herrn R. in Trier. — In Ergänzung der früheren Mitteilung empfiehlt Ihnen Herr Mittelschullehrer K. Burchardt (Halle a. S.) das Buch von Hohmann ,,Die Mittelschulprüfung" (Verlag von Hirt in Breslau) und zwar Heft 7, Naturwissenschaften, bear- beitet von Dr. Imhäuser. Herrn Dr. G. in M. — Über Bau und Entwicklung der .Algen finden Sie eine gute, ausführliche t'bersicht in Engler- Prantl's Natürlichen Pllanzenfamilien (Wilhelm Engelmann in Leipzig). Dort ist auch die weitere Literatur angegeben. Herrn G. M. in .Arnswalde. — Die ausführlichste Thallo- phyten-Flora , die wir besitzen, ist die Kabenhorst'sche und zwar die von einer Anzahl Spezialisten herausgegebene 2. Auf- lage. Sic enthält viele Abbildungen und ist bei Eduard Kummer in Leipzig erschienen. Herrn Dr. A. — Die Sphenopteris elegans ist bei ihrer Häufigkeit ein wichtiges Leitfossil für das untere produktive Karbon. Durch die echte Keilgestalt der Fiedern letzter ( >rd- nung (der letzten Elemente der Wedel) weicht sie von den .\rten, die man jetzt als die typischen Sphenopterisarten an- sieht, ab. Letztere haben mehr oder minder kreisf. F. 1. (_)., jedenfalls lassen sie sich bequem in einen Kreis einzeich- nen. Bei der wenig bequemen Umgrenzung der Gattung Sphenopteris in ihrem gegenwärtigen Umfang habe ich die Absicht (wie schon früher Palmatopteris und .^lloiopteris) auch die Sphenopterisarten vom Typus der Sphenopteris elegans abzutrennen und in die neue ,, Gattung" Cuneatopteris zu tun, also aufler dieser .Art ncch z. B. die Sphen. divaricala, Sphen. linearis Brg., Diplothmema elegantiforme Stur u. Sphenopteris laüfrons Zeiller, vielleicht auch Sphen. Mantelli Brongn. Inhalt: Prof. H. J. Kolbe: Über die psychischen Fujiktionen der Tiere — Kleinere Mitteilungen: Prof. II. Potonie: Plauderei über die Macht der Gewohnheit. — Chr. Brüning: Räuberische Süßwasserschnecken. — Prof. P. Hennings: Eine neue deutsche Clathracee. — Prof. R. Börnstein: Luftballons gegen E.xplosionen zu schützen. — K. Langen- bach: Die Intensitätsverteilung bei Linienspektren. — Bücherbesprechungen: Prof. Dr. Otto Wünsche: Blicke auf die Entwicklung der Naturwissenschaften. — Prof. Hertwig: Handbuch der vergleichenden und experimentellen Entwicklungs- lehre der Wirbeltiere. — Dr. FelixWahnschaffe: Anleitung zur wissenschaftlichen Bodenuntersuchung. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. H. Potonie, Gross-Lichterfelde-We.st b. Berlin. Druck von Lippert & Co. (G, Pätz'schc Buchdr.), Naumburg a. S. Einschliefslich der Zeitschrift ,,Di6 JNatUr" (Halle a. S.) seit i. April 1902. Organ der Deutschen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. F. Koerber Redaktion Professor Dr. H. Potonie und Oberlehrer Dr. in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Neue Folge III. Band; der ganzen Reihe XIX. Band. Sonntag, den 11. Oktober 1903. Nr. 2. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen uiul Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M. 1.50. Bringegcld bei der l'ost 15 l'fi;. extra. Postzeitungsliste Nr. 5263. Inserate : Die zweigcspaltene Petitzeile 50 Pfg. Bei größeren .Vufträgen entsprechender Rabatt. Ikilagen nacli Über- einkunft. Inseratenannahme durch Max Gelsdorf, Leipzig- Gohlis, lilumenstraße 46, P.uchhändlerinserate durch die Verlagshandlung crlHten. Über die Fortschritte in der Erkenntnis der radioaktiven Stoffe. [Naclnliticl< verboten.^ Von Prof. Dr. Duden in Jena. In der Geschichte der Chemie hat schon ein- mal eine Entdeckung eine große Rolle gespielt, die durch rein physikalische Methoden die Exi- stenz zahlreicher unbekannter Elemente enthüllte. Mit Hilfe der Spektralanalyse wiesen K i r c li - hoff und Hunscn das Rubidiimi und Caesium, spätere Eorscher zahlreiche andere Elemente nach, und dieser spektralanalytische Nachweis wurde für den Chemiker der Wegweiser, der ihn zur schließ- lichen Isolierung dieser seltenen Stoffe hinführte. Einen ähnlichen Weg hat die Auffindung der radioaktiven St off e durchlaufen, jener rätsel- haften, aus Uran- und Thormineralien stammenden, strahlenden Substanzen, die augenblicklich das naturwissenschaftliche Interesse in so hohem Maße in Anspruch nehmen. Ihre Entdeckung ist freilich nicht annähernd so fertig und abgeschlossen an die Öffentlichkeit getreten, wie seiner Zeit die Spektralanalyse Kirchhoff's und Bunsen's, vielmehr muß diesem so viel Unbekanntes bieten- den Terrain Schritt für Schritt abgerungen werden. Seit den ersten Mitteilungen Becquerel's über diese Strahlungscrscheinungen sind jetzt sieben Jahre verflossen, die zwar höchst bemerkenswerte Fortschritte gebracht, aber noch mehr Rätsel un- gelöst gelassen haben. Wenn sich somit ein einigermaßen abgerundetes Bild über dies Gebiet zur Zeit noch nicht ge- winnen läßt, dürfte es doch erwünscht sein, von Zeit zu Zeit die F"ortschritte zu registrieren, die die Bearbeitung zu verzeichnen hat, und so sei hier kurz der augenblickliche Stand unserer Kennt- nisse der radioaktiven Stoffe dargestellt , an- knüpfend an einen ähnlichen Bericht in dieser Zeitschrift, der mit dem Jahre I 9 o I abschließt. Die Anreicherung der Radioaktivität in den verschiedenen analytisch abgeschiedenen Bestand- teilen der Uranpechblende und verwandter Mine- ralien stellt dem Chemiker die Aufgabe, die die .Strahlung bedingenden Stoffe in diesen einzelnen Fraktionen aufzusuchen, eine Aufgabe, die für die verschiedenen Anteile in sehr verschiedenem Grade gelöst werden konnte. Am vollkommensten für das zuerst von den beiden Curies in der Baryiimfraktion der Uran- mincralien vermutete neue Element Radium. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 2 Bei der Verarbeitung von genügend großen Mengen von Uranpecherzrückständen läßt sich das Radium aus der das Baryum, Strontium und Calcium ent- haltenden Fraktion nach mehreren Methoden, am einfachsten anscheinend nach der von Giesel angegebenen — Krystallisation des Radiumbaryum- bromids aus Wasser — in reiner Form abscheiden. Man erhält äußerst minimale Mengen dieses kost- baren Salzes, das nach der spektroskopischen Untersuchung von Runge und Precht keine Baryumlinien mehr aufweist, sondern ein neues glänzendes riammenspektruin, charakterisiert durch zwei breite Linien im Orangerot, besitzt. Es zeigt starke Eigenfluoreszenz, bringt den Baryumplatin- cyanür und den Zinkblendeschirm zu kräftigem Leuchten und liefert die früher näher geschilderten Strahlungserscheinungen — Ionisierung der Luft, chemische Wirkung der Strahlen auf die photo- grapliische Platte, Ozonisicrung des Luftsauerstoffs, Polymerisation des gelben Phosphors zu rotem Phosphor, F'ärbung von Alkalisalzen und von Glas- substanz usw. — in der markantesten Weise. Seine Aktivität ist etwa 400000 mal so groß wie die der natürlich vorkommenden Uranverbindungen. Diese Energieabgabe des Radiumatoms, die unter gewöhnlichen Umständen als Strahlung und Emana- tion (s. u.) auftritt, äußert sich in der wässerigen Lösung des Salzes durch eine Zerlegung des Wassers in Wasserstoff und Sauerstoff. Auch das feste Salz selbst zeigt einen eigentümlichen Zerfall in freies Brom und Metall, bezw. Metallhydroxyd, der Gelbfärbung und alkalische Reaktion des Präparats zur Folge hat. Das Atomgewicht des Radiums ergibt sich aus wiederholten Bestimmungen von Frau (Turie zu 225, so daß es sich ohne Zwang in die dritte Vertikalreihe des periodischen Systems (Erdalkalien) neben das Thor einreiiit. Es ist als das höhere Homologe des Baryums anzusprechen, dem es, wie schon aus einer Abscheidung hervorgclit, in den meisten Re- aktionen folgt. Die elementare Natur des Radiums geht aus diesen Daten ebenso sicher hervor, wie die Tat- sache, daß es als der Träger der Radioaktivität der Baryumpräparate aus Uranmineralien anzusehen ist. Die Frage nach der Quelle dieser P^nergie- abgabe ist damit aber natürlich noch nicht be- antwortet. Verfolgen wir zunächst die übrigen in der Pechblende enthaltenen aktiven Substanzen, so ist deren Kenntnis noch nicht so weit gefördert wie die des Radiums. Höchst wahrscheinlich handelt es sich auch hier um primär aktive Stoffe, d. Ji. um neue Elemente, denen die Eigenschaft der Becqu erelstrahlung zukommt, eine endgültige Bestätigung dieser Ansicht durch spektroskopische oder eingehendere chemische Untersuchungen steht aber noch aus. Am vollständigsten sind die Daten über das a k t i V e B 1 e i. Durch geeignete chemische Behand- lung lassen sich ihm geringe Mengen eines Stoffes entziehen, dessen Reaktionen in verschiedenen Punkten von denen des Bleies differieren und dessen Aktivität sich während einer jahrelangen Beobachtungsdauer nicht vermindert hat. Die Strahlen, die von diesem Radioblei ausgehen, wirken sowohl auf das Elektroskop wie auf die photographische Platte; sie induzieren Schwer- metalle, die mit Radiobleipräparaten in Berührung kommen, kräftig, und letztere büßen dabei ilire Wirksamkeit vorübergehend fast vollständig ein. Die Tatsache aber, daß die so geschwächten Prä- parate bei längerem Aufbewahren die frühere Aktivität wieder völlig regenerieren, ist nur so zu deuten, daß sie selbst da s Radioakt ivität erzeugende Prinzip enthalten, d. h. daß es sich hier um einen primär aktiven Stoff handelt. Die das Wismut enthaltende Praktion der Pech- blende, in der dieCurie's zuerst eine Anreiche- rung der Aktivität beobachteten, liefert beim Itin- bringen eines Antimon- oder Wismutstäbchens in ihre salzsaure Lösung einen minimalen Metall- beschlag, der eine kräftige Ionisierung der Luft be- wirkt Es ist noch nicht sicher entschieden, ob es sich hier ebenfalls um einen neuen primären aktiven Stoff — Radiotellur oder zu Ehren von Frau Curie Polonium genannt — handelt, oder ob man es mit einer Induktion des Wismuts durch geringe in der Lösung enthaltene Mengen von Radium zu tun hat. Es scheint, dat3 unter ge- wissen noch nicht näher erkannten Umständen auch die induzierte Aktivität sich sehr lange konstant erhält. In einem solchen Fall würde das einzige Kriterium, das man bisher zur sicheren Unterscheidung zwischen primärer und induzierter Aktivität zur Verfügung hat, versagen, und so kann erst eine genauere Kenntnis der hier ob- waltenden Gesetze die jetzt noch vorhandene Un- sicherheit über die Natur des Radiotellurs be- seitigen. Auch für die bei dem aktiven LIran und Thor ge- machten Beobachtungen endlich ist es zur Zeit noch schwer, eine völlig befriedigende Deutung zu geben. Die Becqu erel strahlen, welche von diesen aus- gehen, setzen sich ebenfalls aus 2 («- und /?-Strahlen), vielleicht auch aus 3 Strahlengruppen zusammen. Unterwirft man aber Uran- oder Thorverbindungen gewissen Fällungs- oder Krystallisationsopcrationen, so läßt sicli , indem gleichzeitig minimale Sub- stanzmengen von der das Uran oder Thor ent- haltenden Hauptportion abgetrennt werden, eine Zerlegung der ursprünglichen Strah- lung herbeiführen. Die a-Stralilung, die die Ioni- sierung der Luft bewirkt und deshalb durch Ent- ladung des Elektroskops wahrzunehmen ist, ver- bleibt bei dem Uran, bezw. Thor; die /i-Strahlung, dje ein größeres Durchdringungsvermögen besitzt, und die photograpiiische Platte schwärzt, haftet den minimalen bei jenen Trennungsverfahren er- haltenen Niederschlägen an, die vorläufig als Uran-X bezw. Thor-X bezeichnet werden. Diese Zerlegung entspricht indes noch nicht einem stabilen End- zustand ; vielmehr regeneriert sich die /f-Strahlung des Urans bezw. Phors allmählich, während gleich- N. F. III. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochcnsclirift. 19 zeitig die X-Bestandtcile ihre /y-.'\lrrelation bctwccn tertiary mam- mal horizons of Europe and America. Annais New York Academy of Sciences, vol. 13. 1901. -) O. St oll. Zur Zuogegraphie der landbewohnenden Wirbellosen. Berlin. 1897. ^) F. E. Beddard. .\ monograph of the Order of Oligochaeta. Oxford. 1895. *) L. H. Plate. Über Cyclostomen der südlichen Halb- kugel. Verhandl. V. Internat. Zoolog. Kongr. Berlin. 1902. *) H. V. Ihering. On the ancient relations betwcen New Zealand and South America. Transact. and Proceed. New Zealand Institute, vol. 24. 1S91. — — The history of the neotropical region. Science. N. S. vol. 12. 1900. amerikas. Beide Teile sind völlig unabiiängig von einander entstanden, das weitaus ältere Gebiet ist .Archiplata und seine Fauna weist in den Ver- tretern der Süßwassermuscheln (U n i o), der Süß- wasserfische und der Krebse (Par as taciden) auf eine nahe Verwandtschaft mit Australien und Neu- Seeland hin , eine Ansicht, der sich neuerdings auch Ortmann') angeschlossen hat, und die zur Annahme eines südpacifisch-antarktischen Kon- tinents führen mußte, während Archamazonia, wie ich hier ergänzend hinzufügen will, durch einen über St. Helena führenden südatlantischen Kon- tinent (Archhelenis) direkt mit Afrika verbunden gewesen sein soll. Dieser antarktische Kontinent von Ihering's erstreckte sich weit in den pazifischen Ozean hin- ein, insofern er auch Polynesien umfaßte, einen Schritt weiter geht Hut ton (1884)-), derselbe Forscher, der früher so energisch für eine Ant- arktis eingetreten war, indem er den antarktischen Kontinent völlig verwirft, und die Verbindung zwischen Südamerika, Australien und Neu-Seeland in nördlichere Breiten, in den südlichen pazifischen Ozean, verlegt. Auf dieser Landbrücke fand ein Austausch der Organismen beider Gebiete statt, und zwar zur Zeit der unteren Kreideperiode, während in der oberen Kreide der ganze Kon- tinent gleichzeitig mit der Hebung Südamerikas zerfiel. Einer Verbindung Neu-Seelands mit Afrika glaubt Hutton nunmehr gänzlich entbehreir zu können, ihre gemeinsamen Formen sind von Norden her in diese weit voneinander entfernten Gebiete eingewandert. Wir haben somit in H u 1 1 o n bereits einen direkten Gegner des antarktischen Schöpfungs- zentrums vor uns, ein weit energischerer Gegner hatte sich indessen bereits lange vor ihm in J. V. Haast*) erhoben, und zwar gerade gegen die eigenen früheren Ausführungen Hutton's. J. V. H a a s t ging aus von einer anatomischen Untersuchung der fossilen straußartigen Riesenvögel und fand so starke Differenzen im Bau von .Aepy- ornis Madagaskars und von Dinornis Neu- Seelands, daß diese zum mindesten als Beweise für eine Landverbindung beider Gebiete nicht heran- gezogen werden könnten. Gegenüber den Über- einstimmungen, die etwa in anderen Tiergruppen auftreten sollten, nimmt er seine Zuflucht zu den älteren Erklärungsversuchen durch passive Ver- brcitungsmittel oder aber zu der Annahme, daß ähnliche Bedingungen an verschiedenen Orten die gleichen Erscheinungen zur Folge hätten. Nicht weniger entschieden sprach sich Wal- 1 a c e *) gegen diese Theorie aus, gleichfalls aus- ') A. E. Ortmann. v. Ihering'^ .\rchipluta-.\rchhelenis theory. Science. N. S. vol. 12. 1900. ^) F. W. Hutton. On the origin of the fauna and flora of New Zealand. Annales and Magaz. natur. history. 5. ser. vol. 13. 18S4. ■') Jul. V. Haast. .\dress to tlie Philosophical Institute of Canterbury. Transact. and Proccedings New Zealand In- stitute, vol. 6. 1873. *) A. R. Wallace. Island Life. 24 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 2 gehend von der Verbreitung der flugunfähigen Riesenvögcl. Zwei Tatsachen scheinen ihm nament- lich eine antarktisclie Landverbindung in Rück- sicht auf die \^erbreitung dieser Formen gänzlicli überflüssig zu machen, nämlich einmal die früher weit ausgedehntere Verbreitung der strau(3artigen Vögel und dann ihre Abstammung von ursprüng- lich flugfähigen Formen, deren weiter Verbreitung nichts im Wege stand. Entsprechend seiner Theorie von der Permanenz der Meeresbecken glaubt Wal- 1 a c e sogar die gemeinsamen Züge , welche Australien , Südafrika und Südamerika in ihrer übrigen Tier- und Pflanzenwelt zweifellos aufweisen, gleichfalls auf eine andere Weise erklären zu können. Diese Pflanzen- und Tierformen sind für ihn nichts anderes als die letzten Überreste einer früher weit nördlich verbreiteten Organismenwelt, die allmäh- lich von stärkeren I'"ormen aus ihrem \'erbreitungs- gebiet zurückgedrängt wurden und sich nur noch im Süden auf den isolierteren Teilen der Erdober- fläche gegen die Konkurrenz der höher organi- sierten Geschöpfe erhalten konnten. Noch präziser suchte Lydekker') den nörd- lichen Ursprung der jetzt auf die Südhemisphäre beschränkten Tierformen darzutun, womit einem antarktischen Kontinente naturgemäl-3 seine Be- rechtigung genommen würde. So kamen nach ihm aus dem Norden die Beuteltiere, wanderten die australischen Laufvögel über Neu-Guinea in die australische Region ein, nördlichen Ursprungs sind der Strauß und die riesigen Landschildkröten, die jetzt nur noch auf den Galapagosinseln und auf den Inseln um Madagaskar vorkommen, aber im Pliozän über die ganze nördliche Halbkugel weit ver- breitet waren. Nur die Pinguine sind auch nach Lydekker sicher südlichen Ursprungs, da sie nie fossil im Norden vorkommen. Wenn eine Ver- bindung der drei Südkontinente aufrecht erhalten werden muß, so ist sie weiter im Norden zu suchen, und Lydekker nimmt auch tatsächlich eine solche zwischen Südamerika und Afrika in Rück- sicht auf die Verbreitung der Süßwasserfische, der Lungenfische, der Amph isbaenid en und der I g u a n i d e n an, eine solche zwischen Südamerika und Australien in Rücksicht auf die Verbreitung der Beuteltiere. Lydekker nähert sich so im ersten Falle den .Anschauungen v. Ihering's, im letzteren denjenigen Hutton 's, wenn sich für ihn auch gerade über die letztere Landverbindung sichere Angaben ihrer Lage noch nicht machen lassen. Alle Gründe, welche gegen diesen antarktischen Kontinent vorgebracht wurden, stützen sich in erster Linie auf die geringe Beweiskraft der Ver- breitung der fluglosen Riesenvögel , sie speziell hat nun in neuester Zeit Burckhardt-) zum Gegenstand einer besonderen Untersuchung ge- macht, um ihre Bedeutung für die Lösung der vorliegenden I'ragen mit möglichster .Sicherheit ') R. Lydekker. Die gcographisclu- Verbreitung und geologische Entwicklung der Säugetiere. Jena. 1897. -) R. Burckhardt, I. c. ZU bestimmen. Zunächst erhebt sich dann hierbei die Frage nach dem phyletischcn Ursprung der fluglosen Riesenvögel. Übergänge von flugfähigen zu fluglosen Formen finden wir in erster Linie bei den sog. Geranomorphen, einer Vogelgruppc, welche im wesentlichen die Rallen und die Kraniche umfaßt. Die Rallen stellen eine artenreiche, schon in der Kreide von Nordamerika auftretende, weit verbreitete P'amilie dar, die namentlich insulare Gebiete stark bevorzugt und es gerade auf solchen zu den eigentümlichen Riesenformen gebracht hat. Namentlich die madagassische und die neuseelän- dische Provinz weisen derartige Formen auf, welche, wie z. B. die subfossile Aptornis Neu-Seelands oder die Leguatia gigantea der Maskarenen, noch deutlich ihre Abstammung von Rallen er- kennen lassen , die auf diesen einsamen Insel- gebieten sich niederließen, ihr P'lugvermögen ein- büßten, P'ederkleid sowie vordere Extremität rück- bildeten und sich, häufig unter Erwerbung riesen- hafter Körpermaße, zu typischen Laufvögeln um- bildeten. Einen zweiten Ausgangspunkt derartiger Riesenformen bilden die Kraniche, Reste derselben haben sich in den Scliicliten der Pampas Süd- amerikas in der Gattung Phororhacus und anderen erhalten. — Sehr wenig wissen wir da- gegen noch über die Abstammung der übrigen zahlreichen fluglosen Vogelformen. Endglieder flugfähiger Vogelfamilien sind beispielsweise ganz zweifelsohne die fluglosen Riesentauben (Didus) der Maskarenen, die gleichfalls fluglose Riesengans (C n e m i o r n i s) Neu-Seelands, von Rallen stammen vermutlich die Apterygiden und Dinorni- t h i d e n Neu-Seelands ab , kaum etwas sicheres anzugeben ist dagegen über die Verwandtschafts- verhältnisse der Kasuare Australiens und Neu- Guineas, der Strauße Afrikas, der Nandus (Rh ei- den) Südamerikas, der fossilen Aepyornithi- den und Mül leror ni t hide n Madagaskars. Trotz dieser starken Lücken unserer heutigen Kenntnisse läßt sich aus diesen Tatsachen immer- hin mit völliger Sicherheit auf einen polyphylcti- schen Ursprung der fluglosen Laufvögel schließen. Und weiter ergibt sich die auffallende Tatsache, daß gerade insulare Abschließung die Haupt- bedingungen für das Zustandekommen flugloser Riesenformen zu enthalten scheint, wie es so auf- fällig bei Neu-Seeland, Madagaskar und Patagonien, welch letzteres zeitweise insularen Charakter be- sessen zu haben scheint, hervortritt. Burck- hardt geht sogar so weit, die heutigen kontinen- talen Strauße direkt als Einwanderer aus insularen Gebieten anzusehen, wofür ihm auch der geringe Arten reichtum der Strauße gegenüber allen insu- laren Formen zu sprechen scheint. Die Strauße und Rheiden weisen nur je 4 Arten auf, die großenteils auf Inseln lebenden Kasuare bereits 7 und die fossilen Dinornithiden nicht weniger als 26 Arten. Über die eigentliche Art der Einwirkung insularer Abgeschlossenheit auf einen Organismus können wir uns nur schwer eine Vorstelluno- machen, das Aufgeben der unnötigen Flugfunktion N. F. III. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. !5 an einem von Feinden und Konkurrenten freien Orte mag- zunächst das Hugorgan unterdrückt haben, und hieran schloß sich sodann die mon- ätröse Ausbildung riesenhafter Körpermaße an. Mit diesem Nachweis einer polyphyletischcn Entstehung der fluglosen Riesenvögel , wie er übrigens auch früher schon wiederholt geführt worden ist, verlieren dieselben nach Burckhardt jede Beweiskraft für die ehemalige Existenz eines antarktischen Kontinentes, da sie ja stets an den Orten ihres Vorkommens unabhängig vonein- ander entstanden sein können. Wenn überhaupt antarktische Landverbindungen bestanden haben, so kann nach Burckhardt's Ansiciit nur an eine solche zwischen Neu-Seeland und Südamerika gedacht werden, aber auch für diese Annahme kann dann in keiner Weise die Verbreitung der Lauf- vögel herangezogen werden, da sich die Dinor- n i t h i d e n und die R h e i d e n völlig fern stehen. Und sicherlich ist diese Verbindungsbrücke zwischen Südamerika und der australischen Region wohl der einzige Teil des antarktischen Kontinentes von Forbes, für dessen Existenz bereits heute eine Reihe gewichtiger und unabweisbarer Gründe sprechen. Wir hatten oben eine ganze Reihe von Tiergruppen (Reptilien, Amphibien, Süßwasser- knochenfische, Cyclostomen, Muscheln und Krebse des Süßwassers, Insekten, Spinnen, Regenwürmer) kennen gelernt, welche beiden Gebieten gemein- same Formen enthalten und so auf eine feste Landverbindung hinweisen, eine Betrachtung der Karte ergibt, daß auch die heutige Verteilung von Land und Wasser, soweit sie bis jetzt be- kannt ist, einer derartigen Vorstellung keineswegs hindernd im Wege steht. Weit weniger zuver- lässig sind die Grundlagen für die .Annahme einer Landverbindung zwischen Madagaskar und Neu- Seeland ; gewaltige Meerestiefen , welche , wie die Deutsche Tiefseeexpedition neuerdings feststellte, mehr als 5000 m betragen können, trennen beide Gebiete, so daß wir hier ganz gewaltige Verände- rungen des Reliefs der Erdoberfläche annehmen müßten. Eine definitive Entscheidung läßt sich indessen heute kaum schon fällen, und erst eine erfolgreiche Südpolarexpedition läßt uns neues, vielleicht entscheidendes Material zur endgültigen Klärung dieser bedeutungsvollen Probleme er- hoffen. Kleinere Mitteilungen. Die Schenkeldrüsen der Eidechsen, über deren Bedeutung und Funktion man noch nicht recht klar ist, liat neuerdings F. Schaefer aus Labiau untersucht ; er berichtet darüber im „Archiv für Naturgeschichte", Jahrg. 68, Bd. i, 1902, S. 27 — 64 (mit 20 Fig. auf 2 Taf). In einer längeren Übersicht stellt Schaefer zunächst nach Boulanger's „Catalogue of the Lizards in the British Museum" alle Eidechsen zusammen , bei denen Schenkel- drüscn nachgewiesen sind ; hierbei führt er zugleich die Arten mit an, welche Analporen und Präanal- poren besitzen. Aus der Familie der Geckoniden besitzen Schenkelporen Arten der Gattungen Gymnodactylus, Gonatodes, Oedura, Hemidactylus, (lehyra, Perochirus, Lepidodactylus, Naultinus, Hoplodactylus, Gecko und Phelsuma; von den Agamiden Amphibolurus, Physignathus, Chlamydo- saurus, Lophyra und Liolepis; von den Iguaniden fast alle Gattungen, ebenso fast alle Tejiden, alle Zonuriden, Lacertiden und Gerrhosauriden. Die Schenkeldrüsen sitzen an den hinteren Oberschenkeln und zwar unter den letzten größeren Schuppen, welche an der Innenfläche des Ober- schenkels in einer geraden Linie von der Kloake bis zum Kniegelenk an die kleinen Schuppen grenzen. Jede Schuppe entspricht einem darunter liegenden (3rgan und wird vom Ausführungsgang desselben durchbohrt. Man kann deutlich einen unter der Schuppe liegenden verbreiterten Teil, den Drüsenkörper, einen die Schuppe durchsetzen- den Abschnitt, den Ausführungsgang, und den an der Oberfläche der Schu[ipe frei hervorragen- den Zapfen unterscheiden. Die Anzahl der Schenkelporen schwankt nicht nur bei den einzel- nen Arten, sondern auch bei den Individuen einer Spezies, ja sie kann sogar auf beiden Schenkeln ungleich sein. Als geringste Zahl der Schenkel- poren fand Schaefer bei den von ihm untersuchten Stücken 12, als höchste 25 auf einer Seite. Mit- unter besitzen beide Geschlechter Schenkeldrüsen, öfter nur das Männchen. Da der Verfasser nicht Spiritusmaterial, sondern frische Exemplare unter- suchen wollte , mußte er sich auf Lacerta agilis, L. muralis, L. serpa, L. viridis, Sceloporus acan- thinus und Acanthodactylus velox beschränken. Die Form und Gestalt der Schenkeldrüsen ist nicht immer gleich, sondern kann bei einzelnen Arten mancherlei Abweichungen zeigen. Das aus den Poren an der Mündung hervorragende, Papille, Warze, hornartiger Kegel oder Zapfen benannte Sekret besteht nach Schaefer's Untersuchungen bei Lacerta muralis, L. viridis und Acanthodactylus velox außerhalb der Brunstzeit nur an der Mün- dung aus einigen völlig verhornten Zellen, wäh- rend die Hauptmasse dieser Zellen aus einer erst in Verhornung begriffenen Substanz zusammen- gesetzt ist. Nur bei Lacerta agilis besteht außer- halb der Brunst der ganze Zapfen aus völlig ver- hornten Zellen. Dagegen bildet bei Sceloporus acanthinus das Sekret eine völlig zerfallene, dem Sekret von Talgdrüsen ähnlich sehende Masse, in der verhornte Elemente nicht nachzuweisen sind. Eine Absonderung der Schenkeldrüsen, die von manchen Autoren bestritten wird, nimmt Schaefer als sicher an, da die Zellen des Drüsenzapfens in den verschiedenen Jahreszeiten denselben Farb- stoffen gegenüber ein verschiedenes chemisches Verhalten zeigen , je nachdem die Zellen .schon 26 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 2 völlig verhornt oder erst in Verhornung begriffen sind. Der an der Mündung hervorragende, aber noch an dem inneren Zapfen des Drüsenganges festhaftende Sekretpfropf wird wohl durch mecha- nische Einwirkung von der Mündung beseitigt. Mit der absondernden Tätigkeit der Oberhaut bei der Häutung kann diese x\bsonderung der Drüsen nicht verglichen werden, da bekanntlich bei der Häutung sich an der Oberhaut bereits die darunter liegende neue Hornschicht gebildet hat, während bei den Schenkeldrüsen zu gewissen Zeiten überhaupt keine Hornzellen nachzuweisen sind. Zur Brunstzeit erfolgt bei männlichen Indi- viduen eine viel schnellere Umwandlung der Zellen des Drüsenkörpers wie zu anderer Zeit, und dem- entsprechend muß auch eine viel schnellere Ab- sonderung des Sekretes erfolgen ; denn eine Ver- hornung der Zellen des Drüsenzapfens findet in dieser Zeit nicht statt. Die entwicklungsgeschichtlichen Untersuchun- gen der Schenkeldrüsen haben ergeben, daß die- selben aus einer Einsenkung des Rete Malpighii der Epidermis in das darunter liegende Binde- gewebe und gleichzeitiger Wucherung und Ver- mehrung dieser Epidermiszellen hervorgegangen sind. Das Lumen der Drüsen wird größtenteils ausgefüllt von Zellen, doch ist im Ausführungs- gang zwischen der Wand des Drüsenganges und dem Zapfen immer noch eine Lichtung nachzu- weisen. Die im Drüsenkörper gebildeten Zellen erfahren allmählich eine LTmwandlung und können schließlich als verhornte oder als in V'erhornung begriffene Zellen oder als detritusähnliche Masse abgeschieden werden. Was die morphologische Bedeutung der Schenkeldrüsen anbetrifft, so haben die früheren Autoren darüber sehr verschiedene Ansichten ge- äußert. Schaefer betrachtet die Schenkcldrüsen als zellenbereitende Drüsen (Glandulae celluliparae), und da sie auch eine dem Sekret der Talgdrüsen ähnliche Masse abscheiden können, muß ihnen dieselbe anatomische Stellung eingeräumt werden, wie sie die selbständigen, nicht in Verbindung mit Haaren befindlichen Talgdrüsen einnehmen. S. Über die Bedeutung von Eruptiv-Breccien als erdgeschichtliche Urkunden. — Als Vulkan- embryonen bezeichnet man mit einem von Leopold v. Buch geschaffenen Namen nicht zur völligen Entwicklung gelangte Vulkane, aus denen sich keine Lava an die Erdoberfläche ergossen hat. Ihre — wahrscheinlich sehr plötzliche — Ent- stehung verdanken sie einem explosiven Vorgange, durch den sich die Spannung intratellurischer Gas- und Dampfmassen auslöste. Die Explosion schlägt einen Kanal durch die feste Erdkruste und an der Oberfläche bildet sich oft eine schüsseiförmige Vertiefung. Ist dies letztere der Fall, so spricht man von Maaren, ein Name, der von den Krater- seen der Eifel entlehnt ist. Der durch die Ex- plosion entstandene Schlot wird durch verschieden- artiges Material ausgefüllt. Dasselbe kann aus vulkanischen Auswürflingen bestehen, wie sie sich auch um den Rand der Maare anzuhäufen pflegen; in der Tiefe trifft man oft einen Pfropfen erstarrten Magmas an. Sehr oft wird die Aus- füllungsmasse aber auch durch Bruchstücke der Gesteine gebildet, welche bei der Explosion durch- schlagen sind. Manchmal sind diese Brocken durch magmatische Masse verkittet, manchmal entbehren sie dieses Bindemittels so gut wie ganz. In neuerer Zeit sind wieder einige Beispiele von Vulkan- schloten bekannt geworden, die dadurch merk- würdig sind, daß sich in ihnen nicht nur Frag- mente von solchen Gesteinen finden, durch die heute die vulkanische Röhre hindurchgeht, sondern auch von solchen, die man in der Umgebung des Schlotes vergeblich sucht. Wie wir im folgenden sehen werden, gehören solche Vorkommnisse zu den merkwürdigsten und wichtigsten Dokumenten für die Geschichte unseres Planeten. Das erste dieser geologischen Schatzkästlcin, von denen hier die Rede ist, liegt in der Nähe des Dorfes Alpersbach am südlichen Abhang des Höllentales, das sich von den Höhen des Schwarz- waldes in westlicher Richtung nach Freiburg i. B. hinunterzieht. Unter dem Namen der „Nagclfluh von Alpersbach" ist es schon länger bekannt und zuerst von Steinmann 1888 (Ber. d. nat. Ges. Freiburg i. B. Bd. IV) ausführlich beschrieben. Seine wahre Natur ist aber erst in neuerer Zeit erkannt (Steinmann, Die Neuaufschließung des Alpersbachcr Stollens. Ber. oberrhein. geol. Ver. 35. 1902). Auf dem von Ouarzporphyrgängen durchsetzten (rneiß, der an der genannten Lokalität ansteht, liegt dort ein Konglomerat, das aus den krystallinen Gesteinen der nächsten Umgebung, dann aber auch aus Brocken von Schichtgesteinen besteht, deren Alter durch die eingeschlossenen Versteinerungen unschwer bestimmt werden kann. Vertreten sind alle Formationen der Trias und eines Teils des Jura, vom Buntsandstein an bis zum unteren Malm. Es finden sich nicht etwa nur Reste der härteren Schichten, sondern auch in kleinen eckigen Bruch- stücken solche der Mergel und Tone des Keupers, des Lias usw. Die Komponenten der Breccie erreichen bis 0,5 m Durchmesser und sind nicht gerundet. Die ganze Ablagerung nimmt nur einen sehr geringen Raum ein. Weit und breit findet sich nichts Ahnliches. Die nächsten mesozoischen Sedimente liegen im Westen in 18 km Ent- fernung am Schönberg, südlich von Freiburg. Im Osten liegen Buntsandstein und Muschelkalk in 12 — 18 km, die nächsten Juraablagerungen in noch viel größerer Entfernung. Die Frage, wie diese Breccie an ihre jetzige Stelle mitten im Gneiß gekommen ist, war im Anfang nicht leicht zu beantworten. Man dachte zuerst an ein tertiäres, im Wasser abgesetztes Konglomerat nach Art der am östlichen Schwarz- waldrande verbreiteten Süßwassernagelfluhen. An einen Transport von Osten oder Westen her, wo die mesozoischen Sedimente in größerer Aus- N. F. III. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 dehnung anstehen, darf nicht gedacht werden, weil man sonst annehmen müßte, dal3 der heutige „hohe Schwarzwald" einstmals zur Tertiärzeit niedriger gelegen hätte als seine randlichen Partien im Osten oder Westen. Dieser Annahme widerspricht aber alles, was wir über die geologische Geschichte des Gebirges wissen. Trias und Jura müssen vielmehr bei Alpersbach selbst anstehend vorhanden ge- wesen sein. Da sich nun Bruchstücke aller Schichten vereinigt finden und direkt auf Gneit^ ruhen, so müßte man sich vorstellen, dal.^ der Boden des Wassers sehr unregelmäßig gewesen sei und enorme Höhenunterschiede gezeigt haben müßte, da an einer Stelle Buntsandstein, an einer anderen IVIalm, an einer dritten Gneiß zutage gelegen haben müßte. Vor allem ist aber schon deshalb der Wasser- transport nicht denkbar, weil die Komponenten der Breccie nicht gerundet sind, und sich ferner im Wasser die Brocken von IMergel und Ton, wie wir sie in der Breccie vorfinden, niemals zusammen- hängend hätten erhalten können. Endlich ist das Tal, an dessen Hang sich die „Nagelfluh" von Alpersbach findet, ganz jung und erst zur letzten Eiszeit ausgefurcht. Zur Eiszeit kann aber die Decke mesozoischer Sedimente nicht mehr auf dem Schwarzwald gelegen haben , weil die Moränen jener Gegend niemals Brocken von Musciielkalk, Lias usw. führen. Ein Transport durch Eis kann also auch nicht stattgefunden haben. So bleibt denn als einzige und zwar befriedi- gende Erklärung, daß es sich bei dieser Breccie um die Ausfüllungsmasse eines Vulkanschlotes handelt. Dann erklären sich die Verhältnisse so: Das Gneißgebirge des Schwarzwaldes war von der vollständigen Schichtenreihe vom Buntsandstein an bis zum unteren IVIalm bedeckt, als durch eine vulkanische Explosion eine Röhre von 20 — 30 m Durchmesser durch all diese Gesteine hindurch geschlagen wurde. In diese fielen Bruclistücke aller Schichten hinein und erfüllten den Schlot in buntem Durcheinander. Eruptives Material läßt sich freilich in der Breccie nicht nachweisen ; aber das spricht nicht gegen die gegebene Erklärung. Ähnliche Tuffröhren finden sich in der weiteren LJmgebung, nämlich in den Vorbergen des Schwarz- waldes. Auch hat man neuerdings in den Moränen bei Neustadt i. Schwarzwald, also nicht weit von Alpersbach, Basaltgeschicbe gefunden, welche ver- raten, daß auch dort ein vulkanischer Durchbruch stattgefunden haben muß, dessen Lage aber wegen der glazialen Bedeckung nicht festgestellt werden kann. Ferner findet sich bei Hornberg (an der Schwarzwaldbahn) mitten im krystallinen Gebirge ein Rasaltschlot, der Buntsandsteinstücke einschließt, während dieses Gestein in der Umgegend nicht ansteht. — Das Alter der Entstehung der Alpers- bacher Breccie läßt sich nach dem der Eruptionen des Kaiserstuhls und Hegaus, unter denen durch sie auch ein örtlicher Zusanmienhang geschaffen ist, als miocän festsetzen. Das eben beschriebene Vorkommnis lehrt uns nun eine ganze Reihe wichtiger Tatsachen. Zu- nächst muß der Schwarzwald zur Miocänzeit noch ganz von den mesozoischen Sedimenten bis zum unteren Malm hinauf bedeckt gewesen sein.^) Der Schwarzwald ist also auch nicht zur Jurazeit eine Insel gewesen, wie er noch vielfach auf Karten, die das einstige Jurameer darstellen, erscheint. Sodann haben wir hier einen Maßstab für die ge- waltige Wirkung der Denudation vor uns. Denn die ganze Schichtenfolge, von der wir in dem Schlot eine Mustersammlung erhalten finden, ist seit dem Miocän (bis auf den Buntsandstein) vom hohen Schwarzwalde gänzlich entfernt worden. Wenn man sich die Mächtigkeit der abgetragenen Schichten nach den Verhältnissen in den nächst benachbarten Gebieten mesozoischer Sedimente berechnet, so ergeben sich für Trias und Jura 500 m. Da in der Umgegend von Alpersbach Berge von 1250 m noch bis oben hin aus Gneiß bestehen, die Breccie aber in lOOO m Höhe liegt, so sind an der Stelle, wo sie liegt, auch noch 250 m krystallinen Gesteins abgetragen, denn der Buntsandstein hat sich auf einer ziemlich ebenen Fläche auf dem Gneiß abgesetzt und kann also frühestens in 1250 m Höhe begonnen haben. Seit der Entstehung des Alpersbacher Schlotes sind also im ganzen 750 m an jener Stelle vom Gebirge abgetragen. Das folgende Profil möge zur Verdeutlichung des Gesagten dienen. Ein dritter Punkt von Wichtigkeit, der durch die Breccie Beleuchtung erfährt, ist die Ausbildung ') Eine Schwierigkeit mag hier noch angedeutet werden. Sie liegt in dem Problem, ob noch jüngere Schichten als der untere Weiße Jura auf dem Schwarzwald zum Absatz gelangt sind. Wäre der Schwarzwald nach Ablagerung des unteren Malm (des jüngsten Gliedes der mesozoischen Schichlenfolge im badischen Oberlande) trocken gelegt, so ist es schwer, sich vorzustellen , daß seit jener Zeit bis zum Miocän keine Denudation tätig gewesen sein sollte. Im Gegenteil müßte man annehmen, daß während des unendlich langen Zeitraumes vom mittleren Malm durch die ganze Kreidezeit hindurch bis zum Miocän vom Gebirge doch wohl mindestens ebenso viel abgetragen ist, wie seit dem Miocän bis auf unsere Zeit. Die Länge des ersteren Zeitraumes muß doch gewiß noch größer sein als die des letzteren. Daß in der Oligocänzeit dieselben mesozoischen Schichten den .Schwarzwald bedeckten, beweist der Umstand, daß ihre Bruchstücke auch die oligocänen Küsten- konglomerate an seinem Fuß zusammensetzen, in denen sich nie ein krystallines Gestein gefunden hat. Dies muß also noch nirgends freigelegt gewesen sein. — Das angedeutete Problem ist schwer zu lösen. Branco hat ein ähnliches für die schwä- bische Alb untersucht (s. Schwabens 125 Vulkanembryonen, p. 54 ff.). Er kommt dabei zu der Vorstellung, daß jüngere als jurassische Schichten die .Mb (und den Schwarzwald) nicht bedeckt haben, und daß die Schichten von diesen Gebirgen in der Weise abgetragen sind, daß ein Steilabsturz allmählich rückwärts rückte, wie es jetzt derjenige der schwäbischen Alb tut, während die Denudation oben auf den Schichten sehr wenig wirkte. Dazu hob sich ja der Schwarzwald zur Miocän- zeit als Gebirge heraus und die Denudation konnte auf diesem höher gelegenen Stück kräftiger wirken als in den niedrigeren, im Osten und Westen gelegenen Teilen. Die Frage, ob mittlerer und oberer Malm oder auch Kreide auf dem Schwarzwald abgelagert sind, lassen wir daher offen, aber durch die Branco- sche Vorstellung wird eine Denudation verständlich, die nicht auf der ganzen Fläche der Sedimentdecke wirkte, sondern den Rand dieser letzteren allmählich immer weiter gegen SO ver- legte. 28 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. m. Nr. 2 der Schichten, ihre „Facies" Z. B. ist der obere Braune Jura am Rande des Rheintales als ein mächtiger Komplex von Oolithen, als sogen. Haupt- rogenstein, entwickelt, während er östlich vom Schwarzwald in mergeliger Facies erscheint, t'ber die Lage der Grenze zwischen den beiden Aus- bildungsweisen weiß man nichts Bestimmtes, jeden- falls muß sie aber östlich vom Alpersbacher Schlot liegen, da sich in diesem noch Hauptrogenstein findet. Umgekehrt ähnelt der obere Muschelkalk, der sich in der Breccie findet, in seiner Ausbildung mehr dieser Formation wie sie sich im Osten des Schwarzwaldes zeiet. leicht zu eine finden sein. Zufälliijkeit Nive.^.u (1. Rheinebene be Profil durch das IlöUental im südlichen Schwarzwald mit Rekonstruktion der Sedi- mente (Buntsandstein bis Unt. Malm), die das Gneifigcbirge zur Zeit der Ent- stehung des Alpersbacher Schlotes (S) bedeckten. (Nach den .Angaben von Stein- mann). G — G = obere Grenze des Gneißes, Auflagerungsfläche des Buntsandsteins. M — M = Oberfläche des Schwarzwaldes (bestehend aus unterem Malm) zur mitt- leren Miocänzeit, als der .Mpersbacher Explosionskraters entstand. R—R^ Heutige Oberfläche des Gebirges. Die Gesleinsmasse zwischen den Linien M — M und R — R ist seit der Miocänzeit abgetragen. — Der Durchmesser von S ist ganz bedeutend übertrieben. Auch im Odenwald hat sich ein solches merk- würdiges Dokument für die Erdgeschichte gefunden, und zwar am Katzenbuckel, wo F r e u d e n b e r g Lias entdeckt hat (Ber. d. oberrh. geol. \'er. 36. 1903). Der Katzenbuckel ist eine| Kuppe von Nephelinbasalt, die unweit Eberbach (ONO von Heidelberg) über den dort vorherrschenden Bunt- sandstein emporragt. In diesem Basalt findet sich eine Scholle von hartgebranntem Schieferton ein- geschlossen, welcher sich durch charakteristische Fossilien als unterer Brauner Jura (Opalinus-Ton) er- weist. Weit und breit sind keine Juraablagerungen vorhanden ; der nächste Braune Jura findet sich in ca. 35 km Entfernung bei Langenbrücken, nörd- lich von Bruchsal. Der hier anstehende Opalinus- Ton stimmt mit dem im Basalt des Katzenbuckels gefundenen sehr gut überein. So muß also auch der Odenwald einst von Sedimenten bedeckt ge- wesen sein, von denen wir keine Spur mehr auf den Bergen finden. Nur diese kleine Scholle ist in der Tiefe eines vulkanischen Schlotes, in den sie hineingestürzt ist, auf wunderbare Weise er- halten worden. Auch liier hat also die Denudation gewaltige Wirkungen ausgeübt. Denn es ist un- wahrscheinlich, daß nur der Opalinus-Ton auf dem Buntsandstein abgelagert sein sollte. Wahrschein- licher ist es, daß auch noch andere Sedimente des Mesozoikums hier abgesetzt und später wieder entfernt sind. Warum gerade nur diese eine Schicht in dem Basalt eingeschlossen ist, dafür dürfte aller- dings eine Erklärung nicht Es kann sich da vielleicht handeln.^) Nicht nur Deutschland besitzt solche geo- logische Schatzkästlein, die wichtige Kunde aus grauer X'orzeit bergen, auch aus England ist ein ganz analoges X^orkommnis be- kannt geworden. Auf der Insel Arran liegt ein größeres Eruptions- gebiet, das von Schichten des old red sandstone, des Karbon und der Trias begrenzt ist. In diesen Eruptivmassen sind von Peach und Gunn (Quart. Journ. Geol. Soc. London, \^ol. 57, pag. 226 ff.) nicht unbeträchtlicheMassen meso- zoischer Sedimente entdeckt, die sonst auf der Insel absolut fehlen. Durch Fossilien konnten Rhät , unterer Lias (Schichten der Schlotheimia angulata) und obere Kreide nachgewiesen wer- den. Neben diesen finden sich auch Bruchstücke der Gesteine, welche heute um die eruptiven Massen herum die Oberfläche der Insel bilden. Es geht aus diesen Ver- hältnissen hervor, daß ein.st rhä- tische, liasische und oberkretacische Schichten die Insel Arran bedeckt haben. Da die letzteren noch von den Eruptivgesteinen eingeschlos- sen und kontakt-metamorph verändert sind, so ergibt sich ein tertiäres Alter der Eruption, das von beson- derem Interesse ist, weil die Eruptiva z.T. den Charak- ter von Granit tragen. .Auch auf Arran hat dann die Denudation diesen ganzen Schichtenkomplex wieder abgetragen und nur in der Tiefe des vulkanischen Schlotes, die jetzt frei zutage liegt, haben sich seine Reste erhalten. Das nächste Gebiet, wo sich ähnliche Sedimente wie diese eingeschlossenen Schollen von Arran finden, liegt im nordöstlichen Irland in einer Entfernung von 40 englischen Meilen. Auch dort folgt über dem Rhät der untere Lias und dann Ablagerungen der oberen Kreide. — Wie viele Fälle mag es geben, daß mächtige Schichten auf der Erde abgelagert und nachher ') Es sei darauf hingewiesen, daß diese beiden nicht die einzigen Turtröhren in Deutschland sind, die Gesteine ent- halten, die jetzt nicht mehr in ihrer näheren Umgebung vor- kommen. Es sei nur an den Tuft' von Scharnhausen bei Stuttgart erinnert, den Brancu beschrieben hat (Brancu, Schwa- bens 125 Vulkanembryonen S. 454 ff.). Dieser Schlot geht heute inKeuper zutage aus, enthält aber noch Weißen Jura (V und ,?. N. F. III. Nr. 2 NaturwissensclKiftliche Wochenschrift. wieder vcrsclnvmiden sind, ohne daß wir je eine Kunde von ihnen erhalten werden. Die hier be- schriebenen Vullvanschlote , deren Untersuchung solche Vorgänge für gewisse Gebiete beweist, sind doch nur seltene Vorkommnisse, und die Resultate, die ihre Untersuchung ergeben hat, zeigen uns neben ihren wichtigen Ergebnissen doch auch wieder aufs deutlichste, wie lückenhaft die Ur- kunden sind, aus denen die Geologie die Ge- schichte der Erde enträtseln muß. Dr. Otto VVilckcns. Die thermischen Eigenschaften der festen und flüssigen Körper. — In der Märznummer des N'uovo Cimcnto veröftentlicht S. Lussana den zweiten Teil seiner Untersuchungen über die Gesamtheit der thermischen Eigenschaften von festen und flüssigen Körpern. Die vom Verfasser beschriebenen Versuche beziehen sich auf Phosphor und a-Naphthol und gestatten die Aufstellung fol- gender Schlussfolgerung: Die Kompressibilität nimmt sowohl im flüssi- gen als im festen Zustande für wachsende Drucke ab. Wenn man das Volumen durch die Beziehung V = a -|- bp -}- cp- darstellt, so bemerkt man, dass b immer negativ und c positiv ist. b und c nehmen im übrigen für wachsende Temperaturen zu und sind für den flüssigen Aggregatzustand weit grösser als für den festen. Der Ausdehnungskoeffizient nimmt ab, wenn der Druck zunimmt. Im übersclimolzenen Zu- stande zeigt der Körper dasselbe \'erhalten wie im flüssigen Zustande. Die Ueberschmelzung ist anscheinend umso leichter, je höher der Druck ist. Die Volumveränderungen, von denen der Schmelzprozess begleitet ist, nehmen für wach- sende Drucke nach einem ständig kleiner werdenden Koeffizienten ab. Verfasser hält es nicht für an- gezeigt, Schlüsse mit Bezug auf die Schmelzwärme sowie auf das Vorhanden oder Nichtvorhandensein eines kritischen Punktes zu ziehen und beabsichtigt in einer späteren Arbeit, wo Versuche mit anderen Substanzen wiedergegeben werden sollen, hierauf zurückzukommen. A. Gr. Über den Clausius'schen Entropiesatz betitelt sich eine in der Vierteljahrsschrift der naturforschen- den Gesellschaft in Zürich (XLVIII, 1903) erschienene Abhandlung von A. Fliegner. Die interessanten Ergebnisse dieser Studie geben wir nachfolgend im Auszug wieder, indem wir hinsichtlich der Erklärung des Entropiegesetzes auf den in Nr. 35 des vorigen Jahrgangs erschienenen Aufsatz von Dr. Gradenwitz verweisen. „Die Untersuchungen haben drei Fälle ergeben, für welche der Entropiesatz nicht gilt: die unstetigen Expansionen, die endothermen chemischen Reaktionen und die Kältemischungen. Sucht man noch nach gemeinschaftlichen Zügen bei diesen drei Vorgängen, so könnte man sie vielleicht in Folgendem finden : Bei den unstetigen Expansionen wird durch die vorhandenen Kraftwivkungen verhältnismäßig großen Massen eine bedeutende fortschreitende Geschwindig- keit erteilt , während die Entropie abnimmt. Wenn dann bei der Bewegung Widerstände nur in geringem Grade vorhanden sind, so wird die erlangte Strömungs- energie namentlich zur Überwindung von Massen- anziehungskräften ganz oder teilweise aufgebraucht, und dabei bleibt die Entropie dauernd kleiner, wenig- stens wenn von der Umgebung her keine Wärme zugeführt wird. Die Molekeln sind nun , wenn auch sehr kleine , so doch zusammengesetzte Körperchen, und auch von den Atomen wird neuerdings ange- nommen , daß sie noch nicht die kleinsten Teilchen des Stoffes bilden , sondern daß uns nur noch die Mittel zu einer weiteren Zerteilung fehlen. Man wird daher diesen Körperchen auch eine gewisse Entropie zusprechen dürfen, die abhängig ist von der gegen- seitigen Bewegung und gegenseitigen mittleren l^age ihrer wirklich kleinsten Teilchen. Bei chemischen Reaktionen und beim Lösungsvorgange müssen diesen Kör[)erchen durch die vorhandenen Kraftwirkungen auch große, voneinander weg gerichtete Geschwindig- keiten erteilt werden, und man muß annehmen, daß ihre Entropie dabei abnimmt. Die erlangte fort- schreitende Bewegung geht widerstandslos vor sich, da die Molekularstöße als vollkommen elastisch an- gesehen werden müssen. Daher wird die Strömungs- energie nur die Massenanziehungskräfte zwischen den Atomen und Molekeln zu überwinden haben, wodurch die Entropie nicht beeinflußt wird. Das Gemein- schaftliche würde dann sein : die Entstehung einer großen Strömungsenergie und das gänzliche Fehlen von Widerständen, oder doch deren Kleinheit gegen- über vorhandenen Massenanziehungskräften. Bei den chemischen Reaktionen , soweit sie nicht einfache Dissoziationen sind, wirken allerdings die Anziehungs- kräfte bei der Vereinigung der Atome zu den neuen Molekeln im entgegengesetzten Sinne auf Erhöhungen der Entropie, sie erlangen aber nur bei den e.xother- men Prozessen das Übergewicht. Die vorstehenden Entwicklungen zeigen nun, daß die eine der Annahmen, von denen Clausius bei der Herleitung seines EnlrojMesatzes ausgegangen ist, den wirklichen Verhältnissen nicht entspricht. Der Entropiesatz stellt kein unbeschränkt gültiges Natur- gesetz dar, das auf alle Vorgänge im. ganzen Weltall angewendet werden dürfte. Vielmehr entzieht sich ihm eine Anzahl unstetiger Vorgänge. Daher sind auch alle aus dieser unrichtigen Annahme gezogenen Schlüsse nicht als bewiesen anzusehen. Auf rein mechanische Vorgänge, die in kleinerem Maßstabe künstlich erzeugt werden können, darf man den Entropiesatz in der integrierten Form allerdings trotzdem anwenden. In der allgemeinen Form da- gegen, daß die Entropie des Weltalls einem Maximum zustrebe, mufs er fallen gelassen werden. Im Weltall treten die mechanischen Zustands- änderungen mit bleibender Zunahme der Entropie in einem abgeschlossenen Gebilde wahrscheinlich häufiger auf, als die unstetigen Expansionen mit einer 30 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. \r. 2 bleibenden Abnahme. Dafür nimmt aber bei diesen die Entro]iie gegenüber der Wärmemitteilung um un- endlich grotie Beträge ab, während bei jenen die Entropiezunahme und die Wärmemitteilung der glei- chen Größenordnung angehören. Bei den chemi- schen Reaktionen dürften sich die Änderungen der Entropie in der organischen Natur angenähert die Wage halten, da in der Tierwelt die oxydierenden, exothermen Vorg.nnge vorherrschen, in der Pflanzen- welt die reduzierenden, endothermen. In der unor- ganischen Natur gehen die exothermen Reaktionen namentlich bei den niedrigeren Temperaturen vor sich, die endothermen namentlich bei den höheren. Zusammenstöße von Weltkörpern, durch die angeniein hohe Temperaturen erzeugt werden , müssen daher umfangreiche endotherme Dissoziationen zur Folge haben, die mit einer bedeutenden bleibenden Ab- nahme der Entropie verbunden sind. In welchem gegenseitigen Verhältnisse aber diese entgegengesetzten Änderungen vorkonmien, entzieht sich unserer Beur- teilung vollständig. Es ist daher ganz wohl möglich, daß die Zunahmen das Übergewicht besitzen , und daß der Clausius'sche Entropiesatz doch richtig ist. Dagegen ist auch eine ununterbrochene Abnahme der Entropie nicht ausgeschlossen. Und da sich für keine dieser Änderungen zwingende Gründe oder Gegengründe anführen lassen, so muß auch die Mög- lichkeit zugegeben werden, daß die Entropie des Weltalls vielleicht konstant bleibt. Immerhin würde das keine strenge Konstanz sein, wie bei der Energie, bei der eine Änderung in einem Sinne an einer Stelle unmittelbar eine gleich große Änderung im entgegengesetzten Sinne an einer anderen Stelle ent- spricht. Vielmehr würde es sich bei der Entropie nur um Schwankungen innerhalb engerer Grenzen handeln können. Die Frage, ob sich die Entropie des Weltalls überhaupt ändert, und wenn ja, in welchem Sinne, geht also gegenwärtig noch gar nicht zu beantworten, und sie wird wohl auch immer unentschieden bleiben." Über die Bedeutung der Nährstoffanalyse in agronomischer und geognostischer Hinsicht äußert sich Dr. R. Gans im Jahrbuch der Königl, Preuß. Geologischen Landesanstak für 1902 (Band XVIII. Heft I. Berlin 1903). An der Hand zahlreicher Analysentabellen weist der Verf. auf die vielfach verkannte, hohe Bedeutung der chemischen Untersuchung von Bodenarten hin. Das Analysenmaterial entstammt zumeist dem Quartär des norddeutschen Flachlandes und wurde im Laufe des verflossenen Jahrzehnts im Laboratorium für Boden- kunde der oben genannten Anstalt bearbeitet. Man hat hier die Methode der Nährstoft'untersuchung bei- behalten, durch Auszug des Bodens mit kochender, konzentrierter Salzsäure die Summe der leichter und schwerer löslichen Bestandteile zu ermitteln. Der Grund hierfür liegt einmal darin, daß es bei der agronomisch-geologischen Landesaufnahme nicht darauf ankommt, den augenblicklich leicht löslichen, sondern den für eine längere Reihe von Jahren für die Pflanzen verfügbaren, wenn auch momentan schwerer löslichen Vorrat des Bodens an Nährstoffen festzustellen. Und andererseits ist zu berücksichtigen, daß die leicht- löslichen Salze, die allerdings allein den Pflanzen direkt zu ihrem Aufbau dienen, doch nur da in genügender Menge vorhanden sind, wo sich auch schwerer lös- liche vorfinden, aus denen sie ja zum Teil durch Ver- witterung entstehen. Conditio sine qua non ist hierbei natürlich eine physikalische Beschafienheit des Bodens, die eine gleichmässige Verwitterung erlaubt, und außer- dem die Gegenwart aller der Bestandteile, die diese Verwitterung begünstigten. Solche sind z. B. Kalk- und Humusverbindungen, die teils ein Wiederunlöslich- werden einmal gelöster Stoft'e verhindern oder min- destens verzögern, teils durch die bei der Vermode- rung von Humussubstanzen auftretende Kohlensäure eine Zersetzung der Silikate herbeiführen. — Von agronomischem Interesse ist ferner der Nachweis, daß sich eine Klassifikation der Bodenarten auf chemischer Grundlage durch Ermittelung der löslichen Nährstoft'- tonerde weit präziser durchführen läßt, als dies durch rein oberflächliche Prüfung des Materials bisher mög- lich war. So schlägt der Verf. vor, einen Boden, unter Beibehaltung der gebräuchlichen agronomischen Benennungen , folgendermaßen zu bezeichnen : Bei einem Gehalte an lösHcher Tonerde von o — 0,7 5 "ii als Sandboden 0,7 s — 2 „ „ lehmigen, tonigen Sandboden - — 3 t) II sandigen Lehm- oder Tonbodeu 3 u. mehr ,, „ (schwachsandigen) Lehm- oder Tonboden. Auch in geognostischer Hinsicht boten die der Arbeit beigegebenen , äußerst sorgfältig zusammen- gestellten Änalysentabellen dem Verf. ein wertvolles Hilfsmittel , auf Grund der Nährstofifanalyse gewisse Gesetzmäßigkeiten des ziemlicli gleichartigen Materials in physikalisch-chemischer Beziehung und seiner che- mischen Zusammensetzung zu ergründen und damit die Bedeutung der Nährstoffanalyse besonders günstig zu beleuchten. Aus der Zusammenfassung der Re- sultate aus dem Bereiche des oberen und unteren Diluviums seien folgende wichtigsten Sätze wieder- gegeben. Die in Salzsäure lösliche Tonerde der Nährstoft'- bestimmung, welche die Hälfte der bei der Ton- bestimmung gefundenen Tonerde darstellt, gibt uns Aufschluß über den Gehalt an tonartigen resp. zeo- lithartigen Bildungen. Bei gleichem Humusgehalte enthalten Lehm- oder Tonböden mehr Stickstoft" als Sandböden. Die Stickstoftabsorption eines Bodens steigt mit wachsendem Tongehalt , mit wachsendem Gehalte an löslicher Tonerde und mit wachsendem Kalkgehalt. Es sind also stickstoffabsorbierende Silikate, welche Kalk und Tonerde enthalten müssen, zeolithartige Körper. Wegen der verschiedenen Lös- lichkeit und der aus diesem Grunde vermutlich ver- schiedenen Bildung ihrer Tonerde könnte man sich diese zeolithartigen Körper, ähnliclj dem Anorthit aus Feldspat, entstanden denken durch Umtausch eines Si gegen AI und daher die verschiedene Bildung der Tonerde erklären. — Der Gehalt an löslicher Ton- erde und Kalk in Verbindung mit einer Stickstoft"- absorption gestattet uns einen sicheren Schluß auf das N. F. ni. Nr. 2 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 31 Vorhandensein zeoüthartiger Körper, während anderer- seits eine zu niedrige .'\bsorption bei hohem Tonerde- gehak uns Kalkmangel im Boden anzeigt. Der Phos- lihorsauregehalt erwies sich häufig höher bei großem Humus- und Kalkgehalte. Das Verhältnis von lös- licher Tonerde zum löslichen Kali dei' Nährstofl- bestimnnmg läßt uns einen Einblick tun, wieviel Kali infolge \'erwitterung beim Übergänge von einer Boden- klasse in die andere verloren ging. Die Durchschnitts- werte bei dem Verhältnis von löslicher Tonerde zum löslichen Kali ergeben : bei 37 untersuchten Mergeln 7 27 60 5° 25 1,33 io3 0,68 10: 1,76 Lehmen u. Tonen 10:1,49 sandigen Lehmen u. Tonen 10: 1,^0 lehmigen, tonigen Sauden 10 San den 10 Schlicken 10 Es geht also beim Verwitterungsprozet;') vom Mergel zum Lehm Kali verloren, eine Folge der Auslaugung zeohthartiger Bildungen mit dem bei der Verwitterung entstehenden, sauren kohlensauren Kalk enthaltenden Wasser. Der Übergangsprozeß von Lehm zum san- digen Lehm und von ihm zum lehmigen und rei- neren Sande konnte aus Mangel an Kalk diese kalk- haltigen Lösungen in nicht so starkem Grade oder garnicht mehr entstehen lassen, daher geringer oder gar kein Verlust an Kali. — Die Arbeit schliel^Jt mit einer recht anschaulichen Darstellung der Eisenbewegung im Boden. Dem Verfasser werden alle Interessenten für seine Mühe und Gründlichkeit, mit der er sich seiner Aufgabe unterzogen, lebhaft Dank wissen. Dr. Loebe. Neues Pottascheverfahren. — Der Verbrauch an Seife bildet bekanntlich einen ziemlich zuver- lässigen Mal.istab für den Kulturzustand eines V^olkes, und es ist daher kein Wunder, daß der Redarf an dem für die Seifenfabrikation unerläl.i- lichen Alkali auf der Erde mit der fortschreiten- den Kultur ihrer Bew^ohner ständig stieg; sind doch die Zeiten längst vorbei, da das alte Industrie- land Ägypten mit seiner Trona (Verkehrung von Natron) und die Aschen der Strandpflanzen den Pottasche- und Sodabedarf der Erde deckten! Bekanntlich war es zur Zeit der französischen Revolution, als Frankreich, durch die Kontinental- sperre von jeder überseeischen Zufuhr abgeschnitten, seine gesamte Pottasche auf Schiei-5pulver verar- beiten mußte, und somit für die blühende Seifen- industric dieses Landes (französische Seifen werden noch heute vielfach bevorzugt) nichts übrig blieb, daß es einem französischen Chemiker L e b 1 a n c gelang, auf künstlichem Wege mittels eines Schmelz- prozesses, der zunächst nur ein sehr unreines und umständlich zu reinigendes Rohprodukt (Rohsoda) liefert, Soda bezw. Pottasche aus Kochsalz (Chlor- natrium) bezw. Chlorkalium darzustellen. Über ein halbes Jahrhundert wurde nach diesem Leblanc-Prozeß die Hauptmenge des für technische und hauswirtschaftliche Zwecke unentbehrlichen Alkalis dargestellt, bis es Solvay Ende der sech- ziger und Anfang der siebziger Jahre gelang, einen bereits 1838 von Dyar und Hemming bekannt gegebenen nassen Sodaprozeß, das sogenannte Ammoniaksodaverfahren, welches ein hochprozen- tiges reines Rohprodukt — kalzinierte Soda — liefert, zu einem fabrikmäßigen auszuarbeiten, welches sowohl infolge seiner billigen Arbeits- weise als auch mit Rücksicht auf die große Rein- heit seines Endproduktes in kurzer Zeit die Leblanc- Soda aus dem Felde schlug und den Preis der Soda etwa auf den dritten Teil herabdrückte. Aber auch der Ammoniaksoda ist bereits eine gefährliche Konkurrentin in der Elektrolytsoda erstanden , welche in P'orm von Natronlauge mittels des elektrischen Stromes (elektrolytisch) aus Kochsalzlösung (natürlicher oder künstlicher Sole) gewonnen wird. Die fast ebenso wichtige Pottaschegewinnung mul.?te nun die ganze Zeit nach dem umständ- lichen feurig-flüssigen Leblanc - Prozeß geschehen, da der Ammoniakprozeß der Sodabereitung wegen der Leichtlöslichkeit des Kaliumbikarbonats (die Soda resultiert bei dem Ammoniaksodaprozeß durch P^inwirkung von Kohlensäure auf ammonia- kalische Kochsalzlösung — Sole — zunächst als schwerlösliches Bikarbonat) sich auf die Pottasche- gewinnung aus Chlorkalium leider nicht übertragen läßt. Erst in neuerer Zeit ist es nun gelungen, auch hierfür einen nutzbringenden nassen Prozeß zu erfinden, und das Salzbergwerk Neu-Staßfurt bei Staßfurt bezw. dessen chemischer Leiter Prof Dr. P r e c h t hat das hohe Verdienst, das bereits von einem französischen Chemiker Engel (Deutsches Patent 15 218) vor 20 Jahren angegebene Magnesia- Pottascheverfahren soweit durchgebildet zu haben, daß dasselbe lebensfähig geworden ist. Während aber das Ammoniaksodaverfahren direkt das schwerlösliche Natriumbikarbonat aus der am- moniakalischen Sole ausscheidet, gelingt es nach dem Magnesiapottascheverfahren zunächst nur, ein unlösliches Zwischenprodukt , das Kaliummagne- siumkarbonat aus einer mit Magnesiumkarbonat versetzten Chlorkaliumlösung mittels Kohlensäure abzuscheiden, welches aber mit Wasser leicht in seine Komponenten, die leichtlösliche Pottasche und das unlösliche Magnesiumkarbonat, zerlegt werden kann, von denen die erstere durch Ein- dampfen der wäßrigen Lösung nach Trennung von dem unlöslichen Erdkarbonat als chemisch reines Kaliumkarbonat, als „Krystallpottasche'' mit 2 Mol. Wasser (ein technisch gänzlich neues Pro- dukt) in feinen Krystallen oder kalziniert wasser- frei mit 99 — 100 "/,j Gehalt an K.,COo gewonnen wird. Dieses in den Deutschen Patenten 50 786, 53 574, 55182, 57721, 125987, 141 808, 143408, 143409, 143594, 143595 und 144742 nieder- gelegte Verfahren stellt einen Triumph exakter technischer Arbeit dar und die E n gel - Pre c h t- sehe Magnesiapottaschc dürfte auch mit Rück- sicht darauf, daß sie nicht, wie ihre jüngste Kon- kurrentin, die Elektrolytpottasche bezw. -Kalilauge, von der Konjunktur des Chlorkalks abhängig ist, noch lange ihren Platz behaupten, namentlich da 32 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 2 auch von anderer berufener Seite (vergl. das Patent 135329 der Deutschen Sol vay- Werke in Bern- burg) die weitere Ausbildung des alten En gel- schen Vorschlags in Angriff genommen zu sein scheint. Ullrich Sachse. Bücherbesprechungen. Meyer's grofses Konversations-Lexikon. Ein Nach- schlagewerk des allgemeinen Wissens. 6. gänzlich neubearb. u. verm. Aufl. 4. Band. Chemnitzer bis Differenz. Leipzig u. Wien. Bibliographisches In- stitut 1903. Dafth-, daß sich das Lexikon eifrig bemüht, den Zeitbedürfnissen Rechnung zu tragen, ist der vor- liegende Band wiederum ein Beweis; so ist „China" ein besonders langer, gut durch Karten und Ab- bildungen unterstützter Artikel gewidmet. „Deutsch- land" ist ganz hervorragend berücksichtigt; der Ar- tikel umfaßt S. 761 — 837 und bringt eine grosse An- zahl Karten und sonstige Illustrationen ; dazu kommen noch über 50 ebensogut ausgestattete Seiten mit Kapiteln wie Deutsche Literatur, Philologie usw. Der vorliegende Band bringt auch einen gut geschriebenen Artikel „Darwinismus". Briefkasten. Herrn Dr. K 1 ingcl h u fi er in ÜlTenburg (Baden). — Zu 1). Eine Methode, welche Reptilien und Am- phibien mit Erhaltung aller, auch der vergänglichsten, Farben- töne sicher zu konservieren gestattet, gibt es nicht. Namentlich die zarten roten und gelben Karben der Unterseite vieler Amphibien verblassen in jeder erprobten Konser- vierungsflüssigkeit mehr oder weniger. Reptilien bewahre man stets in Spiritus auf, und zwar größere Schlangen in unvcrdiinr.tcm , alle anderen Reptilien in 75— 9° "o Spiritus, und injiziere sie mit Spiritus in gleicher Stärke. Amphibien töte man in einer Mischung von 50 Teilen Spiritus, 50 Teilen Wasser, I — 2 Teilen Formollosung (die gewöhnliche, überall erhälüiclie Lösung!), welche man oftmals verwenden kann. Nach einer Stunde oder einem Tage wandern sie , in die richtige Lage gestreckt, in ca. 70 "/„ , am besten auch schon gebrauchten Spiritus. Neben dem Lichtabschluß scheint Zusatz von elw.as Salz (eine Messerspitze bis '/, Theclöffcl für kleine bis mittlere Tiere) nach meinen neuesten Erfahrungen das Ausbleichen hinzuhalten. (Im Berliner Museum für Natur- kunde befinden sich übrigens unter vielen verbleichten einige wenige ältere Spirituspräparatc, welche seit ca. 50 Jahren ilire Farbenpracht und Form fast unverändert bewahrten, dank einer besonderen, vielleicht rein zufälligen Zusammensetzung der Konservierungsflüssigkeit.) Zu 2). Diese Frage läßt sich ohne nähere Angaben nicht genügend beantworten. — Große Fische läßt man am zweck- mäßigsten von einem tüchtigen Präparator ausstopfen und ver- giften ; kleinere Fische werfe man lebend in eine Mischung von I Teil Formollösung und 20 — 40 Teilen Wasser, sie be- wahren hier Form und Färbung meist ausgezeichnet. Nur die vergänglichsten Farben, wie das zarte Rot des Goldfisches, verbleichen leider auch hier. Durch Zusatz von Salz läßt sich dem in etwas steuern. — Man kann bei Raummangel in einem gewöhnlichen grcßen .\kkumuIatorenglase im Format eines Aquariums, mit einer angesclilifl'enen Glasscheibe zuge- deckt, eine ganze .\nzahl Fische leicht und billig konservieren, da die Flüssigkeit nur sehr langsam verdunstet. Dr. W. Wolterstorff. Schriften zur Deszendenzfrage aus dem Verlage von Gustav Fischer in Jena. Rnpr-lrpl Ernst, Dr., Prof. an Qjg NatUPail- 1. ItliC».^l\-d j (lej. Universität Jena, schauung von Darwin, Goethe und Lamarck. Vortrag in der ersten öffentlichen Sitzung der 55 Ver- sammlung deutscher Naturforscher u. Aerzte zu Eisenacli am 18. Sept. 1889 gehalten. 1882. Preis: 1 Mark 50 Pf. ri X • Oscar, Direktor des anatomisch - bio- ilCl IV\ 1.^1 logischen Instituts der Universität Berlin. Die Lehre vom Organismus und ihre Be- ziehung zur Sozialwissenscha ft. |^g";^''jf 'j,^-; erklärenden Zusätzen und Litteraturnachweisen. 1889. Preis: 1 Mark. Jaekel, ^-^^1;°' "eher verschiedene Wege phylogenetischer Entwickelung. ^,^;\,,/d^„„^;i^- Abdr. aus den Verhandlungen des V. internationalen Zoolocren-Kongi-esses zu Berlin. 1901. Preis: 1 Mark 50 Pf. Knkpn '^'■"**' P™f. der Geologie und Palaconto- J-^^'i^d) Palaeontologie in Tübingen. logie und Descendenziehre. J::^^^^^ der naturw. Hauptgruppe der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Hamburg am 28 Sept. 1901. Mit 6 Figuren im Text. 1902. Preis: 1 Mark. IVTni'/'lf Hpiiirlch, Direktor der Landwirt- P|]j|o- lVJ.ctl/jtll'j Schaftsschule zu Weilliurg a. d. Lahn. Sophie der Anpassung. 'B'''^* =^"f^ ^'\" ^■^''"'^ r" r a_ desSammelwerkes„Natur und Staat"). Preis: 6. Mark, geb. 7 Mark. T?rkön W'l'i'Pl» Prof. der Zoologie und vergleichenden JAÜScl, Anatomie an der königl. Universität Modena. Die progressive Reduktion der Variabilität und ihre Bez iehungen zum Aussterben und zur Entstehung der Arten, j^ jt^^^^^^^-^^ aus dem Italienischen übersetzt von Prof. Dr. Iloinricll Bosshard, Zürich. 1902. Preis: 2 Mark 50 Pf. >nin "^'11""? ?"■ P^'' ' Darwinismus und t^flllj Magdeburg Sozialwissenschaft. Staat") Preis: 3 Mark, geb. 4 Mark. pn oaI '\' ^f •' ^"r ^'?^- '^^ Zweckmässigkeit ^",'-i'-'*) Zoologie m (.Tiessen. und Anpassung. ^J'^p^j.«"'^'^'^'' ^«'^«- ^^^^- ''''''*'= Weismann, ^^f^f ' Vorträge über Descen- denZtheOrie, 1?.'^=*!'^^. an der rniversität F>e.burg i. B. : Mit 3 farbigen Tafeln und 131 lext- fir. Bruhns. Während es die Aufgabe der beiden ersten in dieser Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze (N. F. I, S. 541 u. 553, 11, 181) gewesen war, einen Überblick über die Gesamtheit der bisherigen Beobachtungen des Mars zu geben, sollen in dem folgenden einige Beispiele aus dem reichen Material an Detail- beobachtungen besprochen werden, durch die der entschieden bedeutendste Marsforscher der Gegen- wart die Kenntnis unseres Nachbarplaneten zu fördern bemüht war. Seit Schiaparelli 1878 seinen ersten Bericht über die von ihm im voraufgegangenen Jahr ausge- führten Studien veröffentlichte, hat er noch 5 weitere Bände über die Resultate der Jahre 1879, 1881/2, 1883/4, 1886, 1888 herausgegeben. Während die ersten zwei Veröffentlichungen rasch den Beobach- tungen selbst folgten, ist die dritte erst 1886, die vierte 1896, die fünfte 1897, die sechste 1899 er- schienen.') Ein siebenter Band über die Opposition ^) Osservazioni astronomiche e fisiche sulP asse di rota- zione e suUa topografia del pianeta Martc. Memoria prima (1878), seconda(i 881), terza(i886), quarta(i896), quinta (1897), sesta (1899). Aus den Bänden der Reale .\ccademia dei Lincei, Floma. von 1890 steht, soviel mir bekannt ist, zur Zeit noch aus. Das vorzüglich Wertvolle dieser Serie von Publikationen ist die regelmäßige topogra- phische Schilderung der einzelnen Gebiete des Mars, so wie sie aus den vielen verschiedenen Skizzen und Zeichnungen sich darstellen lassen. Die neuen allgemeinen Ergebnisse der Arbeit des Mailänder Astronomen sind ja durch zahlreiche sonstige Berichte hinreichend bekannt ge- worden. Es war nicht von Anfang an die Absicht Schiaparelli's gewesen, sich an der Durchforschung des Mars zu beteiligen. Mehr aus gelegentlichem Interesse und um seinen neuen Merz'schen Re- fraktor (Brennweite 3,25 m, Objektivöffnung 2 1 8 mm), der auf Doppelsterne sich sehr gut bewährt hatte, zu erproben, richtete er iin August 1877 sein Augenmerk auf den Planeten. Erst als er hierbei die Erfahrung machte, daß er die von den früheren Beobachtern gesehenen Objekte gut wahrnehmen konnte, entschloß er sich am 12. September, ob- wohl die Opposition schon vor 3 Tagen statt- gefunden hatte, zu einer systematischen Fortsetzung der Studien. Die folgende Tabelle gibt über die 50 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 4 äußeren Bedingungen seiner Beobachtungen eine kurze Übersicht; Tabelle I. 1877—78 1 879—80 1881—82 1883—84 1886 18S8 s 9- Q OM' 5. Sept. 12 Xov. 26 De?.. .SI Jan. 6. März 10 Apr. 25,00 19,28" 15.47" 13,90" 13.90" 15,50" 23. Aug. 30. Sept. 26. Okt. 5. Nov. 3. Fd.r. 2. .\pr. 16,22" 11,00" 7,80" 9,00" 14,90" .= ?^ .c O Ji März März Apr. Mai Juli Aug. 5,16' 5.87" 6,00" 6,90" 7.90" S,3o" Vom I.Mai 1886 ab benutzte er seinen neuen 18-zölligen Refraktor. Den 4 ersten Publikationen hat Schiaparelli je eine Karte in Merkators Projektion beigegeben, auf deren Konstruktion besondere Sorgfalt ver- wendet wurde. Nachdem er 1877/7B 62 verschiedene Punkte so genau als möglich mikrometrisch fest- gelegt hatte, bestiinmte er deren Lage 1879/80 von neuem und vermehrte ihre Zahl um 52. Zwischen den so gewonnenen Plx-punkten wurden auf Grund der nach dem Augenschein gefertigten Zeichnungen die Grenzlinien der Oberflächengebiete eingezeichnet. Hatte er anfangs diese Gebiete durch scharfe harte Linien schematisch abgegrenzt, so war er später bestrebt, auch die feinen Hellig- keitsstufen und die Schattierungen darzustellen. Auf der so gewonnenen ersten Grundlage arbeitete er danach weiter unter Verwertung der zahlreichen Kinzelskizzen , deren er z. B. 188 1/2 im ganzen 162 anfertigte. (S. Abb. i.) Die Neigung der Marsachse gegen die Linie Erde-Mars ist bekanntlich von Opposition zu Oppo- sition veränderlich, so daß 1877/8 der Südpol bis zu 25", 1879,80 bis zu 18,5" der Erde zugeneigt war, 188 1/2 variierte die Neigung des Südpols zur \'isierlinie von 7,6" bis zu — 2,5" und wieder zurück bis zu ii,i", 1883/4 war entsprechend der Nordpol der Erde um 12,3" bis 18,4" zugeneigt, 1886 um 21,8" bis 25,5", 1888 um 20,1" bis 24,9". Mit Rücksicht auf diese Verhältnisse hat Schiapa- relli 1886 und 1888 von der früheren Darstellungs- methode nach Merkators Projektion abgesehen, und statt deren eine polare Projektion angewandt, die es ihm ermöglichte, die nähere Umgebung um den Nordpol mehr der Wirklichkeit entsprechend abzubilden. (S. Abb. 2.) Bei der Verwendung des großen 18-Zöllers hatte sich im Jahre 1888 die Zahl der einzeln sichtbaren Objekte an günstigen Abenden derart gehäuft, daß es sich notwendig zeigte, die Skizzen in größerem Maßstabe mit einem Durchmesser von '^J mm statt 60 wie früher herzustellen. Durch vorheriges Einzeichnen von 2 oder 3 Punkten und etwa einer Hauptlinie nach den 1877 und 1879 ge- o ^ ij a. B5 3 >0 ,^15 60 78 64 59 3327 2256 20 44 ■643 machten genauen Messungen wurden die Skizzen vorbereitet, um zwischen ihnen die große Fülle der Einzelheiten einfügen zu können. Solcher Skizzen sind in jedem der 6 Berichte mehrere wiedergegeben , die wegen der auf ihnen sich bietenden Bilder besonderes Interesse darbieten. Die Karten stellen nicht den in einem gegebenen Augenblick sich zeigenden Zustand der Oberfläche dar, sondern sind vielmehr gewissermaßen übersicht- liche Verzeichnisse aller erwähnten Namen. In den Skizzen dagegen haben wir Augenblicksbilder vor uns. (S. Abb. 3-) Doch wir verlassen diese allge- meinen Ausführungen und wenden uns einigen speziellen Gebieten zu, die be- sonderes Interesse bieten und zugleich für viele andere als Proben der Schiaparelli'schen Arbeit dienen. a) Eins der merkwürdigsten Objekte der süd- lichen Marshemisphäre ist der Lacus Solls mit der ihn umgebenden Region Thaumasia. Unter 20" bis 30*' südlicher Breite und ca. 85" — 95" west- licher Länge sieht man den nahezu kreisförmigen dunkeln Fleck des Sonnensees, von dem 3 Kanäle nach Süden (Ambrosia), nach Osten (Nektar) und nach Nordwesten (Eophorus) ausstrahlen und durch den hellen Ring Thaumasia die Verbindung mit der großen dunklen Masse des Mare Australe und des Mare Erythraeum, sowie mit dem Kanalsystem des Lacus Phoenicis herstellen. Ihrer südlichen Lage entsprechend war diese Gegend natürlich am günstigsten zu sehen in den Jahren 1877/8, 187980 und 1881/2, während sie in den 3 nach- folgenden Oppositionen sehr nahe dem Rand der Scheibe sich befand. Doch hat Schiaparelli auch dann noch deutlich den dunkeln Meck erkennen können, und zwar machte er 1888 die bemerkens- werte Erfahrung, daß Lacus Solls deutlicher sich abhob am linken, hell beleuchteten Rand, als rechts nahe dem beschatteten Phasenrand. Von verschiedenen Beobachtern ist Lacus Solls oft verschieden dargestellt worden. Schiaparelli hebt 1877 ausdrücklich seine kreisförmige Gestalt hervor; „wenn eine Verlängerung nach einer be- stimmten Richtung angegeben werden könnte, so würde ich sie in Richtung des Meridians, nicht aber in der des Parallelkreises gezeichnet haben." Kaiser, Lockyer, Dawes haben ihn dagegen 1862 und 64 deutlich elliptisch mit der großen Achse von Ost nach West gezeichnet, und diese ausgeprägt elliptische Gestalt mit der Richtung von NO nach SW finden wir wieder bei Guillaume und Wislicenus 1890, bei Campbell und Barnard 1892, bei Lowell 1894 und 1896 und bei P'auth 1898, während Plammarion, Wilson und Keeler 1892 die rein kreisförmige Gestalt angeben. Wenn Schiaparelli zwar auch 1877/8 angibt, daß er die Ränder des Lacus Solls leicht unregelmäßig, wie gezähnt mehr vermutet, als gesehen habe, so ist N. F. III. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochensclirift. 51 1 . 1 ! -f ' 1 ' ' - 1 i ~1 1 1 ; 1 ■ .■■'^ 1 "^ .^ '■o .> ~i 1 ■1 :• 1 j 1 1 i j- , t j ' 1 1 1 1 ^-l- ^ ^^ [ ^^ ^ j > Htf t : i i i Ö li^s-,-' 1^ i^'^FP^^^J^ ! ■ ?5 1 « : N 1 I -^ 1 i 1 i 1 1 s% ; ci. rt g =. rt >. 2- '^ X H CS c s " i "3 !- -«i ,'r Xztj X-l a^ — n ,p s ■^ 3 s < w ■—' CJ 4J ^ rt ^ invo r^M J H < 2^ er doch weit davon entfernt, ihn als so eckig (viereckig) anzugeben wie Loh.se und Dre)-er 1879. Bemerkenswert ist, dal3 Schiaparelli innerhalb des Flecks unregelmäßige Abstufungen der Schat- tierung sieht: „Die Dunkelheit ist am größten und stärksten im Zentrum , mit unregelmäßiger Abnahme gegen die Ränder nicht in gleichförmiger Veränderung, sondern sprungweise, hier mehr, dort 5: Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 4 weniger bemerkbar." 1894 wurde von Douglas und Lowell unter anderen Objekten der Oberfläche auch der Sonnensee doppelt, wenn nicht vierfach durch je eine horizontale und vertikale Linie, von Schäberle sogar dreifach durch vertikale (nord-südl. Linien) geteilt beobachtet. Flammarion veröffent- licht in seiner Monographie (pag. 475) eine Zeich- nung Schiaparelli's von 1890, in der eine solche helle Linie durch den See läuft, die etwa ',,, von ihm im Osten abtrennt. #° n \\ > 4/ n H ¥'^. «i osi "" 13 Ccrberus Fig. 2. Martis phacnomcna, anno 1888 in licmispliacrio borcali obscrvata An Kanälen, die vom Lacus Solls ausgehen, hat Schiaparelli von 1877 bis 1888 stets nur die anfangs erwähnten drei sehen können, an einen vierten glaubt er sich nachträglich aus dem Jahre 1879 undeutlich erinnern zu können, nachdem er erfahren hat, daß Burton (bei Dublin) ihn gesehen hat. Erst in der erwähnten Zeichnung von 1890 tritt der Burton'sche auf und dazu noch 2 andere. Flammarion gibt auf seinen Bildern von 1892 keine, Lowell 1894 nicht weniger als 11, 1896 noch 9 an, während wir bei Hussey 1892 5 finden. Besonders wechselnd in seinem Aussehen ist der Kanal Ambrosia, der I S77 als breites mattes Band, 1879 als schmale dunkle Linie, 1890 gar nicht zu sehen war. b) t^in anderes Objekt der Südhalbkugel, das eigenartige Bilder gibt, ist das Land Hellas. Fast genau südlich von der bekannten Großen Syrte, dem oft beobachteten großen Dreieck, gelegen, bildet Hellas zwischen 55" und 29" südlicher Breite einen großen Kreis, durch den hindurchziehend seit 1877 in nordsüdlicher Richtung der Kanal Alpheus, seit 1879 aul.5erdem in ostwestlicher Rich- tung der Peneus beobachtet werden konnte. Als scharf begrenzter, aber kleiner heller Fleck, zeigt es sich schon auf einer Zeichnung von Schröter (20. Nov. 1798), ist danach sehr oft gesehen worden, schärfer oder schwächer von der dunkeln Um- gebung sich abhebend, bis in die letzten Jahre. Als jüngste Darstellung finde ich es auf einigen Zeichnungen von Herrn Fauth aus dem Jahre 1899, wo es am äußersten Rande der sichtbaren Scheibe mit dem deutlich kenntlichen dunklen Kreuz hell erscheint. Auf einer Zeichnung von Flammarion vom 16. August 1892 macht es den Eindruck eines grollen, fast quadratischen Fensters mit ab- gerundeten Ecken. Stets finden wir Hellas im Westen umsäumt von dem breiten dunklen Hellespont, imd fast stets im Süden und Osten von dem ebenfalls dunklen Hadriaticum Marc. Doch zei- gen sich schon hier sehr be- merkenswerte Differenzen. Zwischen Hadriaticum Marc einerseits und Thyrrhenum Marc und Syrtis magna ande- rerseits erstreckt sich das helle Land Ausonia, das 1877 durch- aus hell, aber seit 1879 durch den breiten verwaschenen Kanal Euripus in 2 Teile zerlegt er- schien, und die „Region"' (matter getönt) Japygia. Beide sind sehr variabel, so daß wir sie z. B. 1879 bei Schiaparelli als eine unbestimmt begrenzte weißliche Hache dargestellt finden mit einem breiteren, matt dunklen Bande im Westen. Dagegen hat Lowell 1895 durch 1 Syrlis magna 2 E^uphratcs 3 Lacus Ismenius 4 .Arnon 5 Lacus ArcÜiusa 6 Kisun 7 Nilttsyrtis 8 Astusapcs 9 Elysium 10 Eunoslus 1 1 Hvblacus Slv.x / i K Fig. 3. Elysium nach einer Zeichnung vom 18. Januar 18S4. einen schmalen scharfen Kanal im Osten der Hellas und die zusammenhängende Verbindung der beiden Meere Hadriaticum und Thyrrhenum ein ganz andersartiges Bild erhalten. Das erwähnte Neuauftauchen des Kanals Euripus wird 1879 von Schiaparelli in einer Weise ge- N. 1'. III. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 53 schildert, die sehr charakteristisch für die Gebilde auf dem Planeten ist. Am 26. Oktober sah er in dieser Gegend einen unbestimmten Schatten. Erst am ::8. war der Kanal unter günstigen V'er- hältnissen deutlich erkennbar, wie er die beiden Halbinseln Hespcria und Ausonia mit einer Breite von ungefähr 5" durchsetzte. Beide Ränder waren in Ausonia undeutlich, aber die Allgemeinrichtung durchaus klar und bestimmt. Am 8. November war er reichlich so breit, wie die Hälfte von Au- sonia und beiderseits gut begrenzt. Er blieb auch in Ausonia bis in den Januar gut zu sehen, während er vom 7. Dezember an in Hesperia sich plötzlich verwischte und unsichtbar wurde. 1877 ist er am 14. Oktober sicher nicht sichtbar gewesen, da- gegen scheint ihn Green am 10. September ge- sehen zu haben. Auch 1881 und 1883 war Euripus klar zu bemerken. Später war die Lage des Mars zu ungünstig. In Hellas selbst beobachtete Schiaparelli mehr- fach eine verschiedene Helligkeit in den einzelnen Quadranten, so daß er z. B. am 13. und 14. No- vember 18S1 glaubte, daß nur der südwestliche Quadrant als selbständige Insel hervortrete. Dai- auf mag es auch zurückzuführen sein, wenn er mehrfach den Durchmesser von Hellas auf nur ca. 5" bis 6" angibt. c) Eine sehr auffallende Beobachtung hebt Schiaparelli in der sechsten Publikation hervor. Aus der Mitte des Sabaeus Sinus erstreckt sich nach Norden der Kanal Euphrates, beginnend bei ca. 5" südlicher Breite und ca. 338" areographischer Länge. Auf der Karte von 1879 (s. Abb. i) ist er mit einem geringen Winkel nach ()sten ab- biegend bis zum Ismenius Lacus gezeichnet, wo die areographische Länge noch etwa 334" beträgt (ca. 40" ndl. Br.). 1881 2, 18834 und ganz scharf ausgesprochen 1886 verläuft er parallel dem Me- ridian und setzt sich jenseits des Ismenius Lacus fort als Arnon bis zum Lacus Arcthusa und von da aus mit einer geringen Biegung nach Osten als Kison bis zum 80." nördlicher Breite und bzw. 310." areographischer Länge. Auf diese Weise tangiert der Euphrat-Arnon-Kison gewissermaßen die um den Nordpol liegende Schneezone, diese von Süd nach Nord gerichtet links liegen lassend. Wesentlich unterscheidet sich davon das Bild 1888 (s. Abb. 2). Euphrat ist zwar auch noch in derselben Lage wie früher, aber schon beim Lacus Ismenius läßt sich eine kleine Lagenverschiebung von 6'/.," nach Westen berechnen. Während sich jedoch diese Abweichung immerhin noch als ein allerdings auffallend hoher Beobachtungsfehler an- sehen läßt, ist das nicht möglich bei dem weiteren Verlauf des Arnon-Kison, der die Polkappe rechts liegen lassend, bei ca. 20" areographischer Länge an den 80. Breitengrad herankommt. Dies besagt, daß das ganze, wesentlich gleichgerichtete Linien- system Euphrat bis Kison nicht wie früher eine schwache Wendung nach fallenden Längengraden, sondern eine solche nach steigenden ausführt. Wir haben es hier mit einer ganz scharf beobachteten Änderung in der Konfiguration der Marskanäle von einer Opposition zur nächsten zu tun, für die jede Erklärungsmöglichkeit noch fehlt. Eine ähnliche Erscheinung glaubt Schiaparelli im Laufe des Astusapes, eines kurzen von Syrtis magna nach dem Nordende von Nilosyrtis ver- laufenden Kanals, zu beobachten. Auch dieser scheint in diesem Jahr, namentlich deutlich am 6. Juni, eine kleine Drehung in gleicher Richtung wie Euphrat-Kison vollzogen zu haben. Doch fehlen genaue Messungen, so daß er hier nur die Vermutung ausspricht, wo er im ersten Falle von Gewißheit redet. d) Noch ein weiteres Gebilde der Marsober- fläche wollen wir hier erwähnen, das besonders merkwürdig auf einer Zeichnung des 4. Bandes (18834) hervortritt (s. Abb. 3). Es ist das Land Elysium, das hier als Polygon von fast kreisförmiger Gestalt erscheint , gebildet durch die Kanäle tlunostus, Hyblaeus, St\'x und Cerberus, die alle 4 breit verdoppelt sich zeigen. — 1877 war das unter 10 bis 36" nördlicher Breite gelegene Ely- sium infolge der ungünstigen Stellung des Mars gar nicht, 1879 ri"'' undeutlich zu sehen, aber 1881 ist sclion seine Kreisgestalt scharf ausgeprägt. Viel- fach zeigt es sich heller wie die Nachbarländer. Diese Helligkeit ist jedoch ungleichmäßig, fast immer mehr hervortretend, wenn sich das Gebiet rechts vom Mittelmeridian der Scheibe, d. h. in Abendlage befand. 1879 hatte Schiaparelli ge- glaubt, hier Schnee wahrzunehmen, den er 1881 aber nicht wieder nachweisen konnte. Als schwie- riges, aber durchaus deutliches Objekt war der Kanal Galaxias, in nordsüdliclier Richtung durch Elysium verlaufend, zu sehen. Nach dieser Opposition war er jedoch nicht wieder bemerkbar. Ein anderer, schwer nachzuweisender, kurzer Kanal war zu be- obachten am Ostrand, wo er die Kanäle Styx und Cerberus verbindend die von beiden gebildete Ecke abschneidet. Auch auf der Karte von 1883/4 ist diese Segmentbildung zu erkennen. 18834 zeigte sich nun unter anderem eine wichtige Veränderung, indem die umgebenden Kanäle erst undeutlich und verwaschen aussahen, am 18. Januar aber das ganze Gebilde als der in der Figur wiedergegebene Doppelring sich darbot. Diese Verdoppelung geschah dabei auf Kosten des inneren Raumes, dessen Durchmesser sich deutlich verringerte. Die P""arbe des ganzen Landes war auch in diesem Jahre ebenso wie in den folgenden wechselnd, häufig hell, mitunter so weii.3, wie der Polfleck. In den folgenden Oppositionen wiederholten sich imWesentlichen diese Erfahrungen. Über die verschiedenen Schattierungen, wie sie sich im Verlauf weniger Monate darboten, gibt folgende Tabelle aus dem Jahre 1888 Auskunft (hier ist to die areographische Länge des mitt- leren Scheiben meridians. Die von Elysium ist ca. 220"). April 2. (0=211" Elysiumniclit weiß, umgeben von breiten dunklen Streifen. Mai 2. 258" Weiß. 54 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. )t 3- n 3- 5- 6. J) 7- )l 7- )» 13 Juni 6. 12. i8. 21. Juli 21. 22. 25- Mai 2. 271" Sehr weiß. „ 2. 294* Am Rande fehlt Elysium, weiß wie die Polarkalotte, gut begrenzt; es sieht aus ^ wie eine zweite; Kalotte. 240" Nicht weiß. 256" Ist weiß geworden. 218" Nicht weiß. 207" Nicht weiß. 195" Etwas weiß auf der rechten Seite. 202" Weiß, aber nicht glänzend. 1 64" Gelb- weiß, glänzend am rech- ten Rand. 282" Weiß am Rande, aber nicht so lebhaft wie Aeolis. 221" Weiß, aber weniger kräftig wie Memnonia. J69" Hin wenig weil5 am rechten Rande der Scheibe. 160" Ein wenig aschfarbenes Weil3 rechts bezeichnet den Ort von Elysium. 213" Ziemlich weiß, aber nicht glänzend. 211" Etwas weiß. 188" Nicht weiß, soeben aus dem Schatten herausgetreten. Auch das weiter nördlich gelegene Gebiet ist von Interesse, insofern als es 1886 durchaus wie von einemWolkenschlcier verhüllt erschien, während sich hier 1888 eine Anzahl kleinerer dunkler Flecke zeigte, die „laghi", die einigermaßen an die später 1892 erwähnten „lakes" Pickering's erinnern. e) In allen 6 Bänden ist je ein besonderer Ab- schnitt den Polarflecken gewidmet, und zwar ist in den 2 ersten Oppositonen der Stellung des Planeten entsprechend hauptsächlich die südliche, in den 4 letzten die nördliche Halbkugel be- obachtet worden. Bekanntlich ist der südliche Polarfleck nicht konzentrisch mit den Polarkreisen des Planeten, sondern hat seinen Mittelpunkt 5 bis 6 Grad in der Richtung auf Mare Erythraeum vom Pole ab- gewandt. Es sei hier sogleich darauf hingewiesen, daß ebenfalls der nördliche Polarfleck eine freilich geringere Exzentrizität von ca. 1V.3 Breitengraden zeigte. Von Interesse sind natürlich die Angaben über den Durchmesser dieser Kappe und seine Veränderung im Laufe der Opposition, wie sie sich aus folgender Tabelle, einem Auszug aus den von Schiaparelli gegebenen, erkennen läßt. Tabelle II. Durchmesser des südlichen Polarfleckes. 1877 u.1879. Datum. Zeit vor ( — ) bezw. Durchmesser nach (-|-) dem Solstiz. in Grad. 1877 Aug. 23. —26 28,6 Sept. 3. — 15 26,0 „ 12. — 6 17,4 „ 22. + 4 14,7 Okt. 2. 4-14 11,8 Okt. 12. -24 9,5 Nov. 4. h47 7.0 1879 Okt. 12. -59 7,6? -69 6,7 Nov. 10. -88 4,6 „II- -89 11,0? „ 17- -95 6,1? „ 28. -106 4,4 Dez. 21. -129 5,5 „ 26. -134 12,0 1880 Jan. 2. I-141 14,3 Zu dieser Tabelle ist zu bemerken, daß trotz weiterer Beobachtung bis zum 2. Januar 1878 ein völliges Verschwinden des Fleckes nicht eintrat, vielmehr schätzte Schiaparelli Ende Dezember und später seinen Durchmesser wieder auf 15" bis 20". .Aber diese späteren Beobachtungen haben sehr darunter gelitten, daß in dieser ganzen Gegend Nebel auftraten, die die ganze Polarregion weißlich erscheinen ließen. Besonders beachtenswert ist es, daß mehrmals der Fleck wie eine Protuberanz aus der Scheibe hervorzuragen schien , woraus man schließen muß, daß er so, wie er gesehen wurde, nicht reell war, sondern noch einen viel kleineren Durchmesser, wie den angegebenen, hatte. Seine Gestalt erschien wohl mitunter unregelmäßig, aber bot nicht so viel Interessantes, wie die des Nord- polarfiecks. Dieser liatte sich schon 1877 in Form von 6 vom Scheibenrand hereinragenden Spitzen bemerk- bar gemacht, die auch 1879 bis Mitte Januar allein sichtbar waren. Vom Dezember an aber begannen diese sich zurückzuziehen und ihren Umfang zu verringern, bis sich aus ihnen am 26. Januar die zusammenhängende geschlossene Polarkalotte ge- bildet hatte, die von nun an durchweg eine ziem- lich regelmäßige Gestalt hatte. Nur an 3 Stellen zeigten sich vorübergehend in der Zeit vom 31. Januar bis 10. Februar Einbuchtungen, die zum Teil mit den Zwischenräumen der früheren Hervor- ragungen zusammenpaßten. Auch am Norpolar- fleck ließ sich nun und in den nächsten Oppo- sitionen eine von der Jahreszeit abhängige Ver- änderung seines Durchmessers feststellen, wie die ausführlichen, von Schiaparelli gegebenen Tabellen beweisen. Aus diesen Tabellen erkennt man aber auch, daß diese Veränderung eine ungleichmäßige war und namentlich in keinem Jahr zum völligen Ver- schwinden geführt hat. Und weiter ergab sich aus den beiden Oppositionen von 1881 2 und 1883 '4 die sehr bemerkenswerte Erscheinung einer „kritischen Periode", in der die Nordpolarklappe, vorher kaum sichtbar, in wenig Tagen das Maxi- mum ihrer Ausdehnung erlangte. Dies fand 1882 statt in der Zeit vom 17. bis 26. Januar, 1883 in der Zeit vom 14. bis 18. Dezember. Beide Pe- rioden lagen nahezu in der analogen Jahreszeit auf dem Mars, nämlich 1882 48 Tage nach dem Frühlingsäquinox und 151 Tage vor dem Sommersolstiz. (Jan. 25.) N. F. ITI. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 55 1882 51 Tage nach dem Frühlingsäquinox und 149 Tage vor dem Sommersolstiz. (Dez. 26.) 1886 und 1888 konnten diese „kritisclien Perioden" nicht mehr beobachtet werden, da die Jaiireszeit auf dem Mars schon zu weit vorgeschritten war. Was die ferneren Besonderheiten dieses Polar- fleckes anbetrifft, so wollen wir nur noch einiges über die 1888 beobachtete Teilung des Fleckes erwähnen, die uns an die dunklen Bänder erinnert, die 1894 und 96 auf dem Lowelhlnstitut im Süd- polarfleck beobachtet wurden. Vom 29. April dieses Jahres bis zum 5. Mai war nichts besonderes zu sehen, am 8. Mai dagegen findet sich in Schiaparelli's Tagebuch die Stelle : „Der Schnee ist quer durch- schnitten von einer feinen dunklen Linie, von der ich keine Fortsetzung außerhalb dieses Schnee- fleckes sehen kann. Ich hatte sie schon gestern geahnt." Am 9. Mai ist die weiße Masse durch 2 solcher Linien in 3 Teile zerlegt. Am 10. Mai ist nur eine Teilungslinie zu sehen, die sich nach rechts außerhalb des Fleckes fortsetzt und links mit einem dunklen tags vorher noch nicht vor- handenen See zusammenhängt. Am 13. und 15. Mai ist die dunkle Bande wieder sichtbar und zwar jetzt breiter als vorher. Die nächste genaue Be- obachtung am 24. Mai zeigt die Schneemasse wieder regelmäßig ohne irgend welche Teilung, was aber möglicherweise seinen Grund in der Stellung des Planeten haben kann. Erst vom 4. Juni bis 13. Juni ist die Teilung wieder sicht- bar. „Der Schnee hat einen kleinen Begleiter zur linken. L)enkbar beste Definition! (Imagine piu che superba!) Der größere Schneefleck ist un- gefähr in der Mitte durch eine dunkle Linie geteilt, aber das Stück links ist weiter abgelegen. Das große Stücke ist nicht symmetrisch, sondern ei- förmig und zwar weniger zugespitzt auf der linken Seite." Diesmal verschwand die Erscheinung, ohne daß derselbe Grund wie oben vorlag, in den Tagen vom 13. bis 27. Juni. Vom 12. bis 15. Juli war das kleine abgetrennte Stück wieder nachweisbar. Mit diesen Tagen hören aber die deutlichen Be- obachtungen der Polarkappe auf .Sie ist nur noch vereinzelte Tage sehr reduziert und einfach bis zum 29. Juli, dem Ende der Mailänder Beob- achtungen überhaupt, zu sehen. Wir brechen hiermit unseren Bericht ab. Nur einige wenige Punkte haben wir aus dem reichen Material hervorgehoben, aber sie werden mit dem, was wir schon früher über Schiaparelli hier und da erwähnt haben, ausreichen, zu zeigen, auf welchem Wege die positive exakte Marsforschung fortschreitet. Nur erst eine kurze Reihe von Oppo- sitionen ist verarbeitet worden , aber schon ist manches sichere Resultat zutage gefördert. Vieles freilich ist auch rätselhaft und unerklärlich. Oft werden die Verhältnisse auf unserem Nachbar- planeten mit denen auf der Erde verglichen; ob mit Recht oder Unrecht: wer vermag es heute zu entscheiden ? Mit S|iannung und Interesse werden wir aber verfolgen dürfen, was uns etwa die Zu- kunft für Aufklärun"- bieten ma«-. Kleinere Mitteilungen. Über den Hummer hielt Professor Ehren- bau m - Helgoland einen Vortrag im Institut für Meereskunde zu Berlin, der in der Plscherei- Zeitung (Verlag von J. Neumann in Neudamm) veröftentlicht wurde.M Hummer - Fischerei kann an keinem anderen Punkte der deutschen Seeküsten ausgeübt werden als bei Helgoland. Zwar werden auch von un- seren Nordseefischern gelegentlich einige Hummer gefangen, aber dies sind meist nur verirrte Tiere, da der felsige Boden, der den eigentlichen und bevorzugten Aufenthalt des Hummers bildet, in der offenen Nordsee außerhalb von Helgoland kaum vorkommt und da andererseits der Helgo- länder Felsgrund wegen seiner gefährlichen Be- schaffenheit den Kurrenfischern der Nordsee ihre Tätigkeit verbietet. Der Fang des Hummers wird fast überall gleichartig betrieben, nämlich mit Hilfe von Fang- körben, die nach Art der Aalkörbe konstruiert, das Tier mit einem Köder anlocken und leicht herein-, aber schwer wieder herauslassen. Diese ') Für die Ueberlassung der Abbildungen sagen der ge- nannten Zeitung unseren besten Dank. vogelbauerähnlichen Körbe (helgoländisch : Tiners) sind am Boden mit Steinen oder Zement beschwert und werden an einer mit Korkstücken besetzten Leine, dem ,,Simm", auf den Boden des Meeres versenkt, um alle Tage einmal aufgeholt, entleert und mit frischem Köder versehen zu werden. Ein einzelnes mit zwei Mann besetztes Hummer- boot fischt gleichzeitig mit 40, 60 bis 100 Stück solcher Körbe, die in Reihen gesetzt werden und an dem mit einer kleinen Boje gemerkten oberen Ende ihrer Leine leicht aufgefunden werden. In der unmittelbaren Nähe von Helgoland liegen mehrere Tausende solcher Körbe. Außer den Körben wird gelegentlich beson- ders im Herbst noch eine andere Art von Fang- geräten benutzt, die „(jlippen", welche den Krebs- tellern ähnlich konstruiert sind und, wie es scheint, auch anderswo, z. B. an den britischen Küsten, vielfach zum Hummerfang benutzt werden. Die Glippen bestehen aus einem einfachen Netz- beutel, der an einem eisernen Reifen von 50 cm Durchmesser hängt und an einer Leine in die Tiefe hinabgelassen wird. In der Mitte des eiser- nen Reifens ist von Draht oder Bindfaden ge- halten der Köderfisch befestigt, so dass er beim Herablassen des Ringes auf dem Boden in die Mitte des Netzes zu liegfen kommt. Glaubt der S6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 4 Fischer, daß ein Hummer den Köder angenommen hat, so tut er einen kurzen Ruck an der Leine, so daß der Hummer in den unter ihm hängen- den Sack fällt , und holt schnell ein. Gewöhn- lich aber werden die Glippen ebenso wie die Hummerkörbe an mit Korken versehenen Boje- leinen in Abständen von lo bis 12 Faden ver- senkt und in kurzen Zwischenräumen aufgeholt, in der Erwartung, daß die am Köder nagenden Tiere im Momente des Aufhebens in das darunter hän- gende Netz hineinfallen. — In den Glippen sowohl als in den Körben werden meist statt des zu er- wartenden Hummers nur große Taschenkrebse (Cancer pagurus L.) gefangen, aber auch diese werden in den Kauf genommen als nützlicher Köder für den Fang von Dorsch und anderen Fischen, welche ihrerseits wieder als Hummerköder benutzt werden. Hummer ist eine begrenzte, die sich nicht durch Zuzüge von entfernteren Gebieten beliebig ergänzt oder vergrößert. Im Jahre 1902, welches ein sehr schlechtes war, sind im Frühjahr 29 000 Pfund, was sehr wenig ist, und im Herbst 12 300 Pfund, was als Herbst- fang sehr reichlich ist, gefangen worden, so daß also diejenigen Boote, welche beide Fangsaisons mitgenommen haben , durchschnittlich 660 Pfund im ganzen Jahre fingen, wobei zu bemerken ist, daß das zugleich der Anzahl der gefangenen Hum- mer entspricht, da das Durchschnittsgewicht der gefangenen Hummer etwa ein Pfund beträgt. Es konnte konstatiert werden, dass 34749 Stück Hummer 34 065 Pfund wogen (also durch- schnittlich eine Kleinigkeit [lO g] weniger als ein Pfund das .Stück). In besonders günstigen Jahren mögen statt der oben erwähnten 41 300 des Jahres Fig. I. Körbe zum Fang des Hummers. Es werden bis zu 50 Stück 1 lummcr mit die- sen Geräten von einem Boot in einem Tage ge- fangen. In der kältesten Zeit des Jahres ruht der Hummerfang gewöhnlich, nicht nur weil er dann vielfach durch ungünstige Witterungsverhältnisse verhindert wird, sondern auch weil der Hummer in eine Art Kältestarre verfällt und dann dem Köder nicht Jiachgeht. Außerdem existiert aber auch im Sommer eine — früher durch Übereinkunft der Fischer, jetzt durch Polizeivorschrift geregelte — Schonzeit von Mitte Juli bis Mitte September, während der nicht gefischt werden darf. In der F"rühjahrsperiode werden die Haupt- mengen gefangen, in der Herbstperlode weniger als halb so viel wie im Frühjahr. Dies liegt im wesentlichen an den Witterungsverhältnissen. Die Zahl der bei Helgfoland existierenden 1902 etwa 60000 Stück gefangen werden, wobei auf das während beider Saisons fischende Boot etwa 900 Stück entfallen würden. Sobald das Boot vom Fange zurückkehrt, wer- den den gefangenen Hummern mit einem .Stückchen geteerten Garns die Scheren gefesselt, damit sie sich nicht gegenseitig beschädigen können. In anderen Gegenden wird dem in weniger menschen- freundlicher Weise durch Eintreiben eines kleinen Holzpflockes in die Basis des Daumengliedes der Schere vorgebeugt. Die gefesselten Tiere werden in großen hölzernen durchlöcherten Kästen aufbe- wahrt und hier aufs sorgfältigste gefüttert und ge- pflegt, bis sie allmählich unter möglichst günstigen Bedingungen in den Konsum gebracht werden können. Solange das Wasser warm ist, entwickelt der Hummer einen kräftigen Appetit, und sein Hunger N. F. III. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 57 wird durch reichhche und regelmäßige Fütterung mit zerschnittenen minderwertigen Fischen gestillt. Eine natürliche Folge der Nahrungsaufnahme ist das Wachstum, und der Hummer wird also in der Gefangenschaft auch an (xröße und Gewicht zunehmen. Dieses Wachstum erfolgt aber beim Hummer, wie bei allen Krustentieren, die ja in einem mehr oder weniger verkalkten und nicht dehnbaren Chitinpanzer drinsitzen, nicht allmählich, sondern periodisch durch eine Häutung, bei welcher das Tier aus der alten Schale herausschlüpft und bis zur völligen Erhärtung der ursprünglich weichen neuen Schale sich in allen seinen Teilen ausdehnt und streckt. Dieser Häutungsprozeß, der bei jugend- lichen Tieren mehrmals, bei marktfähigen Hummern durchschnittlich einmal im Jahre erfolgt, gehört zu den einschneidendsten Vorgängen im Leben des Hummers. Die Häutung geht in der Regel in der warmen Jahreszeit vor sich und erfolgt auch wäh- rend der Gefangenschaft in den Kästen. Der Um- stand aber, dass die frisch gehäuteten und noch weichen Tiere eine Zeitlang ganz unbeholfen und wehrlos sind und in diesem Zustande von ihren Kameraden unfehlbar gelötet und gefressen wer- den, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, legt dem Fischer die \'erpflichtung auf, sorgfaltig darüber zu wachen, daß die Hummer vor der Häutung von ihren Kameraden getrennt und isoliert wer- den, bis sie ihre Beweglichkeit und Widerstands- kraft zurückerlangt haben. Der Fischer beobachtet imd betastet daher seine Pflegebefohlenen auf das sorgfältigste und achtet auf das Weichwerden des unteren Rrustpanzcrrandes, welches ihm das Nahen der Häutung verrät. Dieser Prozeß, der bei unnormalem X'erlauf dem Tiere sehr oft das Leben kostet, verläuft normaler- weise in der kurzen Zeit von zehn bis zwölf Minuten. P"r. Herrick gibt sogar an, daß der Häutungs- prozeß bisweilen nur sechs Minuten dauert, und daß bei ganz jungen Hummern von wenigen Milli- metern Länge die Häutung fast momentan er- folgt, ist von mehreren Seiten beobachtet worden. Normalerweise entsteht bei der Häutung nur ein einziger Querspalt an der Oberseite der alten Schale zwischen Kopfbrust und Abdomen oder Schwanzstück, und zu dieser verhältnismäßig schmalen Oeffnung mul3 das weiche Tier mit allen seinen Anhängen heraus. Wohl bildet sich nach- träglich oft in der brüchigen Schale des abgeworfe- nen Brustschildes ein medianer Längsspalt aus; aber dieser sowohl wie die an den Scheren be- obachteten Längsspalte gehören nicht normaler- weise zur Häutung. Unter dieser Voraussetzung liegt das Verblüffendste in dem ganzen Häutungs- vorgang darin, daß die in ihren Klauengliedern so enorm dicken Scheren durch das schmale Rohr gezogen werden, das die Schere in ihrem oberen Teil bildet. Herrick hat bei einer von ihm be- obachteten Häutung eines 28 cm langen Hummers gemessen, dass dw größte Querschnitt der Schere 882 qmm, der kleinste dagegen (zwischen dem zweiten und dritten Scherengliedej nur 93 qmm betrug, daß also der Querschnitt der Schere auf weniger als ein Neuntel reduziert werden mußte, wenn das/Herausziehen des Gliedes aus der Schale glatt erfolgen sollte. Schon an dem Ansatz des sogenannten Handgliedes an die Schere beträgt das Lumen der Schale weniger als ein Viertel von dem größten Querschnitt der .Scherenhand. Daß die unteren Ränder des Brustpanzers weich werden, wurde bereits erwähnt; ebenso wird aber auch in den engsten Teilen der Scheren- wand — auf der inneren Fläche des zweiten bis vierten Gliedes der Schere — der Kalk so weit aufgelöst, daß nur eine dünne und etwas dehn- bare Membran zurückbleibt, welche nun gestattet, daß die Schere an dieser Passage etwas weniger stark und nicht bis auf ein Neuntel ihres Quer- schnittes zusammengepreßt zu werden braucht, wenn sie aus der alten Schale herausgezogen wird. Dieses Zusammenpressen — oder richtiger wohl ."Ausziehen der Gliedmaßen, denn die Scheren werden beim Häutungsprozeß wie ein Stück Gummi in die Länge gezogen und vollständig deformiert — ist nur denkbar, wenn ein Kollabieren oder Zusammenfallen der muskulösen Teile vorauf- gegangen ist, welche das Hauptvolumen der Schere ausmachen, und dieses wiederum muß man sich durch das LIerausziehen des Blutes hervorgerufen denken. Der Hummer besitzt wie andere Kruster Gefäße mit geschlossenen Wandungen nur für das arterielle Blut, während das venöse Blut in großen Hohlräumen des Körpers, sogenannten Blutsinus, enthalten ist. Sind diese Hohlräume zwischen den Muskeln der Schere gefüllt, so er- scheint das Glied prall, sind sie leer, so fällt es zusammen. Daß das Blut bei der Häutung wirk- lich aus den Gliedmafien, besonders den Scheren, in den Rumpf zurückgezogen wird, scheint auch daraus hervorzugehen, daß der letztere sich enorm aufbläht und dadurch den eigentlichen Häutungs- jirozeß mit dem Zerreißen der häutigen Ver- bindung zwischen Kopfbrust und Schwanz ein- leitet. Durch das Aufblähen des Rumpfes wird diesem die alte Schale zu eng, und sie wird daher automatisch nach oben und vorn abgehoben, ob- wohl (Gliedmaßen, Fühler etc. zunächst noch in der alten Schale stecken bleiben. Wenn die alte Schale in dieser Weise nach oben abgehoben wird, sieht man auch, wie nützlich es ist, daß in den unteren Rändern derselben der Kalk bereits aufgelöst wor- den ist, weil diese dadurch ihre Schärfe verlieren und zwischen ihren Rändern für den frei werden- den weichen Hummer mehr Raum lassen. Hat sich der Häutungsprozeß bis zu diesem Punkt fast ohne merkliche Bewegungen des auf der Seite liegenden Tieres vollzogen, so beginnt dasselbe jetzt ruckweise, heftige Bewegungen zu machen, durch welche es die Gliedmaßen, Fühler, Mund- werkzeuge, Augen, Magen und alle inneren Skelett- teile, welche an der Häutung teilnehmen, aus der alten Hülle zu befreien sucht. Dabei machen die Scheren offenbar die größten Schwierigkeiten, und während der aufgedunsene und aufgequollene 58 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 4 Rumpf des Hummers schon fast völlig frei ist und Kiemen, Mundwerkzeuge, Magen und Augen aus der alten Schale herausgezogen sind, sind die Scheren und Beine noch immer teilweise fest. Endlich mit einem letzten Ruck gelingt es dem Hummer, auch diese frei zu machen und fast gleichzeitig die Schale des ganzen Hinterkörpers abzuschleudern. Die alte Schale schließt sich so- gleich über der Oeffnung, aus welcher der Hummer hervorkam, und gewährt in täuschendster Weise das Bild eines selbständigen und lebenden Tieres. Im Innern derselben bleibt eine wasserhelle, schleimige Masse zurück, welche zwischen der alten und der neuen Schale eine gleichmässige Schicht gebildet und gewissermaßen das Schmiermittel für den glatten Verlauf des Prozesses geliefert hatte. Das frisch gehäutete Tier liegt — zunächst völlig hilf- los — mit gänzlich deformierten , in die Länge gezogenen und stark verkleinerten Scheren neben seiner alten Schale und bemüht sich, mit lang- samen, fast tastenden Bewegungen, wieder Herr seiner Glieder und besonders seiner Scheren zu werden, in welche das Blut zurückgetrieben wird, so daß sie langsam ihre normale Form wieder annehmen und sich über ihren früheren Umfang hinaus vergrößern. Darüber vergehen indessen mehrere Stunden. Sehr auffallend ist auch die Farbe des ganz frisch gehäuteten Hummers; es ist ein so eigentümliches Sammetschwarz, wie man es sonst beim Hummer niemals antrifft ; doch macht diese Farbe sehr bald den normalen blau- schwarzen bis olixschwarzen Tönen Platz. Einige -Stunden nach der Häutung hat sich der Hummer wieder so weit erholt, dass er sich lang- sam von der Stelle bewegen kann. Doch vergehen noch Wochen , bis die Schale ihre ursprüngliche Härte wieder erlangt hat. Die Gesamtlängen- zunahme eines mittelgrossen Hummers von etwa 25 cm (i Pfund) beträgt nur ca. 2 cm, und da die Häutung bei Hummern dieser Größe nur ein- mal jährlich erfolgt, so ist das jährliche Wachstum ein geringes. Allerdings mui3 man dabei beachten, daß die Körperlänge ein unvollkommenes Maß für das Wachstum ist, wenn nicht auch die Gewichts- zunahme in Betraclit gezogen wird. Das Gewicht beträgt aber schon bei 28 bis 29 cm Länge l'/„ Pfund und bei 33 bis 34 cm 2 Pfund (während ^.ipfündige Hummer etwa 20 cm lang sind). Je größer die Hummer werden, desto geringer ist die Längenzunahme bei der Häutung und desto sel- tener erfolgt die letztere. Schon bei einem 40 cm langen Tier, dessen Häutung in Helgoland be- obachtet wurde, war die Längenzunahme kaum meßbar. Mehr als 50 cm Länge scheint der euro- päische Hummer kaum zu erreichen , und selbst der amerikanische Hummer, der an Gewicht wesentlich schwerer wird als der europäische, scheint über das genannte Längenmaß nur selten hinaus zu gehen. Bei alten Hummern erfolgt das Wachstum und die Gewichtszunahme wesentlich nur noch auf Kosten der Scheren, die schließlich eine enorme Größe erreichen. Ein großes Körper- gewicht ist jedenfalls das sicherste Zeichen für das hohe Alter eines Hummers; die Scheren können bei solchen alten Hummern bis zur Hälfte des ganzen Körpergewichts ausmachen. 12 bis 13 Pfund ist wohl das Maximalgewicht des europäischen Hummers, wenigstens sollen derartige Gewichte an den britischen Küsten beobachtet worden sein ; der größte Helgoländer Hummer, den Ehr. sah, wog 8'/'j Pfund nnd war 48 cm lang. Solche großen und alten Tiere sind fast immer Männchen, die sich von ihren jüngeren Stammes- genossen entfernt haben und ein einsames Leben führen auf entlegenen und vom Hummer gewöhn- lich nicht besuchten Gründen. Aus dem vorher Gesagten ergibt sich, daß die Frage nach dem Alter großer Hummer und nach dem Alter, das der Hummer überhaupt erreicht, nicht beantwortet werden kann. Etwas besser gelingt die Feststellung des Alters bei jüngeren Hummern. Die Häutungen und damit das Wachstuin der Hummer erfolgen nur während der wärmeren Jahreszeit, wenn die Nahrungsaufnahme eine reich- liche ist, und daher schliel.3en die Wachstums- perioden gewöhnlich mit dem Dezember und be- ginnen erst wieder im Mai. Die Hummer werden in den Sommermonaten, namentlich im August, in einer Größe von ca. 8 mm geboren ; sie sind am Ende der ersten oder zu Beginn der zweiten Wachstumsperiode meist 25 bis 30 mm lang (doch werden von amerikanischer .Seite auch Größen von 35 bis 52 mm angegeben), am Ende der zweiten Wachstumsperiode scheint die Körperlänge 60 bis 85 mm zu betragen; und in jeder dieser beiden ersten Wachstumsperioden mag die Zahl der Häutungen etwa sieben bis acht betragen (Herrick nimmt sogar noch erheblich mehr an, 14 bis 17 im ersten Jahre, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, daß das Ausschlüpfen der Larven in den amerikanischen (iewässern schon zeitiger im Jahre beginnt). Von nun an aber wird der Maßstab der Größenzunahme noch unsicherer, und es beruht nur auf X^ermutung, wenn man an- nimmt, dass auch in den folgenden Lebensjahren die Zunahme der Totallänge sich auf 4 bis 5 cm pro Jahr beziffert, während die Zahl der Häutungen langsam abnimmt, und daß demnach eine Körper- länge von 24 cm, welche den Eintritt der Ge- schlechtsreife bezeichnet, etwa im fünften Lebens- jahre erreicht wird. Sobald aber die Tiere ge- schlechtsreif sind, können die Häutungen — wenig- stens bei den trächtigen Weibchen — nur einmal im Jahre stattfinden , weil die Hummereier fast ein Jahr unter dem Hinterleib getragen werden, bis sie ausschlüpfen, und weil eine Häutung in dieser Zeit den Verlust der ganzen Brut zur Folge haben würde. Nicht alle Weibchen tragen Eier, ja noch nicht einmal die Hälfte. Dies hängt zum Teil damit zusammen, dass der Hummer eine gewisse Körper- größe erreicht haben muß, um im Stande zu N. F. III. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 59 sein, Eier zu produzieren. Beim Helgoländer Hummer beträgt diese Länge gewöhnlich 24 bis 25 cm. Es wurde bereits erwähnt, daß die Eier nach der Ablage noch elf bis zwölf Monate zu ihrer Entwicklung gebrauchen, mit anderen Worten, daß die Inkubationsdauer wie beim Hühnchen drei Wochen , so beim Hummer fast ein volles Jahr beträgt. Es folgt also, daß die Hunmier nicht in jedem Jahre Eier absetzen, denn sonst müßte man das ganze Jahr hindurch die weiblichen Hummer immer mit äußeren Eiern antreffen. Es ergiebt sich nun die für die Beurteilung der Vermehrung sehr wichtige Frage : Wie häufig oder in welchen Intervallen produziert der Hummer Eier r Appelof hat festgestellt, dat5 die Weibchen jedes zweite Jahr Eier ablegen, ausnahmsweise in zwei aufeinander folgenden Jahren. Indessen trägt nur ein Viertel der gefangenen fortpflanzungsfähigen Weibchen äußere Eier; und damit ergibt sich die höchst interessante Thatsache, daß die Eier tragen- den Weibchen durch verminderte Freßlust, Ab- neigung, den Köder zu nehmen, oder welches sonst die Ursachen sein mögen, in geringerem Maße als die anderen Hummer der Gefahr ausgesetzt sind, durch den Fang vernichtet zu werden. Viel- leicht ist dieses Verhalten auch damit zu er- klären, daß die Eier tragenden Hummer sich vor- zugsweise in Verstecken aufhalten, die sie ungern verlassen. Jedenfalls ist dieser Instinkt, den die Natur in die Lebensgewohnheiten der trächtigen Weibchen gelegt hat, von der größten Bedeutung für die Vermehrung des Hummers und die Er- haltung seines Bestandes. Ein weiteres Mittel zur Erreichung dieses eben angedeuteten Zieles kann man in der grossen Zahl von Eiern erblicken , die das Hummervveibchen [iroduziert. Preilich ist diese Zahl nicht so groß wie bei manchen Uschen des Meeres, die in einer Laichperiode hunderttausende, ja sogar Millionen von Eiern ablegen, aber doch wesentlich größer als beim Flußkrebse, der über 120 Stück gewöhn- lich nicht hinauskommt. Der Helgoländer Hummer produziert schon bei der ersten Eierablage — wenn er etwa ein Pfund schwer ist — 8000 bis 10 000 Eier, für zwcipfündige Hummer kann man 15 000 bis 18000, für dreipfündige 20 000 bis 24 000, für vierpfündige 30 000 bis 36 000 Eier als Mittel annehmen. Herrick hat beim amerikanischen Hummer in den extremsten Fällen fast 90 000 bis 100 000 Eier konstatiert. Das waren Hummer von 41 bis 48 cm Länge und bei dem 41 cm langen Tier, welches die meisten Eier hatte, wogen diese allein ein Pfund. Um die Bedeutung dieser Zahlen voll würdigen zu können, muß natürlich die Frage aufgeworfen werden : welche Mengen neugeborener Hummer ent- sprechen diesen Einiengen und'welcher Prozentsatz von diesen gelangt zur weiteren Entwicklung.'' Die Ablage der Eier und die Befruchtung der- selben findet beim frei lebenden Hummer unter so eigentümlichen Umständen statt, daß dabei von wesentlichen Verlusten kaum die Rede sein kann. Das Männchen nähert sich dem Weibchen zum ZweckederBegattung, unmittelbar nachdem letzteres sich gehäutet hat und noch ziemlich hilflos und seine Gliedmaßen in un\ollkommenem Maße be- Vi^. 1. Die ersten sieben Stadien der ersten VVacVistumsperiode des Hummers. (Die Figuren am recinen Ende der Reihen stellen leere Häute dar.) herrschend sich der Angriffe des Männchens nicht erwehren kann. Der Begattungsakt selbst ist kaum jemals beobachtet worden, aber die Spuren des- 6o Naturwissenschaftliche Wocheiisclirift. N. F. III. Nr. 4 selben sind oftmals am ersten Morgen nach der Häutung am Weibchen zu sehen. Das Weibchen besitzt auf der Brust zwischen der Basis der vierten und fünften Beinpaare eine Art Tasche, auf deren spaltförmige OefTnung das Männclaen den in einer wurstförmigen gelatinösen Hülle enthaltenen Samen aufklebt, sodaß er alsbald ins Innere dieser Tasche gelangt. Hier verweilt er und behält seine befruch- tenden Fähigkeiten Wochen und Monate lang bei. Die Ablage der Eier, welche — oft erst einige Monate später — aus kleinen Oeffnungen am Grunde des dritten Beinpaarcs heraustreten , und die Befruchtung dieser Eier findet ganz unabhängig von der Begattung statt. Das Weibchen sucht für diesen Akt einen Schlupfwinkel auf, in dem es nicht gestört werden kann, wirft sich auf den Rücken und bildet mit dem umgebogenen Schwanz eine Mulde, in der die austretenden Eier aufgefangen und mittels eines von den Schwiinmfüßeii des Schwanzes abgesonderten und im Wasser allmählich erstarren- den Sekretes befestigt werden. Von dem Augenblicke an, wo der Hummer die schützende Hülle des Eies und den Aufent- halt bei der Mutter verläi3t, beginnen Gefahren auf ihn einzudringen, in so erdrückender Menge, dal.5 die Reihen der eben geborenen jungen Hum- mer in erschreckender Weise gelichtet werden. Der ausschlüi)fende Hummer ist etwa 8 mm lang, besitzt lebhafte Farben , unter denen neben blau und rot grün vorwaltet, und schwimmt — ab- weichend von den Gewohnheiten des ausgebilde- ten Tieres — frei im Wasser umher. Alle diese Eigenschaften machen ihn in hervorragendem Maße geeignet, anderen räuberischen Bewohnern des Wassers — namentlich Fischen verschiedener Art — zum Opfer fallen. Es ist wahrscheinlich, daß sich diese kleinen Tiere unweit ihrer (leburts- stätte, also in der Nälie des Grundes und unter dem Scliutze von Pflanzen, aufiialten und daß sie diesen geschützten Aufenthalt nur des Nachts ver- lassen, um oberflächlichere Wasserschichten aufzu- suchen. Jedenfalls ist es auffallend, wie wenig solcher kleinen Hummer man am Tage in feinen Gazenetzen fangen kann. Die Zeit, welche sie im Wasser frei schwimmend verbringen, dauert nicht lange. Man kann sie auf drei bis vier Wochen für das Individuum veran- schlagen; sie ist um so kürzer, je günstiger Tem- peratur- und Nalirungsverhältnisse im Wasser sind; und da in der zweiten Hälfte des August die mittlere Wassertemperatur bei Helgoland mit i6,8" C ihr Maximum erreicht, so ist der Monat August, in dem die meisten Hummer geboren werden, zugleich auch die günstigste Zeit für ihr Fortkommen. Der junge Hummer kommt als Larve auf die Welt, das heißt seine Körpergestalt unterscheidet sich zunächst noch von derjenigen des ausgebil- deten Tieres, und erst nachdem er in jenen ersten drei bis vier Wochen vier Verwandlungen in ebenso vielen Häutungen durchgemacht hat, er- reicht er annähernd die Gestalt des ausgebil- deten Tieres und kann nur wie dieses am Grunde leben. Die erste dieser Häutungen erfolgt schon gleich- zeitig mit dem Aus.schlüpfen des Hummers und ergibt das erste etwa 7 bis 8 mm lange Larven- stadium (\-ergl. die Figur 2), welches je nach den Temperaturverhältnisseii vier bis fünf oder auch acht bis neun Tage alt wird; dann folgt nach der zweiten Häutung das zweite Larvenstadium, durch das Auftreten der Schwimmfüße am Schwänze kenntlich, 10 bis II mm lang, welches etwa ebenso lang wird, wie das erste, höchstens einen bis drei Tage älter. Das dritte Larvenstadium ist 12,5 bis 13,5 mm lang und daran kenntlich, daß die ur- sprünglich einfache Schwanzplatte jetzt durch seitliche Ergänzungstücke verbreitert ist; es wird etwa 10 bis 12 Tage alt. Die vierte Häutung endlich ergibt das 15 bis 16 mm lange vierte Stadium, welches schon nach etwa zwei bis drei Tagen das Leben auf dem Grunde aufnimmt; es sieiit viel hummerartiger aus als die früheren Stadien, was hauptsächlich auf den Verlust der larvalen Schwimmanhänge an den Geh- füllen und auf das Erscheinen der großen Fühler zurückzuführen ist. \^on diesem Zeitpunkt ab vermindern sich die Gcfahien für das Leben des jungen Hummers ganz bedeutend, da er im stände ist, sich unter Steinen am Grunde zu verbergen, und da er sein Versteck offenbar nur selten oder mit der größten Vorsicht verläßt. Wenn schon der Hummer, sobald er das Leben am Grunde aufgenommen hat, ziemlich vor (iefahren geborgen ist, so ist dies in noch höherem Maße der Fall, wenn er älter wird und damit überhaupt die Zahl der Tiere, die ihm gefährlich werden können, sich sehr vermindert. Eine vermifste Pflanze. — In zuverlässigen Berichten wird uns \'on einer Heil]iflanze der Römer erzählt, welche diesen durch die Vettonen bekannt geworden war. Daß es eine seltene Heilkraft ge- wesen sein muß , deren Samen kriegerisch vor- dringende Völker aus den Pj'renäen mit sich führ- ten, läßt sich allerdings vermuten. Dal.^ der Leib- arzt des Kaisers .'Xugustus, Antonius Musa, ein Buch verfasste : ,,De herba Betonica", welches er dem Marcus Agrippa widmete, sagt uns deut- licher, daß es eine wertvolle Heilpflanze gewesen sein wird. Musa beschreibt 47 Krankheiten , in denen er die gröl.5ten Erfolge der von ihm zu- erst als Betonica eingeführten Pflanze zuerkennt. Aber er sagt uns nicht, ob er seinen Kranken ebenso wie in der Behandlung des Kaiser .Augustus das Essen von grünem Salat und kalte Waschungen des Körpers zur Mitwirkung dieser Kur verordnete. Das Getränk aus dem Saft der Betonie brauchte es dann nicht gerade allein gewesen zu sein, wel- ches die Heilerfolge erzielt hat. Aber immer bleibt die Tatsache bestehen , daß die von der Allgemeinheit bis dahin Vettonica genannte Pflanze unsere Beachtung verdient. Musa's Verdienste N. F. III. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 6i wurden reich belohnt. Kaiser Augustus erhob ihn in den Ritterstand und ließ ihm eine .Säule im Tempel des Äskulap errichten. Zum dauernden Andenken an ihn erklärte der dankbare Kaiser fortan alle Arzte von jeder Abgabe frei. Es darf also berechtigten Zweifel erregen , wenn Botaniker aus irgend welchem scheinbaren Zusammentreffen glaubten , unsere früher (auch neuerdings wieder von Bentham) für eine Stachys angesehene Art sei diese Heilpflanze , und sie deshalb als Betonica officinalis registrierten. Zwei- fellos wird hier ein Irrtum vorwalten , denn in wiederholten , mit ihr gemachten Heilversuchen versagte sie vollständig. Ja, es traten geradezu schädliche Folgen ein. Da erscheint es doch als eine Pflicht für die fleißigen Botaniker, nach den Ursachen des Irrtums zu forschen. Fragen wir uns zuerst: „Wie kann unsere ehemalige Stachys überhaupt zu dem unverdienten Rufe einer Heilpflanze gekommen sein, ohne deren Wirkungen zu besitzen?" Da sie in vielen Gegen- den selten zu finden ist, kann es dadurch geschehen sein, daß man sie mit einer anderen Pflanze ver- wechselt hat. Schon die alten Germanen wandten eine La- biate als Heilmittel an , welche man Andorn nannte, also ebenso wie wir noch heute unser Marrubium vulgare. Dieses enthält eine in vielen Krankheitszuständen äußerst wohltätige Heilkraft. Selbstverständlich wandte man aber an vielen Orten nicht nur die echte, sondern wenn man diese nicht fand, ähnlich aussehende Pflanzen an : So geschah es mit „Stachys silvatica", ,, Stachys arvensis" und „Stachys palustris", die noch heute Wald-Andorn , P^eld-Andorn und Wasser-Andorn genannt werden. Ja, man taufte sogar noch eine andere Art „schwarzer Andorn", die nicht einmal eine Stachys war. Jede derartige falsche Anpreisung verdächtigte Marrubium vulgare, seiner- seits nicht die echte zu sein. Aus diesen Ver- mutungen , welches wohl die richtige wäre, kam man auf den Gedanken , die so prächtig hübsch rosa blühende Schwesterart sei die gewünschte I leilkraft. Denn man sagte sich : Sind diese Stachys nicht die richtigen, so muß es jene sein. Da der deutsche Name nicht Klarheit gab, suchte man die lateinische Verwandtschaft ab. Hielt man sich an die Stachys, so glaubte man nun eine Heilkraft der Labiaten zu haben und deshalb sie als Betonica auszeichnen zu dürfen. Daß man sie später von Stachys trennte, änderte an diesen Voraussetzungen nichts. Für die Beantwortung der Frage : „Wie kam Betonica officinalis in den unberechtigten Ruf eine Heilpflanze zu sein ?" ist der Weg über die Mehrheit der Andorn- und Stachysarten ganz erklärlich. Alsdann läge aber auch die Vermutung nahe, daß die Betonicte der Römer eine Labiate und zwar Marrubium vulgare sei. Indes fand man es massenhaft nahe einer Stadt in Latium ani See Fucinus Maria-Urbs (Sumpfstadt), nach welcher es Marrubium vulgare genannt wurde. Da läßt sich doch annehmen, daß man sich bemüht hat, zu er- fahren, wie man es dort bezeichnete und darnach erfahren hätte, daß es die berühmte Bettonica sei. Marrubium vulgare hingegen war außerdem eines der bekanntesten Heilmittel der alten Welt. In Griechenland wurde der Saft entweder frisch oder mit Honig eingekocht in vielen Fällen auch mit einem Zusatz von Myrrhen bei allen Er- krankungen der Atmungsorgane, Asthma, Schwind- sucht und Unterleibsleiden angewendet. Daß mit dieser Pflanze wunderbare Heilungen geglückt sind, wird vielfach bestätigt. FIs ist weder anzu- nehmen, daß dies in Rom ganz unbekannt ge- wesen sei, noch da{3 man alsdann immer wieder ausgesprochen hätte, man habe jene Heilpflanze durch die Vettonen kennen gelernt , wie dies Plinius direkt berichtet. Nun haben wir aber äußerst selten in Deutsch- land die Betonica Alopecuros, Fuchsschwanz -Be- tonie. Man hat sie bisher nur bei Berchtesgaden und bei Partenkirchen gefunden. Es läge doch eigentlich sehr nahe , daß sich von Rom zurück- ziehende Scharen , von denen sich ja tatsächlich viele in den tyroler und baierischen .Mpen an- siedelten, die Betonica hier angebaut hätten. Auch der Umstand, daß die Gegenwart dieser Gebirgs- pflanze gar keine Heilkraft nachrühmt, könnte sich als verhängnisvolle Nachlässigkeit erweisen. So erscheint es wirklich als Pflicht, jene Eigenschaften zu prüfen und hoftentlich erweist es sich, daß wir die heilbringende Pflanze in Deutschland besitzen. Wenn es aber vergeblich geschieht und sich keine der vielen Heilkräfte zeigen will? Dann bliebe das Rätsel wieder ungelöst, wenn wir nicht eine etwas gewagte Schlußfolgerung auch noch in das Reich der Möglichkeiten einbeziehen wollen. Wenn man aber bedenkt, daß die Heil- erfahrungen bisher immer ohne botanische Keimt- nisse gemacht werden, und daß die botanischen Bestimmungen ohne irgend welchen Zusammen- hang mit jenen sich erst durch Mitteilungen verall- gemeinern , so lehrt die Erfahrung, daß selbst wunderliche Sprünge nicht zur Unmöglichkeit ge- hören. j|]Auf dem weiten Wege von Rom bis zu uns könnte aus Vettonica — Veronica geworden sein. Es wäre auch möglich, daß christlicher Eifer die bewährte Heilpflanze nicht nach einem heidnischen Volksstamm genannt wissen wollte , sondern sie zu Ehren der heiligen Veronika, die Wunderkuren damit verrichtet haben soll, benannte. Jedenfalls hat unsere Veronica officinalis ungemein heilsame Eigenschaften. Ihre kleinen, wie in einer Ähre stehenden lila-bläulichen Blütchen, werden nur leider sehr häufig mit der glänzend himmelblau strahlendenVeronica Chamaedrys, Gamander-Ehren- preis, verwechselt, die unter dem Namen Männer- treu allbekannt ist. Ist dann der Erfolg uner- heblich, so hat dies Veronica officinalis nicht ver- schuldet. Sie würde uns als I leilpflanze bleiben, auch wenn wir feststellen könnten, daß Betonica Alopecuros eine viel wertvollere Heilkraft in richtiger Anwendung zu spenden vermag. J. Freytag. 62 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. Iir. Nr. 4 Über gefärbtes Holz unserer Waldbäume. — Wohl mancher Leser dürfte auf seinen Spazier- gängen durch unsere Nadel- und Laubwälder ein- mal morsche Aststücke , vielleicht sogar ganze Baumstämme angetroften haben, deren Holz im Innern eine auffällige indigoblaue oder spangrüne Färbung zeigte, oder auch er hat in Kiefern- oder Fichtenwäldern morsche Kiefernstämme oder Wur- zeln bemerkt, deren Holz intensiv blutrot gefärbt war. Der Laie wird vielleicht vergeblich nach der Ursache dieser eigenartigen Erscheinung forschen, wenn er nicht zur feuchten Herbstzeit auf den gefärbten Holzteilen winzige, oft gleich gefärbte Pilze wahrnehmen sollte. Die intensive Färbung des betreffenden Holzes wird eben durch Mycelien gewisser Pilze verursacht. Die indigoblaue oder spangrüne Farbe morschen Holzes von Buchen, Hainbuchen, Eichen usw. wird durch das Mycel eines kleinen Schüsselpilzes C h 1 o r o s p 1 e n i u m a e r u g i n o s u m (Oed.) sowie Ch. aeruginascens Nyl. bedingt. Beide Arten sehen sich äußerst ähnlich und finden sich zur feuchteren Herbstzeit meist auf der Unterseite des auf dem Waldboden liegenden Holzes. Die schüssei- förmigen, kurzgestielten Fruchtkörper sind grün- blau oder spangrün, meist ' '.j — i cm im Durch- messer. Sie enthalten zahlreiche Schläuche mit je 8 zylindrischen oder spindelförmigen, mikroskopisch- kleinen Sporen. Ersterer Pilz ist weit verbreitet, nicht nur in Europa, sondern auch auf dem Kilima- ndscharo, Himalaya, Brasilien usw. Andere Pezizaceen vermögen eine blutrote Färbung verschiedener Hölzer zu verursachen, so wird das Holz der Robinie von dem Mycel eines kleinen braunroten Schüsselpilzes Tapesia cru- e n t a P. Henu. innen und oberseits blutrot gefärbt. Eine andere Art: Tapesia atrosanguinea Fuck. ruft ähnliche Färbung auf weichfaulem Holz der Birke und Buche hervor, ebenso eine winzige Pe- zizee, Patellea sanguinea (Pers.l, solche auf entrindetem Holze der Eichen, Haselnüsse usw. Das Holz junger morscher Kiefern- und Fichten- stämme, sowie das der Wurzeln findet sich nicht selten durch und durch intensiv Scharlach- oder blutrot gefärbt. Diese Färbung wird durch das Mycel einer Thelephoracee, Corticium san- g u i n e u m, veranlaßt, deren häutig-krustige Frucht- körper von gleicher Färbung, mit filzigem Rande meist die Autjenseite der befallenen Stämme oder Wurzeln überziehen. Das Mycel eines winzigen, kaum mit bloßem Auge erkennbaren Pyrenomyceten ruft in kiefernen und fichtenen Brettern oft eine graublaue Streifung hervor, wodurch das Holz für manche technische Zwecke unverwendbar wird. Es ist dies Cera- tostomella pilifera (Fr.), dessen schwarze Fruchtkörper, kaum senfkorngrol.5, auf dem Scheitel mit langem Schnabel versehen sind. P. Hennings. Akademische Antrittsvorlesung gehalten am ig. Mai 1900. Johann .'\mbrosius Barth in Leipzig 1900. — Preis 1.20 Mk. Als Physiker meint Verf. mit dem Titel, daß jedes neue Instrument, jede Zusammenstellung be- kannter Instrumente zu neuem Zweck vom entvvick- lungsgeschichtlichen Standpunkte aus sich als eine naturgemäße Fortentwicklung und Erweiterung unserer Sinne, als ein Fortschritt in der Anpassung an unsere Umgebung und einen Vorteil im Kampfe ums Dasein darstellt. Dies führt er an Beispielen durch. P. Bücherbesprechungen. Otto Wiener, o. l^rof. der Ph\sik an der Univ. Leipzig, Die Erweiterung unserer Sinne. Dr. Georg Meyer, Die wissenschaftlichen Grundlagen derGraphologie. Mit 3 1 Tafeln. Verlag von Gustav Fischer. Jena 1 901. — Preis 5 Mk. Das vorliegende Buch über den Gegenstand, der so viele dilettantische Arbeiten aufzuweisen hat, hebt sich wohltuend ab. Es behandelt in vorsichtiger, besonnener Weise die allgemeinen Gesichtspunkte, die bei der Beziehung zwischen Schrift und Seelen- leben in Frage kommen und versucht die Hauptprinzipien herauszuschälen. Verf. erkennt an, daß sich in ziemlich erheblichem L'^mfange aus den Schriftzügen Schlüsse auf Charaktereigentümlichkeiten ziehen lassen , und stellt eine Reihe von diesen fest ; jedoch ist das Buch keine eigentliche Graphologie in dem Sinne eines Systems des Gegenstandes und Anleitung zur prak- tischen Betätigung, vielmehr will es mehr eine wissen- schaftHche Einführung in den Gegenstand sein. Eine Reihe von sehr sorgfältig ausgeführten Tafeln mit Schriftproben ergänzen in treft'licher Weise den Text. M. Klein. Prof. Dr. L. Weis, Kant: Naturgesetze, Natur- und Gottes-Er kennen. Eine Kritik der reinen Vernunft. Berlin (Schwetschke) 1903. Verf. behandelt Kant und zwar besonders die Kritik der reinen Vernunft, zunächst seine Natur- anschauungen, darauf den verneinenden Teil der Kritik, (die sog. Ideen der reinen Vernunft 1 und drittens zeigt er, wie Kant mit Hilfe der Erfahrung sowohl in der Natur als in Religion und Sittlichkeit zu positiven Er- gebnissen gelangt. Die Tendenz des Verf. geht darauf hinaus zu zeigen, „daß über den Geist der Evangelien kein menschlicher Geist, keine Wissenschaft und keine Kiütur hinauskommt." Aus den kritisclien Erörterungen des Verf.'s sei nur seine .\ußerung herausgegriffen, nach der die scharfe Trennung von Religion und Wissenschaft (Vernunft, Sittlichkeit), — die ein spöt- tischer Kritiker Friedrich Albert Lange's (des Verf. der Gesch. des Materialismus), eines hervorragenden Vertreters dieser Trennung, als Lehre von der doppelten Buchhaltung bezeichnet hatte, — unbedingt abzulehnen sei; sie sei ein „Verrat an der Religion des Geistes und der Wahrheit". Kant's Namen hierbei (ins- besondere bei der Trennung von Religion und Sitt- lichkeit) anzuführen, sei eine „Schändung'' desselben. W. nennt diese Lehre auch eine Zweistubenlehre und läßt den .Anhänger derselben in der Wissenschafts- stube von seinem Gotte träumen, in der Sonntags- stube den Kuhns des Christentums pflegen. Hierzu bemerken wir: Verf hat die Lehre von der doppelten N. F. m. Nr. 4 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 63 Buchführung falsch aufgefaßt, denn in der Werktags- (Wissenschafts-)Stube, da träumt man nicht von Über- sinnlichem, sondern durchforscht nur das Sinnlich- Gegebene ; die Träumereien vom Unbedingten (Ab- soluten), also von Golt, Unsterblichkeit usw. : sie ge- hören in die „Sonntagsstube" (Glaubensstube), sie sind nicht Sache der Wissenschaft (der Forschung) sondern des Glaubens. Verf versteht also nicht einmal zu trennen und damit fällt seine Kritik. AVir möchten noch einen allgemeineren Gesichtspunkt hervorheben, d. h. einen Grund für die Berechtigung einer solchen Trennung. Vom wissenschaftlichen Standpunkte aus ist es durchaus geboten, alles zu Unsichere, alles zu unbestimmte Vermuten, Ahnen, Hoffen usw. auszu- schließen, da uns sonst das Hauptmerkmal und der Hauptvorteil der Wissenschaft, die Sicherheit, verloren gehen müßte. Jedoch — angesichts der Tatsache, daß wir die Wirklichkeit nicht restlos zu einem ein- heitlichen Weltbilde wissenschaftlich gestalten können, müssen wir uns eine Möglichkeit sichern in freieren, außerwissenschaftlichen, sich aber doch an die Wissen- schaft möglichst anlehnenden Formen uns ein einheit- liches harmonisches Weltbild zu verschaffen. Kl. u. P. Erich Zugmayer, Eine Reise durch Island im Jahre 1902. Wien, Adolph W. Künast. 1903. 192 Seiten. Mit Abbild, u. 2 Karten. — Preis 4 Mk., geb. 5 Mk. Im Plauderton schildert Verf einen sechswöchent- lichen Ritt durch die geologisch so interessante Vulkaninsel, Freud und Leid der anstrengenden Reise läßt er den Leser getreulich mitempfinden und eine Reihe von Illustrationen nach selbstgefertigten photo- graphischen Aufnahmen gibt auch eine Anschauung sowohl der großartigen Wasserfälle und Schlucliten, als auch der kleinen Ansiedelungen und der unglaub- lichen Ode und Monotonie weiter Gebiete des merk- würdigen Landes. Die Reise erstreckt sich von Rey- kjavik über die Geysir zum Hekla, alsdann mitten durch die Insel über die .Sprengisandur-Wüste , von der seit 40 Jahren in deutscher Sprache nichts mehr berichtet worden war, nach dem Nordlande und seiner Hauptstadt Akureyri. Der Rückweg von dort hielt sich in der Nähe der nördlichen Fjorde. Auf ihm wurde die Surtshellir-Höhle besucht und nach Mög- lichkeit vermessen. Für Islandtouristen gewöhnlichen Schlages, die sich meist mit dem Besuche der Geysir und der Hekla begnügen, ist die Angabe von Wich- tigkeit, daß die Ruheperiode, die der große Geysir in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hatte und die die Touristen oft wochenlang vergeblich auf einen Ausbruch warten ließ, vorüber ist und daß derselbe seit einem im Jahre 1896 stattgehabten Erdbeben durschnittlich jeden Tag und recht hoch springt. Auch der Otherris-Hola springt oft und kann dazu durch Seife oder Rasenschollen in kurzer Zeit ver- anlaßt werden. Dagegen hat der Strokkur, der früher die Reisenden entschädigte, seit 1896 seine Tätigkeit gänzlich eingestellt. ') F. Kbr. ') Inwieweit dieser Zustand durch die vor einigen Tagen gemeldeten , vullsanischen Erscheinungen wieder modiliziert worden sein mag, laßt sich zurzeit natürlich nicht beurteilen. E. Weighardt , Mathematische Geographie.. Leitfaden für den Unterricht in der Obertertia der Mittelschulen. 2. Auflage. Biihl (Baden), A. G. Konkordia. 1902. 45 Seiten. — Preis 60 Pf. In leicht verständlicher Weise werden die wichtig- sten Himmelserscheinungen erläutert. Die scheinbare Sonnenbahn wird zunächst als eine Schraubenlinie er- kannt und erst nach der Betrachtung des Fi.xstern- hinmiels in tägliche und jährliche Bewegung zerlegt, ein methodisch gewiß wohlbegründetes Verfahren. Im einzelnen sind wir in folgenden Punkten abwei- chender Ansicht. Die Bezeichnung „Wendekreis" sollte auf die Erde beschränkt bleiben , da diese Parallelkreise am Himmel ebensowenig Bedeutung be- sitzen , wie die mitunter auf Erdgloben zu findende Ekliptik auf der Erde. Figur iS ist schwer zu ver- stehen und unnötig , da das Beispiel des Karoussel- fahrens oder eine Umdrehung um den eigenen Kör- per die Sache hinreichend klarstellt. In Figur 32 hätten die reellen Verhältnisse verwendet werden sollen, damit die richtige Gestalt der heliozentrischen Mondbahn (durchweg konkav in bezug auf die Sonne; erkannt wird. Mit Bezug auf die historischen Be- merkungen (S. 44) sei darauf hingewiesen , daß Kopernikus die Planeten sich nicht in k o n zentrischen Kreisen um die Sonne bewegend vorstellte , sondern daß er jedem einen besonderen exzentrischen Kreis zuordnete und sogar auch noch einen Ejjicykel zu Hilfe nahm, um die LIngleichheiten der Bewesfung völlig darstellen zu können. F. Kbr. Dr. A. Helfenstein , Die Energie und ihre Formen. Kritische Studien. Leipzig-Wien, Deu- ticke. 1903. 152 S. 8". — Preis 4.20 Mk. In der Ausdrucks- und Auffassungsweise weicht der Verfasser von anderen Physikern weit ab. „Heute, wo sie (die verschiedenen Zweige der Naturwissen- schaften) sich die Mittel allmählich zu verschaffen wußten, .^.\iome aufzustellen, hätten sie auch den ersten Weg einschlagen können (man geht aus von festen, für immer bestimmten Grundsätzen, .Axiomen, und sucht alle Tatsachen damit in F-inklang zu bringen, daraus abzuleiten). Axiome: I. Die Weltmasse ist konstant. II. Die Bevvegungsgröße der Weltmasse, ihre Energie, ist konstant. Es gibt nur eine Energie, kinetische Energie, identisch mit Massenbewegung. — Der Äther ist gasförmig und liesitzt als solcher eine Bewegimg, die wir als Gasenergie kennen gelernt haben. — Die Ätherteilchen reiben sich aneinander. — So mochte es kommen, daß an einzelnen Stellen des Raumes die Temperaturs ich derart steigerte, daß der Äther verbrannte, es entstanden Sonnen, d. h. Glut- herde, in denen der Ätiier verbrennt, sich verdichtet. — Die Erdrinde führt zitternde Bewegungen nach allen Richtungen aus, deren Energie die siiezifische Gravitationsenergie , die Hauptursache der Schwere der Körper, ist." Daß es gelingt, für die Physik aus dem Buch er- heblichen Nutzen zu ziehen, möchte Ref. bezweifeln. A. S. 64 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 4 Literatur. Beck, Prof. Dr. Ricli.: Lehre v. den Erzlagerstätten. 2., neu durcligearb. Aufl. Mit 257 Fig. u. I (färb.) Gangkarte. (X.\, 732 S.) Lex. 8". Berlin '03, Gebr. Borntraeger. — 18 Mk.; geb. 21 Mk. Buchenau, Fr. : IV, 14. Scheuchzeriaceae, IV, 15. Alismataceae u. IV, 16. Butomaceae m. 201 Einzelbildern in 33 Fig. (66 u. 12 S.) Leipzig '03, W. Engelmann. — 5 Mk. Herz, Priv.-Doz. Dr. W. ; Über die Lösungen. Einführung in die Theorie der Lösungen, die Dissozationstheorie und das Massenwirkungsgesetz. Nach Vorträgen. (V, c,o S.) gr. S**. Leipzig '03, Veit & Co. — 1,40 Mk. HIasiwetz, weil. Prof. Dr. H. : Anleitung zur qualitativen chemischen Analyse. Zum Gebrauche bei den prakl. Übgn. im Laboratorium. 13. Aufl., durchgesehen und ergänzt von Prof. Dr. G. Vortraann. (V, 51 S.) gr. 8". Wien '03, F. Deuticke. — I Mk. Lindau, Kust. Priv.-Doz. Dr. Gust. : Hilfsbuch f. d. Sammeln der .\scomyceten m. Berücksicht. der Nährpflanzen Deutsch- lands , Österreich-Ungarns , Belgiens , der Schweiz und der Niederlande. (VI, 139 S.) schmal 8". Berlin '03, Gebr. Borntraeger. — In Leinw. kart. 3,40 Mk. Briefkasten. Herrn Dr. F. i n L. — Sie fragen ; W a s n e n n t m a n in Zoologie und Botanik Konvergenz? — Unter ,, Konvergenz" versteht man im Tier- und Pflanzenreiche die Erscheinung einer formalen Ähnlichkeit oder Übereinstimmung, welche nicht auf Blutsverwandtschaft beruht. Wenn zwei (Organismen im Baue eines Organs eine wesentliche Gleichheit zeigen, so läßt sich im allgemeinen daraus schließen, daß beide von derselben Stammform abstammen, also blutsverwandt sind, und von diesem gemeinsamen Vorfahren die gleiche Eigen- schaft ererbt haben. Es gibt jedoch zahlreiche .Xusnahmen von dieser Regel, indem das gleiche Bedürfnis oder die Gleich- artigkeit der Existenzverhältnisse auch bei nicht verwandten Tieren resp. Pflanzen denselben Bau veranlaßt hat. Beispiele solcher ,, Konvergenz" sind die Schneefarbe des Eisbären, Polarfuchses und anderer arktischer Tiere ; die Sandfarbe bei wüstenbewohnenden Eidechsen, Vögeln, Antilopen und dem Löwen; der Mangel an Zähnen und die Ausbildung eines llornschnabels bei Schildkröten, Vögeln und dem Schnabel- tier; das Facettenauge der Krebse und das der Tracheaten. In solchen Fällen beweist die Verschiedenartigkeit der allge- meinen Organisation, daß die Ähnlichkeit in einem Organ sekundär erworben wurde, also nicht auf Vererbung, sondern auf Konvergenz beruht. L. Plate. Herrn A. H. in Augsburg. — Die mutuahstischc Sym- biose läßt sich freilich nicht gegen Darwin's Selektionslehre ins Feld führen, denn wenn zwei Organismen sich gegenseitig unterstützen, so können sie im Kampf ums Dasein daduich sicherlich einen erheblichen Vorteil genießen. Wir empfehlen Ihnen zur Beurteilung derartiger Fragen das Buch von L. Plate, Bedeutung des Darwin'schen Selektionsprinzips und Probleme der Artbildung. W. Engelmann in Leipzig. 1903. 2. Auflage. Herrn S. in Jolle nb eck. — Ihre Fragen lassen sich streng nur durch Entwicklung theoretischer Formeln der an- gewandten Mechanik beantworten , für die es hier an Platz fehlt. Das leichtere Brechen eines Balkens, wenn derselbe in der Mitte belastet ist, als in der Nähe der Unterstützungs- [lunkte, erklärt sich durch die im erstercn Falle eintretende, größere Durchbiegung. Die Tragkraft des in der Mitte be- lasteten Balkens von der Länge 1 verhält sich zu derjenigen bei den Teillängen Ij und L wie ) Ij l, : -j 1. Die Begründung dieses Satzes erfordert eindringende Kenntnis der Elastizitäts- lehre. Vielleicht genügt Ihnen das in Klimpert's Übungsbuch zum Studium der allgemeinen Physik und elementaren iVIccha- nik (Dresden, Kühtmann, 1894. Preis 8 Mk.) Gebotene. — Für den Winkelhebel gilt dasselbe Gesetz, wie für jeden an- deren Hebel : Gleichgewiclit findet statt, wenn das statische Moment der Kraft gleich dem der Last ist. Nur ist hier be- sonders zu beachten, daß als Hebelarm das vom Drehpunkt auf die Richtung der Kraft gefällte Lot zu nehmen ist. Herrn A. in T. — Sie fragen nach dem Unterschied zwischen Ton und Tonerde. — Ton ist ein mineralogi- scher Begriff, Tonerde lediglich eine chemische Bezeich- nung, und zwar der veraltete, aber heute noch gebräuchliche Ausdruck für Aluminiumoxyd, AI,, Oj, und in Verbindung mit Kieselsäure der Hauptbestandteil des Tones. Unter Ton ver- steht man das durch die Zersetzung vorwiegend feldspathaltiger Gesteine entstandene, zumeist aus wasserhaltigem Aluminium- silikat von bestimmter Zusammensetzung bestehende Material, das sich in mehr oder weniger reiner Form weitverbreitet vor- findet. Trocken ist der Ton erdig, und in nassem Zustande klebrig und plastisch. Der reinste Ton ist Kaolin oder Porzellanerde , und zwar stellt er reines, durch Verwitterung von Feldspat entstandenes Tonerdesilikat dar. Seine Konstitutionsformel ist 2 Ha Alj Sia Oip . H., AI, O4 . 3 H., O. Man könnte in- dessen vom chemischen Standpunkte aus die Tone als un- reinen Kaolin bezeichnen, da sie außer .^luminiumsilikat noch andere Zersetzungsprodukte jener Gesteine, vornehmlich Kar- bonate enthalten, oft aber auch Calcium , Magnesium und vor allem Eisen. Der Gehalt des Tones an Eisen ist maßgebend für seine Verwendbarkeit, da das Eisenoxyd, sofern nicht be- reits der rohe Ton dadurch gelbbraun gefärbt ist , dem ge- brannten Tone seine rote Farbe verleiht. Von chemischem Interesse ist die Tatsache, daß die Tonerde des eisenhaltigen Materials, das wir gewöhnlich Ton zu bezeichnen pflegen, sich bedeutend leichter in kochender, konzentrierter Salzsäure löst, als die des eisenfreien Kaolins — entsprechend der leichteren Zersetzbarkeit und Verwitterungsfähigkeit eisenhaltiger Ver- bindungen. Feska glaubt annehmen zu dürfen, daß diese leichter lös- liche Tonerde zeolithartigen Bildungen angehöre. Nun fand aber Gans , daß sich bei der Tonbestimmung vermittels Schwefelsäure im geschlossenen Rohre bei 220" bei Diluvial- böden gerade die doppelte Menge Tonerde ergibt, als bei dem Salzsäureauszug. Man kann sich schwer erklären, daß genau die eine Hälfte der Tonerde in den Tonen Zeolithen, die andere anderen Verbindungen angehören sollte , wenn auch die leichter lösliche Tonerde schwerlich kaolinartigen Charak- ters sein kann, da Kaolintonerde sich nur schwer in Salz- säure löst. Gans kommt daher zu dem Schluß, daß man in den Tonen komplizierter zusammengesetzte Silikate annehmen müsse, bei denen die eine Hälfte der Tonerde, und zwar in Verbindung mit Alkalien, fester gebunden ist als die andere, die mit Eisenoxyd, Kalk oder Magnesia enger verbunden ist. Versuche haben diese .'\nnahme bestätigt. Diese zeolithartigen Körper könnte man sich , ähnlich dem .Anorthit aus Natron- feldspat, dadurch entstanden denken, daß im Urgestein ein Si gegen AI ersetzt wurde. Die von Groth und Brauns für Anorthit aufgestellten Strukturformeln würden beide das ver- schiedene Verhalten der Tonerde begründen ; Si- Si — ( AI /\ 1 1 AI Si — — C a Groth o -0 — AI o/^o \/ AI O o Si — O — Ca Brauns Denkt man sich hierin den Kalk durch Eisen ersetzt, das in der Tat Kalk zu verdrängen imstande ist, so würde eine derartige Zusammensetzung etwa den im Tone vorliegenden Verbindungen entsprechen. Dr. Loebe. Inhalt: Dr. Bruhns; Die sechs Berichte Schiaparelli's über seine Marsforschungen. — Kleinere Mitteilungen: Professor Ehrenbaum: Über den Hummer. — J. Frey tag: Eine vermißte Pflanze. — P. Hennings: Über gefärbtes Holz unserer Waldbäume. — Bücherbesprechungen: Otto Wiener: Die Erweiterung unserer Sinne. — Dr. Georg Meyer: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Graphologie. — Prof. Dr. L. Weis: Kant: Naturgesetze, Natur- und Gotteserkennen. — Erich Zugmayer: Eine Reise durch Island im Jahre 1902. — E. Weighardt: Mathematische Geographie. — Dr. A. Helfenstein: Die Energie und ihre Formen. — Litteratur: Liste. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. H. Potonie, Gross-Lichterfelde-West b. Berlin, Druck von Lippert & Co. (G. Pätz'sche Buchdr.), Naumburg a. S. UJ LIBRARY lg: Einschliefslich der Zeitschrift ,,Dl6 NatUf" (Halle a. S.) seit i. April 1902. Organ der Deutsehen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin, Redaktion: Professor Dr. H. Potonie und Oberlehrer Dr. F. Koerber in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Neue Folge 111. Band; der ganzen Reihe XIX. Band. Sonntag, den 1. November 1903. Nr. 5. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M. 1.50. Bringcgcld bei der l'nst I ^ VU^. i-\tra. Postzrilungslisti.- \r. 5446. Inserate : Die zwcigespaltene l'ctilzeile 50 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabalt. Beilagen nach Über- linkunft. Inseratenannahme durch Max Gelsdorf, Leipzig- Gohlis, Blumenstraße 46, Buchliandlfrinscrate durch die Verlagshandlung erbeten. Leuchtende Organismen. fNachdnick vetbolen,] Von H. Hau Marshall sagt: „Vieles, lieber Freund und ge- treuer Nachbar, ist uns an dem Leuchten der Tiere noch dunkel." Dieses Paradoxon wird wohl noch eine Reihe von Jahren seine Gültigkeit be- halten, trotzdem Mikroskop und Chemie eifrig bei der Arbeit sind, die Lichträtsel der Natur zu lösen. Große Schwierigkeit bereitet einerseits der Um- stand, dal3 sich bei vielen Organismen, trotz des Leuchtens, keine besonderen Organe hierfür auf- finden lassen, andererseits die Leuchtorgane selbst im Bau erheblich voneinander abweichen. Ver- mutlich sind auch die inneren Vorgänge verschieden. In meinen Ausführungen werde ich mit den- jenigen Lebeweseii beginnen, an welche wohl jeder beim Lesen der Überschrift zuerst denken wird, mit unseren Glühwürmchen (Lampyrls). An warmen Juniabenden blitzen sie bei uns auf, diese Staellae volantes der alten Römer. Ihnen leuchtete aber eine andere Gattung (Luciola), die an Schön- heit des Lichts unser Johanniswürmchen noch über- trifft. Diesen letzteren Namen nun für ein fliegendes Insekt anzuwenden, wäre entschieden unstatthaft, wenn die Weibchen von Lampyris nicht flügellos und darum wurmähnlich wären (L. spicndidula pt, Halle a. S. besitzt im weiblichen Geschlecht nur Flügelstummel, L. noctiluca auch diese nicht einmal); die Männ- chen hingegen besitzen Flügel. Einige Beobachter wollen folgendes wahrgenommen haben. Während die Männchen ihre leuchtende Bahn ziehen, lockt das im Grase sitzende Weibchen mit seinem Laternchen, das es wie das Männchen an der Spitze des Hinterleibes, und zwar an der Unter- seite, trägt. Seine Augen liegen unter dem großen Brustschild (Prothorax) verborgen, aber durch 2 Fensterchen, die sich darin befinden, hat es bald die abenteuerlustigen Männchen erspäht. (Wie sich L. noctiluca hierbei verhält, ist mir rätselhaft, denn ihr fehlen die Fensterchen.) Nun beginnt ein sog. Leuchtduett, und die genannten dichterisch ver- anlagten Beobachter haben versichert, daß Weib- chen und Männchen sich mit ihrem Lichtchen zu- blinzeln, eigentlich zublitzen. — Ob nun das Licht der Leuchtkäfer nur eine Llochzeitsfackel ist, wäre vielleicht zu bezweifeln. In erster Linie wird es wohl ein Schutzmittel gegen Fledermäuse, Ziegen- melker und anderes Raubgesindel sein; denn es dürfte doch nicht ganz der Geschmacksrichtung dieser Tiere entsprechen, nach Feuerfunken zu 66 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. V. III. Nr. 5 schnappen, zudem die Lampyriden auch ziemlich schlecht schmecken müssen, was schon unsere Nase leicht erraten kann. Zerdrückt man nämlich solch Leuchtkäferchen, so kann man einen unangenehmen Duft wahrnehmen, der an Zwiebelgeruch erinnert. Tagsüber kann das Käferchen dieser Schutzmittel entbehien, es hält sich verborgen und ist ausserdem durch sein erdfarbenes Kleid geschützt. — Die Eier von Lampyris sollen auch leuchten, sogar schon im Eierstock. Ich habe die Tierchen wieder- holt zum Eierlegen veranlaßt, habe aber selbst bei Nacht unter dem Mikroskop nichts wahrnehmen können, auch nicht den leisesten Lichtschimmer, trotzdem die Eier lebten. Die daraus schlüpfenden Lar^'en leuchten aber, und zwar an jeder Seite eines Leibesabschnittes. Im Spätherbst sind sie schon ziemlich erwachsen. Ich habe sie (L. splen- didula) oft in Unmengen in den Straßengräben bei dem Dorfe Osterode gesehen, wenn ich in lauen November- oder Dezembernäcliten von Herz- berg a. E. nach Hause pilgerte. — Eine Larve der größeren Art L. noctiluca fand ich am Abend des 2. Pfingstfeiertages 1900 auf dem Wege nach der Rudelsburg. Ich nahm das Tier mit den Flechten (Cladonia tubaeformis), auf denen es saß, mit nach Halle. Bis zu seiner Verpuppung, die nach etwa 3 Wochen erfolgte, nährte es sich von der Flechte, wie direkte Beobachtung und deutliche Fraßspuren bewiesen. Die Puppe besaß mehrere stark leuch- tende gerundete Flecke auf der Unterseite des Hinterleibes. Das daraus sich entwickelnde Weib- chen leuchtete auch recht kräftig bei Tag und bei Nacht. — Aus den hier mitgeteilten Beobachtungen kann man leicht ableiten, daß das Leuchten nicht etwa zum Auffinden der Geschlechter dient, sondern bei seiner Permanenz in allen Entwicklungsstadien (Eier ausgenommen) als ein mit dem Wesen des Tieres verbundener Vorgang angesehen werden muß, der zu dessen Wohlbefinden unbedingt not- wendig ist. Man nahm früher an, daß es tagsüber aufge- nommenes Sonnenlicht wäre,, das am Abend von den weißlichen Leuchtflecken wieder ausgestrahlt würde. Später machte man den Phosphor dafür verantwortlich. Aber Mateucci wies schon zu An- fang des vorigen Jahrhunderts das Irrige dieser Ansicht nach. Er fand eine Flüssigkeit, seiner Meinung nach aus Salpetersäure und Kohlensäure bestehend, die von dem Leuchtorgan ausgeschieden wurde. Den Vorgang des Leuchtens selbst hielt er für einen Oxydationsprozeß. Außerdem schwelgte er in der Hoffnung, man würde einmal den leuch- tenden Stoff fabrikmäßig herstellen können und empfahl dazu als Rohstoffe faules Holz und faule (?) Fische; denn beide Stoffe seien bequem in der nötigen Menge zu bekommen. Leider hat man aber entdeckt, daß im faulenden Holze die das- selbe durchziehenden Pilzmycelien und auf den toten Fischen die Leuchtbakterien leuchten. Damit wäre also wieder einmal ein schöner Gedanke ins Wasser gefallen. — Der Anatom Kölliker kam der Sache schon etwas näher. Er erkannte bei der mikroskopischen L^ntersuchung das Leucht- organ als einen selbständigen nervösen Apparat, welcher ein harnsaures Salz (NH4O), also ein Ver- dauungsprodukt, abscheidet. — Neuerdings hat ein japanischer Naturforscher den Leuchtvorgang unter- sucht. Er fand, daß während der Verdauung Kelone entstehen. Diese polymerisieren sich und spalten sich während der Verdauung im Leucht- organ in andere organische Verbindungen. Dieses Spalten wird von dem Leuchten begleitet. — Solche organische Verbindungen, welche leuchten, kennt man jetzt eine ganze Menge. B. Tschugaeff fand bei der Untersuchung von 510 solcher Stoffe 127 lumineszenzfähige, d. h. leuchtfähige. Er nennt diese Erscheinung in Anlehnung an E. Wiede- mann Tribolumineszenz. Eine in bezug auf das erzeugte Licht ganz ähnliche Erscheinung, eben- falls Tribolumineszenz genannt, kann man be- obacliten, wenn man im Dunkeln Porzellan- oder Steingutscherben mit den Bruchflächen aneinander- reiht, auch Stücken von Hutzucker reibt oder im Mörser zerstößt. Was man dabei zu sehen be- kommt, das ist kein Feuer und das sind auch keine Funken im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Licht ist es, und nach dem berühmten Gesetz von der Erhaltung der Kraft handelt es sich bei diesen und ähnlichen Vorgängen jedenfalls um eine frei- werdende Energie, die sich dem Auge als Licht wahrnehmbar macht. Die vorhin genannten Käferarten Lampyris und Luciola, desgl. Photuris, Lamprorhiza, Lampro- phorus, Photinus u. s. w., alles Käfer, die sich mehr oder weniger ähnlich sehen, gehören zu den VV^eich- käfern (Malacodermata). Zu den Schnellkäfern (Elateridae) gehört der Cucujo Südamerikas (Pj-ro- phorus noctilucusj, über den manche Reisebeschrei- bung einiges zu plaudern weiß. Die Leuchtorgane dieses Käfers sind von denen unseres Glühwürm- chens sehr verschieden. Er besitzt deren drei, 2 an den Ecken des Prothorax und eins an der Unterseite der ersten Hinterleibssegmente. Dieses letztere ist für gewöhnlich von dem anliegenden Metathorax verdeckt und wird erst beim Fliegen sichtbar, da die Elateriden die Gewohnheit haben, beim Flug den Hinterleib zu heben. — Die Leucht- organe sind von einem linsenartig gewölbten durchsichtigen Teil des Chitinpanzers bedeckt. Bei der Untersuchung, die bis jetzt allerdings noch viel zu wünschen übrig läßt, hat man winzige krystallinische Körperchen gefunden, die innerhalb des Organs gebildet werden. Leider weiß ich nicht zu sagen, ob an sie der Leuchtvorgang ge- bunden ist. Da ich einmal bei den Käfern bin, will ich noch erwähnen, daß die Flüssigkeit (Buttersäure), welche die Bombardierkäfer (Brachinus crepitans und Br. explodens) gegen ihren Feind spritzen, leuchten soll. Man soll aber nichts unversucht lassen ; deshalb habe ich fleissig Steine gewendet und mir eine ganze Anzahl dieser niedlichen Lauf- käferchen verschafft. Diese habe ich dann in ein Glas gesperrt und bei Nacht mit einem Haar- N. F. III. Nr. 5 Naturwisseiischaftliclic Wochenschrift. 67 pinsel gereizt. Die Butlersäure wurde, wie mir meine Ps'ase bezeugte, in Massen vergeudet, aber sie tat mir nicht den Gefallen, zu leuchten. Man sagt noch einer ganzen Menge Insekten nach, daß sie leuchten sollen, und wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich Henry Gadeau de Kerville, „Die leuchtenden Tiere und Pflanzen", übersetzt von W. Marshall (Leipzig, J. J. Weber. 3 Mk.). Mancher Leser wird vielleicht noch an an den berühmten Laternenträger, eine Zikade, denken; doch gehen die Berichte über sein Leucht- vermögen weit auseinander. Der südamerikanische Laternenträger hat zwar einen sehr lichtvollen Namen (Fulgora laternaria), aber neuere Beobachter haben an dem Tier kein Licht wahrnehmen können. Fig. 1. Pyrophorus noctilucus (Surinam). Nat. (Iröüe. und seine blasig vorgewölbte Stirn leuchtet sicher ebensowenig wie die des seltenen kleinen Laternen- trägers Pseudophaiia europaea, den ich einmal bei Dresden gefangen habe. Mit den Insekten nahe verwandt sind die Tausendfüßler, unter denen es tatsächlich leuch- tende Vertreter gibt, die aber trotzdem kein be- sonderes Organ hierfür besitzen. Bis jetzt habe ich nur die Bekanntschaft des kleinen Geophilus electricus gemacht, und zwar im Seminargarten zu Weißenfels. An seiner ganzen Oberfläche sondert dieses Tierchen einen leuchtenden Schleim ab, auch die abgestreiften Teile leuchten weiter, sodaß er eine phosphoreszierende Si)ur hinterläßt. zeitweilig wuchern Bis jetzt habe sprochen ; ehe ich .Auch einem leuchtenden Regenwurm (Alle- lobophora foetida), der sich durch ein stinkendes Sekret übel bemerkbar macht, und den meine Kröten und Salamander beharrlich verschmähten, kann man gelegentlich begegnen. Ich selbst habe an dem Wurm nichts dergleichen wahrnehmen können und vermute das Vorhandensein von Mikro- organismen, die in dem abgeschiedenen Schleime und das Leuchten verursachen, ich nur von Landtieren ge- aber zu den Bewohnern des Meeres übergehe, will ich noch kleiner Organismen gedenken, die eine gewissermafSen vermittelnde Stellung einnehmen, der sogenannten Photobakterien. Sie finden sich z. B. auf frischen Knochen und verraten dann ihre Anwesenheit im dunkeln Zimmer durch phosphoreszierende Flecke. Leider sind die Leuchtbakterien sehr kurzlebig und werden bald durch die eintretende Fäulnis vernichtet. I^Grüne Heringe und andere Seefische leuchten sehr leicht. Zu genießen sind solche Fische trotz der .Anwesenheit des Mikroorganismus. Sein Vor- handensein ist durchaus kein Zeichen eingetretener Fäulnis, sondern im Gegenteil, es garantiert sogar für frische Ware. Bei beginnender Fäulnis hört das Leuchten auf. Mein Fischlieferant sagt immer: ,, Solange noch Phosphor daraufist, sind die Heringe noch gut." .Sehr ergötzlich zu lesen ist, was Prof. Marshall über seine Bekanntschaft mit den Leucht- bakterien erzählt(SpaziergängeeinesNaturforschersj: „In Leiden, als ich noch .Assistent am Reichs- museum war, habe ich auf dem Gebiete der Phos- phoreszenz persönlich einmal eine in der Tat „glänzende" Erfahrung gemacht. Ich hatte von Fischersleuten einen jener seltsamen großen P'ische, die man Mondfische oder schwimmende Köpfe (Orthagoriscus mola) nennt, erworben, der, als ich ihn erhielt, schon nicht mehr ganz frisch war. tat aber nichts zur Sache. Meinem Eifer, ich damals 22 Jahre alt, erschien der Geruch, das Vieh im Laufe der ziemlich langwierigen Zergliederung entwickelte, eine Kleinigkeit, obwohl er das ganze Parterre des Museums verpestete, bis mein X'orgesetzter, der gute alte Schlegel, der sonst wahrhaftig in solchen Sachen nicht empfind- lich war, endlich ein Einsehen hatte und die faule Bestie kurzerhand entfernen ließ. Es war ein toller Gestank, der sich in meine Kleider, ich glaube selbst in die Gewebe meines Körpers fest- nistete; wenigstens liefen mir die Hunde auf der Straße nach und ich konnte ein paar Monate keinen Fisch essen. Kurz und gut, ich hatte während jener Tage einmal etwas in meiner Stube auf dem Museum, deren Fenster nach meinem Weggang mit Läden geschlossen wurden , vergessen und betrat vielleicht um 8 Uhr, es war im Herbst und schon dunkel, ohne Licht das Lokal. Gott, welche Pracht bot sich meinen erstaunten Blicken! Der Fisch, die Tafel, auf welcher er lag, die Tücher und Instrumente, welche ich benutzt hatte, da und dort auf dem Boden und an den Möbeln Flecken, auf welche vielleicht Stückchen Fleisch gefallen Das war den 68 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 5 waren oder die meine beschmutzte Hand berührt hatte, alles, alles in einem prachtvoll grünlichen lebhaften Lichte und überzogen wie von einem strahlenden Samtl" (Anm. d. Verf: Sicherlich hat der Fisch einen intensiven Seefischgeruch be- sessen und nur an den ersten Tagen geleuchtet.) — Bringt man etwas von dem leuchtenden Schleim eines Seefisches unter das Mikroskop, so kann man bei starker Vergrößerung auch den Erreger des Lichtes wahrnehmen, nämlich kleine runde Körperchen. Diese sind die Leuchtbakterien, und sie gehören wegen ihrer kugeligen Form zu den Mikrokokken. Man kann sie auf Kartoffeln kulti- vieren, die in starkem Salzwasser gekocht sind, oder auch wie alle anderen Bakterien in Nähr- gelatine. Leider verflüssigen sie sehr bald das Nährmaterial und fallen dann dem Verderben anheim. In neuerer Zeit hat sich besonders R. Dubois (Paris) mit dem von ihnen ausgestrahlten Lichte beschäftigt. Seine Resultate hat er niedergelegt in: Über Beleuchtung mit kaltem physiologischem, sog. lebenden Lichte. Der kurze Inhalt ist fol- gender: Physiologisches Licht enthält die größte Menge Strahlen mittlerer Wellenlänge mit einem Minimum von Wärme und chemischer Strahlung. Die Schwierigkeit, es in hinreichender Intensität zu gewinnen, glaubt der Verfasser mit Hilfe der Photobakterien bei Anwendung einer von ihm aus- probierten Nährflüssigkeit überwinden zu können. Er hat auf diese Weise während der Pariser Aus- stellung im Palais de l'Optique ein Zimmer soweit beleuchten können, wie es etwa der Mondschein- helligkeit entspricht. Das Licht wirkt erst in mehreren Stunden auf die photographische Platte ein, geht durch Holz und Karton, aber nicht durch Blattaluminium. Die meisten leuchtenden Organismen beher- bergt das Meer. Zu verwundern ist, daß die Ge- lehrten des klassischen Altertums sich scheinbar nicht um das Meeresleuchten gekümmert haben. Aristoteles erwähnt es nicht, und nur Plinius er- wähnt einen leuchtenden Plsch, den er auch genau beschreibt, den es aber gar nicht gibt. Der erste, der des herrlichen Schauspiels gedenkt, ist Amerigo Vespucci. Erst im i8. Jahrhundert entdeckte man die Träger des Leuchtens. Das Meeresleuchten hat nach dem jeweiligen Stande der Naturwissen- schaft eine verschiedene Deutung erfahren. Als Brand im Jahre 1699 zu Hamburg im Urin nach Gold suchte und statt dessen den Phosphor fand, musste die eigentümliche Lichtentwicklung bei seiner langsamen Verbrennung zur Erklärung des Meeresleuchtens herhalten. Alexander v. Humboldt wiederum will es als eine elektrische Erscheinung aufgefaßt wissen und stellt es mit Elmsfeuern, Blitzen und Nordlichtern zusammen. Ganz klar ist man sich heutzutage aber auch noch nicht darüber. Am Meeresleuchten beteiligen sich verschiedene Infusorien und Algen. Zu den ersteren zählt vor allen Dingen das Kranztierchen Noctiluca miliaris und das quallenähnliclic Infusor Leplodiscns, und zu den Algen zählen die von der Challenger- Expedition als leuchtend erkannten Pyrocystis- Arten. — Noctiluca miliaris kommt in der Nord- see vor. Das Tierchen nimmt dieselbe Fläche ein wie ein Haarquerschnitt und hat die Gestalt einer Pfirsiche, d. h. es ist kugelrund und besitzt eine Furche. Die Stelle des Stieles vertritt ein kurzer sich nur langsam bewegender Geißelfadeii. Das Tierchen ist einzellig und das Licht strahlt von dem protoplasmatischen Inhalte aus. Gerade so winzig sind die scheibenförmigen Leptodiscen des Mittelmeeres. Die zigarrenförmigen Pyrocysten sind etwa i mm lang und im offenen Ozean unter den Tropen zu finden. Die deutsche, von Chun geleitete Tiefseeexpedition fand sie in der grossen Fischbai in Südwest-Afrika. Der Bericht darüber lautet folgendermaßen : „Es machte einen fast märchenhaften Eindruck, als am Abend nach un- serem Eintreffen die Oberfläche des Wassers zu phosphoreszieren begann und sich ein Raketen- feuer von Hunderten glühender Streifen entwickelte, die ebenso rasch wieder verschwanden , als sie auftauchten. Es waren grosse Fische, welche bei dem Durchschneiden des Wassers die massenhaft an der Oberfläche angestauten niedersten Organis- men (Diatomeen und Pyrocystis) zum Leuchten Israeliten." — Die Erscheinung des Meeresleuchtens kann man bis in die Polargegenden beobachten. Am intensivsten leuchten immer die Wellen- kämme, überhaupt die Stellen, wo mechanische Reize auf die Organismen einwirken, ganz gleich, ob sie von Kiel und Schiffsschraube oder von Fischen verursacht werden. Nahe der Meeresoberfläche schwimmen auch größere Tiere, welche Leuchtvermögen besitzen, so die Rippenquallen (Tiara), der bandartige Venus- gürtel (Cestus veneris), ferner die zu den Würmern gehörenden unter dem Namen Pyrosomen (Feuer- leiber) bekannten Tierkolonien , die einem hohlen Tannenzapfen ähnlich sehen. Weiterzählen hierher die von Prof. Dr. Rieh. Greeff-Marburg beschriebenen Würmer der Gattung Tomopteris, die zu den Ringelwürmern (Anneliden) gehören. Sie sind nur 2 cm lang, flach gebaut und tragen an ihren Fußstummeln rosettenförmige Leuchtorgane. Ein festsitzendes leuchtendes Tier, das sich Höhlen in Stein, Sand, Holz u. s. w. bohrt und sich damit selbst ein Gefängnis bereitet, ist die Bohrnuischel (Pholas dactylus). Sie sieht einer gewöhnlichen Flussmuschel ähnlich. Sie besitzt zwei stark leuchtende Flecke und einen ebensolchen Streifen auf dem Mantel (das ist die den Schalen anliegende schleimige Haut) und zwei Leuchtstreifen auf der röhrenförmigen Verlängerung desselben, dem Atem- sipho, den sie aus ihrer Höhle herausstreckt. Der von den genannten Stellen abgesonderte Schleim leuchtet, auch abgestreifte Teile desselben leuchten, sogar an getöteten Tieren leuchtet er noch weiter. Die Zusammensetzung des Stoffes ist meines Wissens noch nicht bekannt. Einen Namen hat er aber schon bekommen, nämlich Luciferin. Bei dieser Bohrmuschel kann man die Frage aufwerfen, wozu N. F. III. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 69 denn das Tier in seiner Höhle, die manchmal so- gar recht tief ist, das Licht braucht. Sicherlich dient es dazu, winzige Organismen herbeizulocken, die der Muschel dann zur Nahrung dienen. Aber nicht nur die bis jetzt angeführten Tiere sind mit Leuchtkraft begabt, sondern fast sämt- liche im Meer vorkommenden Tierklassen weisen leuchtende Vertreter auf. Leuchtorgane sind be- sonders bei Tiefseetieren eine ganz allgemeine Er- scheinung. Wir sind nun schon so weit biologisch geschalt, um ohne weiteres eine Erklärung dafür abgeben zu können. Entweder dienen die Organe bei plötzlichem Aufleuchten als Schreck- und da- mit als Schutzmittel für ihren Träger, andererseits dienen sie der Anlockung von Nahrung. In dem Dunkel der Meerestiefe müssen die mit Leucht- apparaten ausgerüsteten Tiere wie Laternen er- scheinen, nach deren Lichte wieder solche Lebe- wesen hinstreben, die von der Natur nicht in gleicher Weise bedacht worden sind, den Leucht- tieren aber zur Nahrung dienen. Um nun einen Begriff von dem Bau und der Funktionsweise eines Leuchtorgans zu geben, seien zwei Fische einer spezielleren Betrachtung unterzogen mit Beziehung auf die Untersuchungen des Herrn Dr. Brandes- Halle, der mir in der liebenswürdigsten Weise sein gesamtes mikroskopisches Material zur Verfügung stellte. Nebenstehende Abbildung stellt ein im Mitlei- meer pelagisch lebendes Fischchen, Argyropelecus hemigymnus, dar, dessen wissenschaftliche Be- nennung es vollständigf beschreibt. Es ist axt- FiP Argyropelecus hemigymnus. Mittclmccr. Nat. Größe. förmig gestaltet und halb mit fleischfarbener, halb mit silberglänzender Haut bedeckt. Es hält sich für gewöhnlich in einer" Tiefe von 5 — 600 "^ auf, kommt aber nachts gelegentlich an die Ober- fläche. Die abgerundeten länglichen Flecken sind die Leuchtorgane. Da die Organe in der Hauptsache nach aussen von gallertiger Beschaffenheit sind, die Gallertmasse aber nach dem Tode gerinnt, so nehmen dieselben , da sie außerdem noch einen spiegelnden Hintergrund besitzen, Perlmutterglanz an. Diese Flecken waren nun auch schon längst unter dem Namen ,, perlmutterglänzende Flecken" bekannt, ehe durch Beobachtung festgestellt wurde, dass sie Leuchtkraft besitzen. Nebenstehende Zeichnung nach einem Quer- schnitt durch ein Paar .Schwanzorgane will ich in folgendem erläutern. Am besten läßt sich das Leuchtorgan mit einer Düte vergleichen, die unter die schuppenlose Körperwandung gesteckt worden ist und deren große seitliche Öffnung mit der Haut eine Ebene bildet. Die Wandung der Düte (r) besteht aus langen Bindegewebszellen, in welche Guaninkalk eingelagert ist, der ja, wie ich hier neben- bei erwähnen will, den Silberglanz aller Fischhaut und aller Fischschuppen verursacht. Durch die Rundung zur Düte ist ein parabolisch gekrümmter Reflektor zustande gekommen. Die Außenseite / Fig. 3. Leuchtorgane von Argyropelecus hemigymnus. Untere Hälfte des Schwanzes. Querschnitt. 100 mal vergr. des Reflektors ist mit einer dichten Pigmentschicht belegt. Im Zipfel der Düte (die äußerste Spitze muß sich der Leser abgeschnitten denken) liegt ein großer Haufen kugeliger Drüsenzellen (d) und zwischen ihnen in Bindegewebe eingebettet liegen Nerven und Adern. Diese einzelligen Drüsen sondern verhältnismäßig große stark lichtbrechende Körperchen ab, die als Leuchtkörper anzusehen sind. Vor diesem Drüsenhaufen liegt eine Bikonkav- linse (1), die aber bei dem hier abgebildeten Organ noch eine ebene Austrittsfläche hat. Diese letztere liegt der durchsichtigen Körperwandung direkt an, während die untere konkave Seite gegen den Reflektor gerichtet ist. Der noch übrig bleibende Raum ist von Gallertgewebe (g) erfüllt. Wir haben also in diesem Organ eine regelrechte Blendlaterne vor uns, welche alles Licht senkrecht zur Körperwandung nach außen wirft. — Die Drüse des hier abgebildeten Organs speist gleich- 70 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. m. Nr. 5 zeitig die Lampen der linl / / / w / •^ / / o / ( » / o o / o o / •/ • •/ ' • 0,015 0,015 1,50 1,55 1,60 1,65 B'ig. 4. Graphische Darstellung der Farbenzerstreuungs- und Brechungsvermögen verschiedener Glassorten. — 100 — 50 o +5° -|-ioo +'5° Figur 5. Die Farbenabweichung verschiedener Fernrohrobjek- tive, graphisch dargestellt. Welche Fülle von Gläsern mit ganz neuen Eigenschaften durch Beimengung gewisser Stoffe, wie Baryt, Borsäure, Phosphaten und Zink, in Jena erschmolzen wurde, läßt die graphische Darstellung Figur 4 erkennen, in welcher die Farbenzerstreuungs- und Brechungsvermögen der älteren Gläser durch schwarze Kreise, die der neuen Abbe-Schott'schen Gläser durch leere Kreise dargestellt sind. Man sieht, wie die älteren Gläser sämtlich nahe der Diagonale des großen Rechtecks liegen, so daß also bei ihnen erhöhter Brechbarkeit stets auch größere Farbenzerstreuung entsprach, während die neuen Gläser zum Teil stark nach der rechten Seite hin von der Diagonale abweichen, was soviel bedeutet, als daß man mit ihrer Hilfe starke Brechung bei relativ geringer Farbenzerstreuung erreichen kann. Es gelang durch diese vergrößerte Auswahl unter den zur Herstellung der Linsen benutzten Mate- rialien, Flintgläser zu erhalten, die ein Spektrum erzeugten, das dem mit Crownglas entworfenen in allen Teilen kongruent war (vgl. den unteren Teil der Mgur l), so daß nunmehr das sekundäre Spek- trum fast völlig beseitigt werden konnte. Fig. 6. Der dadurch ermöglichte Fortschritt kam eben- sowohl den Fernrohren , wie den Mikroskopen zugute. Unsere Figur 5 läßt den Vorzug der mit Benutzung der neuen Glassorten hergestellten Zeiß- schen Objektive gegenüber den älteren Meister- werken eines Fraunhofer, Clark oder Grubb deut- lich erkennen. Die senkrechte Linie 00 würde das ideale Objektiv darstellen, bei welchem die Farbenabweichung für alle Wellenlängen (hier Or- dinaten) gleich Null ist. Man sieht, wie außer- ordentlich nahe das Jenaer Objektiv an dieses Ideal heranreicht und wird es daher gerechtfertigt finden, wenn man dasselbe zum Unterschied von den gewöhnlichen, achromatischen Gläsern einen Apochromaten genannt hat. Ein apochromatisches Mikrosko]3objektiv für homogene Immersion ist nun freilich auch ein auf Grund sorgfältigster theo- retischer Berechnungen entstandenes, mechanisches Kunstwerk, besteht es doch, wie Figur 6 zeigt, aus nicht weniger als 10 einzelnen, zum Teil freien, zum Teil miteinander verkitteten Linsen aus den verschiedensten Glassorten, ja mitunter sogar aus natürlichem Flußspat. Kleinere Mitteilungen. Die nach eniem Urheimat auf der Cassel gehaltenen Vortrag von Dr. Ludwig W i 1 s e r. — Unter den großen Aufgaben der des Menschengeschlechts, Anthropologie, den „Welträtseln", waren besonders Naturforscherversammlung in zwei, deren Lösung mit Anstrengung erstrebt, mit N. F. III. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 75 Spannung erwartet wurde, der Ursjjrung des Mensclien und die arische Frage. Nach den Er- gebnissen der schwedischen Volksuntersuchung darf diese wohl als gelöst gelten, über die erste aber herrschen noch sehr verworrene und wider- sprechende Ansichten. Nur soweit haben sich die Meinungen geklärt, daß, während einerseits der Widerspruch gegen die tierische Abstammung des Menschen verstummt, man andererseits die Groß- affen nicht mehr als unsere unmittelbaren Vor- fahren, sondern als unsere nächstenSeitenverwandten im Tierreich betrachtet. Wie die gemeinsamen Vorfahren beschaffen waren, läfSt sich, da sie fossil nicht gefunden sind, und auch schwerlich zu finden sein werden, nur vermuten, doch müssen wir ihnen notwendigerweise solche Eigenschaften zuschreiben, die sich ebensowohl zu menschlichen wie zu äffischen entwickeln konnten. Mit Hilfe der Ein- bildungskraft läßt sich daher folgendes „Ahnenbild" entwerfen : mittelgroße, dicht behaarte, schwanz- lose Geschöpfe mit entwicklungsfähigem, aber noch kleinem Gehirn, kräftigen Kiefern und Zähnen, ungefähr gleich langen Vorder- und Hinterglied- maßen mit Greifhand und Greiffuß. Was den einen Zweig dieses Stammes, die späteren Groß- affen, veranlaßt hat, sich ausschließlich ans Baum- leben zu gewöhnen, den anderen, die späteren Menschen, dies gänzlich aufzugeben, läßt sich mit Sicherheit nicht mehr entscheiden, nur darin sind die meisten Forscher einig, daß der aufrechte Gang die höhere Entwicklung eingeleitet und ermöglicht hat. Lamarck's geistvolle Schilderung dieses Werdeganges ist durch die überraschende Ent- deckung des Pithecanthropus erectus, eines Vor- menschen mit aufrechtem Gang aber noch un- entwickeltem, fast tierischem Gehirn aufs glän- zendste bestätigt worden. Der menschliche Fuß, dem veränderten Gebrauch in vollendeter Weise angepaßt, ist in seiner Art ein eben solches „Meisterstück der Natur" wie die Hand. Auf welchem Schauplatz aber haben sich diese Um- gestaltungen, Anpassungen und Neuerwerbungen abgespielt? Aus den heutigen Wohngebieten der Großaffen hat man geschlossen, das W'erdeland des Menschen sei zwischen den Wendekreisen, in Afrika oder Ostasien, zu suchen, und der Fund des Pithecanthropus hat dieser Auffassung neue Nahrung gegeben. Trotzdem ist dies ein Trug- schluß. Nicht wo wir eine bestimmte Tierart lebend, sondern wo wir die versteinerten Knochen ihrer Vorfahren antreffen, befinden wir uns in der Nähe ihres Ursprungs. Wie in der Wüste, selbst wenn der Wind alle übrigen .Spuren verweht hat, der Weg einer Karawane an den Gerippen ge- fallener Lasttiere zu erkennen ist, so verraten zer- streute Versteinerungen dem kundigen Forscher die von den einzelnen Tierstämmen bei ihrer Ver- breitung über den Erdball eingeschlagene Richtung. Man kann daher von vornherein sagen, daß, wo fossile Knochen ausgestorbener Großaffen und niederer Menschenrassen zusammen vorkommen, beider Ursprungsland nahe sein muß. Dies trifft aber für keinen anderen Weltteil als für den unsrigen zu. Während im europäischen Boden Schädel- bruchstücke, Knochen und Zähne von mindestens drei verschiedenen Arten menschenähnlicher Affen, Dryopithecus Fontani, Pliopithecus antiquus und Pliohylobates eppelsheimensis, gefunden worden sind, ist nur eine außereuropäische, der Palaeo- pithecus sivalensis, bekannt, deren Fundort, die Siwalik Hills im nordwestlichsten Pendschab, von Europa nicht weiter als von Afrika oder Insel- indien entfernt ist. Bei uns mehren sich die Funde von Knochen tiefstehender Menschenrassen von Jahr zu Jahr; in überseeischen Ländern aber sind solche mit einziger Ausnahme von Amerika, nicht gemacht worden, und der zugleich best- beglaubigte und älteste, von Santos in Brasilien, gibt sich durch seine oberfläche Fundschicht unter einem Muschelhaufen, wie durch die Schädelbildung als jünger zu erkennen. Wie die Strahlen eines Fächers laufen in Europa die Richtungslinien für die Verbreitung der Großaffen und der Menschen zusammen, und der Ort, wo sie sich schneiden, das gemeinsame Verbreitungszentrum, kann daher nur nordwärts, in heute von Meeresfluten oder ewigem Eise bedeckten Gebieten, der sog. „Arkto- gäa", gesucht werden. Auch von keinem anderen der großen Säugerstämme, die sich mit dem Menschen über die Erde verbreitet haben, ist das Ursprungsland bekannt; der Bildungsherd der Säugetiere muß daher in unerforschlichen und un- zugänglichen Teilen des Erdballs liegen. Im Nord- polarmeer — der Südpol fällt auf Land — ist das erste Leben entstanden, an seinen Küsten haben sich die ersten Landbewohner, später Warmblüter und Säugetiere entwickelt, und von hier aus über alles zugängliche Land verbreitet. Die ältesten Wellen bestanden aus Geschöpfen niederster, die letzten aus solchen höchster Entwicklungsstufe. Die fortschreitende Abkühlung der Erde hatte un- geheure Niederschläge aus der früher viel wär- meren und daher wasserhaltigeren Luft zur Folge und ist somit die gemeinsame Ursache für die Eiszeit wie für die Erhöhung des Meeresspiegels. Der erste, der für den „paläarktischen" Ursprung des Menschen eintrat, war Moritz Wagner, doch dürfen seine Ansichten nicht mit den meinigen verwechselt werden ; wenn er behauptet „die Eis- zeit hat den Menschen gemacht", sage ich „sie hat den weißen Mann geschaffen". Der Pithec- anthropus, besser Proanthropus erectus gehört einer vorläufigen Welle an, die mit der sie begleitenden Tierwelt auf Java ausgestorben ist. Seine Fund- schicht ist jünger als die des europäischen Ur- menschen, Homo primigenius; als der Vormensch den Gleicher erreichte, gab es bei uns schon richtige, wenn auch noch tiefstehende Menschen. Da sie mit großen, allgemeingültigen Entwicklungs- gesetzen in unvereinbarem Widerspruch stehen, wäre es verlorene Mühe , die für einen südlichen Ursprung, so neuerdings für Australien, vorge- brachten Scheingründe im einzelnen zu widerlegen. Die Frage nach der Urheimat des Menschen- 76 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 5 geschlechts hat nicht nur theoretische , sondern auch die größte praktische Bedeutung; unter der Herrschaft äherer Anschauungen war es, wie die Erfahrung gelehrt hat, nicht möglich, richtige Vor- stellung-en über Verbreitung, verwandtschaftlichen Zusammenhang und geschichtliche Bedeutung der Menschenrassen zu gewinnen. (x) Inwiefern werden Insekten durch Farbe und Duft der Blumen angezogen? betitelt sich eine Arbeit Eugen Andreae's, die soeben in den Beiheften zum Botan. Zentralblatt erschienen ist. — Der Zweck dieser Arbeit besteht in dem Nachweise, inwiefern Felix Plateau recht hat mit seinen Untersuchungen, daß die Insekten lediglich durch den Duft angezogen werden, sodann in der Antwort auf die Frage, ob die F'arbe in manchen Fällen nicht auch ein maßgebendes Anziehungs- mittel sein könne zur Bestäubung der Blumen- pflanzen. Plateau glaubt auf Grund seiner Experi- mente eine Wirkung der Farben entschieden ver- neinen zu müssen. Christian K. Sprengel schrieb der Farbe und der Gestalt eine Anziehungskraft schon auf Entfernungen zu. Darwin teilt im all- gemeinen die Meinung Sprengel's, ohne eine Spezial- wirkungf der Farbe zu betonen. Mit noch größerer Zurückhaltung für den Effekt der Farbe äußert sich Frederico Delpino, von dem wir auch eine Einteilung der Blumenfarben haben. Das Ver- dienst, an den Insekten zuerst Experimente an- gestellt zu haben, muß Bonnier und Lubbock zu- geschrieben werden. Sie beide gingen aus von der Frage, ob die Farbe überhaupt anzieht. Her- mann Müller stellte Experimente so an : er legte zwischen zwei Glasplatten Blumenblätter verschie- dener Farben, versah jede dieser Platten mit einem Honigtropfen und beobachtete, ob die von ihm bezeichneten Bienen eine Farbenauswahl trafen, und er kam zum Schlüsse, daß eine Farbe vor der anderen bevorzugt wurde. Daß die F'arbe überhaupt anzieht, ist für Müller eine ausgemachte Sache; ihm kam es mehr darauf an, eine Selek- tion zu konstatieren, mit welcher er die vorhan- handenen Farben und P"ormen der Blumen in der Natur erklären wollte. Anton Kerner von Marilaun sagt u. a. : „Man könnte glauben, daß der Duft allein schon zur Anlockung der Insekten genügen würde; es muß aber doch wohl anders sein, denn sonst wäre es nicht begreiflich, warum die ver- schiedenen nach Aas duftenden Aristolochien, Sta- pelieii, Rafflesien und Balanophoreen neben dem Dufte auch noch die Farben des Aases an sich tragen. Wieviel bei dieser Anlockung auf Rech- nung der Farbe, wieviel auf Rechnung des Duftes kommt, ist freilich schwer zu entscheiden, und es wäre verfrüht, schon jetzt hierüber ein end- gültiges Urteil abzugeben." Andreae's — unter Stahl's Leitung in Jena — an- gestellte Experimente ergaben nun das Resultat, daß die Blumenfarben in der Tat in dem Sprengei- schen Sinn aufzufassen sind. Er beobachtete in Jena, am Comersee und in Corsica; niemals hat er ein negatives Resultat erzielt, was nach der Behauptung Plateau's: nur der Duft zieht die In- sekten an, doch wohl hätte sein müssen. Um die Art der angestellten Experimente auf- zuzeigen, sei als Beispiel eines im folgenden be- sprochen. In einem Beete standen ungefähr 30 bis 40 Exemplare von Eranthis hiemalis. Die be- suchenden Insekten waren Apis mellifica und Musca domestica. Zwei Meter von dem Beet wurden gelbe künstliche Blumen aus Stoff und Papier auf- gestellt. Die Honigbienen umschwärmten haupt- sächlich das Eranthis-Beet, nahmen aber auch die künstlichen Blumen wahr, flogen heran und dann wieder weg; manchmal eine herzu, zurück und wieder herzu, gleichsam, um sich zu überzeugen. Innerhalb der Zeit einer Stunde sah A. wenigstens zehn Honigbienen sich auf die künstlichen Blumen niedersetzen; drei hielten sich über eine halbe Minute auf derselben auf, um Putzgeschäfte zu ver- richten. Eine machte den Versuch, in eine Krone einzudringen, flog aber gleich wieder weg. Zu einem Kontrollversuch nahm A. eine Glas- glocke. Sie wurde über eine Eranthis gestülpt. In der ersten Viertelstunde flogen vier Honigbienen an die Glasglocke. Als diese sich jedoch mit Feuchtigkeit beschlagen hatte, wurden die darinnen befindlichen Blumen ignoriert. A. stellte dann wieder gelbe künstliche Stofi'blumen hin, und diese wurden innerhalb einer Stunde achtmal beflogen. Nach der Entfernung der Glasglocke besuchten die Honigbienen die Eranthis wieder. Bei einem 2. Kontrollversuch flogen die Honig- bienen mit dem Winde. A. nahm drei dünn- wandige Bechergläser und stellte sie, den Boden nach unten, am Rande des Beetes auf. Das erste Glas enthielt zehn Eranthis-Blüten, von welchen die Korollen entfernt waren ; das zweite Glas ent- hielt zehn vollständige Eranthis-Blüten. Das dritte Glas war um zwei Schritte von dem anderen ent- fernt und enthielt nur die gelben Blätter der Blütenhülle. In dem ersten und zweiten Glas fanden sich gleich viele Musca domestica vor. In dem dritten Glas waren keine (es enthielt nur die gelben Fetalen). Von den Honigbienen flog eine in das erste Glas, zwei andere flogen nahe heran. In das zweite Glas, wo die vollständigen Blüten waren, flogen vierzehn hinein und zehn darum herum. Um das dritte Glas, wo nur Blumen- blätter waren, flogen vier herum und neun hinein. Aus diesen drei Versuchen ist folgendes mit Sicherheit zu entnehmen: Die Honigbiene geht an die künstliche Blume, und zwar wird diese nicht zufällig wahrgenommen, sondern : sie wird direkt beflogen. Bedford erzählt übrigens, daß eine Dame, deren Hut mit künstlichen Maiglöckchen geschmückt war, einige Zeit lang von einem Pieris brassicae ver- folgt wurde, der von Zeit zu Zeit den Versuch machte, sich auf die Blumen niederzulassen. Eine andere Tatsache wird von Blanchard be- richtet. An den Zimmerwänden eines Hotels, in welchem er sich aufhielt, waren große rote Blumen N. F. III. Nr. 5 Naturwissciiscliaftliche Wochenschrift. n gemalt; diese wurden regelmäßig beflogen von einem Schwärmer, und nie flog derselbe an die Decke, welche mit grünen Ranken und Blättern bemalt war. Schließlich experimentierte auch Reeker in Münster mit künstlichen Kornblumen und mit nach- geahmten Blumen von Ranunculus acer und auch seine Versuche ergaben „ein so übereinstinmiendes positives Resultat", daß er auf weitere verzichten durfte. Es ist offenbar, daß Insekten, welche eine laufende Lebensweise haben, auf den Duft mehr reagieren müssen als auf die Farben, weil der Boden gleichmäßig abgetönt ist und der Duft, welcher infolge der porösen Eigenschaft besser diesem Substrate adhäriert, als der Luft, jenen Insekten als Leitmittel ihrer Triebe dient. So be- obachtete A. auch im Monat Oktober die Coleop- teren in Corsica bei Ajaccio und sah, daß die ver- schiedenen Arten der Scarabaeen und Geotropinen anders zu ihrer Nahrung geführt werden, als dies von H)-menopteren bekannt ist. Es liegt daher der Schluß nicht fern, daß mit der laufenden Lebensweise korrelativ der Geruchs- sinn eine höhere Ausbildung erfährt, während bei der fliegenden Lebensweise und bei großer Lebens- dauer der Gesichtssinn in dem Maße sich ver- schärft, als der Flug an Geschwindigkeit zunimmt. Es ist dies eine Konvergenzerscheinung, wie die- selbe auch dem Stamme der Vertebraten und bei einigen Säugern und Vögeln wiederkehrt und die bei der verschiedenen Lebensweise der Tiere sich verschieden äußert. Diese Erörterung aber führt uns zu der wichtigen Unterscheidung zwischen biologisch niederen und höheren Insekten, Iimer- halb der Ordnung ist jeweilen hoch und nieder zu unterscheiden. Jene zeichnen sich aus durch kurzen Flug; kurze Lebensdauer im Endstadium, hohes Geruch- vermögen und geringes Sehvermögen. — Diese hingegen sind gekennzeichnet durch einen langen direkten Flug, eine relativ lange Lebensdauer und durch einen scharfen Gesichtssinn. Diese Llnter- scheidung kann aber keine absolute sein. Die mannigfachen Infloreszenzen und die Ko- rollen mit Kontrastfarben sind denn hauptsächlich diesen biologisch hoch differenzierten Insekten an- gepaßt, während die anderen stark duftenden Blumen ohne Kontrastfarben vorwiegend die Auf- gabe haben, die biologisch niederen Insekten herbei- zulocken. Die Prosopis und Anthrena reagieren ganz anders auf Düfte als die höheren .Apiden. Denn während bei Apis, Osmia, Anthophora, An- thidium die F'arben aus großen Entfernungen diese Tiere herbeiziehen, was man entnehmen kann aus dem direkten und schnellen Flug nach einem fixen farbenprächtigen Gegenstand, so ist dieser Flug bei niederen Bienen ein ganz anderer. Er ändert seine Richtung, und zwar jedesmal nach derjenigen Seite, von welcher der diffuse Duftstoff entströmt. Aber auch diese Tiere nehmen die I-'arben wahr, doch nur in der nächsten Nähe, wie man aus Ex- perimenten ersehen kann. Ebenso die Dipteren. Ein Eristalis verhält sich anders gegenüber den Farben als eine Mücke. Und Bombilius Volucella, zwei hochentwickelte Fliegen, reagieren sehr wenig auf Düfte. Schon August Forel sagt: Ihren Weg in der Luft finden jedoch die F'liegen keineswegs mit dem Geruch, sondern mit dem Auge. Das hat jedenfalls seine Richtigkeit für die hoch- entwickelten Dipteren. Beobachtungen an Nachtinsekten ergeben, daß Dämmerungsinsekten (wie Museiden) mit ihrer höchst kurzen Lebensdauer zu den biologisch niederen Insekten zu zählen sind, denn für die höheren Tagesinsekten sind die F'arben mit dem Substrate, an welches sie gebunden sind, schon wirksam aus Entfernungen , nicht aber für die niederen Insekten. Dabei ist vor allem zu bemerken, daß eine in der heutigen Systematik, welche auf die Mor- phologie hauptsächlich Bezug nimmt, tiefstehende Art nicht durchaus zu den biologisch niederen Insekten zu zählen ist. Es ist leicht einzusehen, wozu die Tagesblumen vorwiegend Kontrastfarben und lebhaft gefärbte Blumen aufweisen, und die Nachtblumen im all- gemeinen starken Duft und Blumen mit matten F'arben haben, und umgekehrt Xi&X. sich auch schließen, daß der penetrante Duft bei den Tages- blumen höchstwahrscheinlich zur Anlockung der niederen Insekten dient. Eine Mittelstufe zwischen Tages- und Nachtblumen würden wir in den Wald- blumen finden, die bei starker Färbung auch stark- duften, um in ihrer verdeckten Stellung leichter wahrgenommen zu werden. Wenn eine Anziehungskraft der Farbe für In- sekten auf Entfernungen hin erwiesen ist, so können wir solche interessante Beziehungen erklären, wie sie zwischen Blumen und Insekten auf den Ker- guelen vorkommen. Infolge der zahlreichen Stürme, welche dort herrschen, haben sich nur diejenigen Insekten erhalten können, welche eine laufende r.ebensweise angenommen haben. Durch Nicht- gebrauch verkümmerten die Flügel und gleich- zeitig werden wir gewahr, daß die Größe der bunten Korolle der Phanerogamen abgenommen hat. Diese ist eine „Flagge", durch welche die höheren Insekten von weitem herbeigelockt werden. Die Flügel, d. h. die Organe, welche das Tier an entlegene Orte trägt, werden rudimentär, und in gleicher Weise reduziert sich das anlockende Ob- jekt — die Korolle. Ein mutmaßlich neuer Stern ii. Größe ist am 21. September von Prof. M. Wolf in Heidel- berg entdeckt worden. Die Position des ein Nebel- spektrum zeigenden Gestirns ist für 1903,0: a= 303 "44' 55", (?=52"50' II". Ob es sich wirklich um eine Nova, oder nur um einen veränderlichen oder auch bisher einfach übersehenen Stern handelt, können erst weitere Ermittelungen ergeben. 78 Naturwissensrhaftlichc Wochenschrift. N. F. ni. Nr. 5 Der Gegenschein ist nach einer vom 24. Sept. datierten Mitteilung Prof. M. Wolfs zurzeit be- sonders auffällig. Der mit dem Zodiakalliclit durch ein schmales Band in Verbindung stehende Licht- fleck, der mit diesem Namen bezeichnet wird, be- findet sich stets in der Nähe desjenigen Punktes am Himmel, der der Sonne gerade gegenüberliegt, also um Mitternacht kulminiert. Nach Wolf er- scheint der Fleck gegenwärtig als ein rauchartiger Schleier von unregelmäl-^iger Form und mehr als 20 Grad Durchmesser. Natürlich ist die Sichtbar- keit eines so zarten Objekts nur aiif^erhalb der grof^en Städte unter günstigsten Witterungsver- hältnissen bei Abwesenheit des Mondscheins zu erhoffen. Eine Sternbedeckung durch Jupiter konnte am 19. September auf mehreren Sternwarten be- obachtet werden , nachdem B a n a c h i e w i c z in Moskau am Morgen desselben Tages telegraphisch auf dieses von den astronomischen Ephemeriden nicht angekündigte Ereignis aufmerksam gemacht hatte. Der bedeckte Stern war 6,5. Gröiäe. Be- deckungen von Fixsternen durch Planeten gehören zu den recht seltenen und von verschiedenen Ge- sichtspunkten aus interessanten Ereignissen am Himmelszelt. Im vorliegenden I-'alle wurde die Beobachtung durch starkes Walles des noch ziem- lich tief stehenden Planeten vielfach beeinträchtigt. Himmelserscheinungen im November 1903. Stellung der Planeten: Me rkur ist unsichtbar, Venus glänzt als Morgenstern s'/j — 4 Stunden lang. Mars kann abends noch etwa I ' ., Stunde lang im SW. gesehen werden, Jupiter ebenso ca. 7 Stunden und Saturn 3 Stunden lang. Sternbedeckung: Am 9. Nov. wird X Germinorum um 9 Uhr 39,7 .Min. abends M.E.Z. für Berlin durch den Mond bedeckt. Uer .\ustritt erfolgt um 10 Uhr 30,3 Min. Verfinsterungen der Jupitertrabanten: 3. Nov. 7 Uhr 20 Min. 14 Sek. ab. M.E.Z. I. Austritt 6. „ 7 „ 56 „ i-~, „ „ „ II. 8. „ 8 „ 57 „ 27 „ „ „ IV. EintriU 8. „ II ,, 45 ,, 29 ,, ,, ,, IV. Austritt 10- n 9 „ 15 .. 49 n „ „ I- M '3- M 10 „ 33 „ 19 „ „ „ II. „ 14- „ 6 „ 31 „ 24 „ „ „ 111. „ "7- .1 II >, II „ 26 ,, ,, ,, I. ,, 19- „ 5 .. 40 n 24 „ „ „ I. „ 21. ,, 7 ,, 38 ,, o „ „ ,, III. Eintritt 21. ,, 10 „ 33 ,, 23 ,, ,, „ III. Austritt 25- M 5 .. 54 ., 40 „ „ „ IV. „ 26. „ 7 ., 36 „ I „ „ „ I. „ Algol-Minima: .Am 10. um 9 Uhr 12 Min. abends, am 13. um 6 L hr 1 Min. abends und am 30. um lo Uhr 55 Min. abends. Aus dem wissenschaftlichen Leben. Die Kgl. Geologische Landcsanstalt und Bergakademie sammelt seit Jahren systematisch alle erreichbaren Ergebnisse von Tief- und Flachbohrungen, — sowohl die Proben wie Bohrregister, Schichtverzeichnisse etc., — und hat sich zur Erlangung möglichst sämtlichen diesbezüglichen Materiales so- wohl mit den zuständigen Staatsbehörden wie mit den größeren Bohrunternehmern, deren Adressen ihr zugänglich waren, in Verbindung gesetzt. Wenn nun auch jetzt jährlieh ein sehr groUes Material an Bohrproben und Bohrregistern bei der Anstalt einläuft und dort bearbeitet, systematisch geordnet und für die Verwendung zur Lösung wissenschaftlicher und praktischer Fragen aufbe- wahrt wird , so ist es doch olTcnbar, daß lange nicht alle Bohrunternelmier, besonders nicht die kleinen Brunnenmacher in abgelegenen Ortschaften, sich der kleinen Mühe unterziehen, die Proben und Bohrregister von Brunnenbohrungen einzu- senden. (Für die Unkosten von Transport und Verpackung kommt in jedem Falle die .\nstalt auf.) Auf diese Weise geht viel für die Wissenschaft und für die geologische Spezial- kartierung wichtiges Material jährlich verloren. Es wäre daher ein von der Geol. Landesanstalt mit Dank begrüßter Fortschritt, wenn sich Lehrer, Pastoren und sonstige Persönlichkeiten, die für die Wichtigkeit der Feststellung und .\ufsammlung der Ergebnisse derartiger vorübergehender .■Auf- schlüsse Verständnis haben, angelegen sein ließen, Bohrunter- nehmer und Krunnenmacher auf diese Bestrebungen der Kgl. Geol. Landesanstalt hinzuweisen und zur Einsendung von Bohrproben und Schichtverzeichnissen zu veranlassen. Eine .Anweisung zum sachgemäßen Sammeln und Aufbe- wahren von Bohrproben, sowie Kästchen zur Verpackung der- selben werden jederzeit unentgeltlich von der Kgl. Geol. Landcs- anstalt und Bergakademie (Berlin N. 4, Invalidenstraße 44) geliefert. Dr C. Gagel, Kgl. Landesgeologe. Bücherbesprechungen. Dr. med. Leo, N. Hat das iMe n seh enlebcn einen Zweck? Naturwissenschaftliche Betrachtung. Verlag von W. u. S. Loewenthal. Berlin (ohne Jahreszahl, erschienen 1903). — Preis 1.50 Mk. i '. Verf. versteht unter der im Titel angegebenen Frage die Untersuchung des Problems ,, welches natur- gesetzliche Resultat kann oder muß als notwendige Folge derjenigen Erscheinung erschlossen werden, deren Summe wir das geistige Leben eines Menschen nennen ?" Es soll also untersucht werden, inwieweit die mecha- nistische (monistische) Naturauffassung hinreicht, die Sittlichkeit zu begründen. Um das dtirchzuführen, bespricht Verf. zunächst die Grundlagen z.ir Erklärung der Naturerscheinungen, und damit der geistigen Tätigkeit. Er tut dies in einer den Unterzeichneten in- sofern nicht zusagendem Weise, als er dogmatisch eine scharfe Grenze zwischen Tieren und Anorganischem festsetzt, ohne das irgendwie ausreichend zu begründen. „Ohne die Existenz — sagt der Verf. — eines dem Stoffwechsel nicht unterliegenden intelligenten Prinzips wäre selbstbewußtes objektives Denken, wäre die Selb- ständigkeit unseres Denkens gegenüber unseren Em- pfindungen und Vorstellungen , wäre die dauernde Identität unserer Individualität nicht nur unerkläibar sondern geradezu unmöglich." Mit diesem Eintreten für die „Seelen sub s tan z" entfernt sich Verf. von denjenigen Anschauungen , die auf der Basis der heutigen naturwissenschaftlichen Errungenschaften un- annehmbar sind. Kl. u. P. Prof. Dr. Eugen Dreher, Philosophische Ab- handlungen. Berlin (R. v. Decker's Verlag) 1903. Preis 3 Mk. Die vorliegenden Abhandlungen des verstorbenen Verfassers wurden von seiner Gattin gesammelt und noch einmal zusammenhängend herausgegeben ; ein- geleitet wird das Buch durch eine Biographie, ge- schlossen durch ein Verzeichnis sämtlicher Schriften des Verfassers. Dreher vertrat einen dualistischen Standpunkt: Geist und Stoff waren für ihn unverein- bare Gegensätze. Die Abhandlungen behandeln die verschiedensten Stoffe: Die geistigen Strömungen N. F. III. Nr. 5 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 79 während des Mittelalters und der Neuzeit, Friedrich den Großen, Goethe, Darwin usw. Die Abhandlungen sind flott und geistvoll geschrieben. P. David Friedrich Straufs, Der alte und der neue Glaube. Hin liekenntnis. Volks-.-\usgabe in unverkürzter Form. i6. Aufl. Bonn (Emil Sirauß) „1904". — l'reis 1 Mk. — — , Das Leben Jesu für das deutsche Volk bearbeitet. Volks - Ausgabe in unverkürzter Form. 2 Teile. 13. Auflage. Bonn (Emil Strauß) „1904". — Preis 2 Mark. I ) Das berühmte, unter i genannte Werk erscheint hiermit in einer wirklich billigen und recht gut ge- druckten Volksausgabe; viel über dasselbe in einer Anzeige jetzt noch zu sagen, hieße Eulen nach Athen tragen. Wir beschränken uns daher daran zu erinnern, daß in dem i. Abschnitt das Christentum kritisch er- örtert wird, im 2. die Frage behandelt wird, „ob wir noch Religion haben", eine Frage, die eine bedingte Bejahung findet, der 3. .Abschnitt ist eine ungemein klare und fes- selnde Darstellung der modernen Naturauffassung, bei der wir nur die Zugeständnisse an den Materialismus etwas bedenklich finden würden , da Strauß diesbe- züglich noch auf dem Standpunkt Carl Vogt's steht, indem er das Gehirn nicht, wie man das heute muß, als eine Voraussetzung oder Bedingung des Seelenlebens auffaßt, sondern als den .Apparat der Seele bezeichnet. Im 4. ijetzten) Abschnitt gibt Strauß dann eine kurze Sittenlehre, die — da die Idee der (lattung als lebender Begriff an die Spitze gestellt wird — nicht als materialistisch, sondern als idealistisch bezeichnet werden muß. In den Zugaben bietet er prächtige, feinfühlige Erörterungen über unsere großen Dichter und Klassiker. Wir hoffen sehr, daß durch die verdienstliche , billige Volksausgabe das Buch wieder viele Leser erhält. Geschrieben ist es ja so einfach und durchsichtig, daß es — wie einmal ein Kritiker sagte — nachmittags zum Kaffee gelesen werden kann ; Strauß erwidert freilich darauf, daß es aber nicht beim Kaft'ee geschrieben worden sei, was ihm wohl zu glauben ist. 2 1 Das Leben Jesu ist eine mehr volkstümliche Bearbeitung des berühmten größeren 1835 erschienenen Werkes gleichen Titels, die mitveranlaßt wurde durch das Erscheinen von Renan's „La vie de Jesu". Kl. u. P. Fisher et Darby, Manuel elementaire pra- tique de Mesures electriques sur les c a b 1 e s s o u s - m a r i n s. Traduit de 1' Anglais par Ldon Husson. Paris, Gauthier-Villars. 1903. 174 pages. — Prix 5 frcs. Das für den Praktiker gewiß recht brauchbare Handbuch zerfällt in zwei Teile. Im ersten wird die Theorie und Praxis der in Betracht konnnenden elek- trischen Meßmethoden im allgemeinen entwickelt, während im zweiten Teile die speziell zum Zweck der Lokalisation von Kabelbrüchen ersonnenen, geistvollen Verfahren eingehend geschildert werden. Jede in dem Buche beschriebene Methode wird durch ein Zahlenbeispiel erläutert, aucli unterstützen zahlreiche Schaltungsskizzen , die stellenweise allerdings etwas deutlicher sein könnten, das Verständnis des Textes. F. Kbr. J. Boussinesq, membre de l'institut, professeur ä la faculte des sciences de luni versite de Paris. T h e o r i e a n a 1 }■ t i ij u e de 1 a c h a 1 e u r m i s e an h a r - monie avec lathermodynamiqueetavec 1 a t h e o r i e m e c a n i q u e de 1 a I u m i e r e. Tome II. Refroi dissemen t et echauffe- ni e n t par r a y o n n e m e n t , c o n d u c t i b i 1 i t e des tiges, lames et masses cristaUines, courants de convection, theorie meca- nique de la lumiere. XXXII. 625 S. gr. 8". Paris, Gauthier-Villars, 1903. Dem ersten vor 2 Jahren erschienenen Bande der 'Pheorie de la chaleur hat der Verfasser jetzt den zweiten , bedeutend umfangreicheren , folgen lassen. Zunächst behandelt er die Zurückführung von Fa- wärmung und Abkühlung durch Strahlung auf die durch Berührung, und die Anwendung auf die Ab- kühlung der Erdrinde u. a., dann die .Ausbreitung der Wärme in einem homogenen Körper, die Leitungs- fähigkeit, die Verteilung der Temperatur um eine Wärmequelle herum ; ferner die Wärmebewegung in Körpern mit sichtbaren Bewegungen ( Deformation oder Vibration). Beigefügt sind 2 größere Noten über den Widerstand, den ein in eine Flüssigkeit getauchter fester Körper ihren Schwingungen entgegensetzt, als Typus der Wirkungen der Körpermoleküle auf den .Äther, und eine Lichttheorie als Ausführung des Inhalts des 3. und 4. Kapitels des i. Bandes. .A. S. Dr. Arnold Berliner, Lehrbuch der Experi- mentalphysik in elementarer Darstel- lung. Mit 3 lithographischen Tafeln und 695 zum Teil farbigen Abbildungen im Text. XVI u. 857 S. gr. 8". — Preis brosch. 14 Mk., geb. r6.5o Mk. Jena, G. Fischer. 1903. Das Buch wendet sich neben den angehenden Ptiysikern besonders an Mediziner, Chemiker und andere, die die Physik als Hilfswissenschaft brauchen. Ihre Kenntnisse und Bedürfnisse bestimmen den dar- gestellten Stoff' und die vorausgesetzten mathematischen Kenntnisse. Die Darstellung ist, dem Leserkreis an- gepaßt, breiter, als man sie sonst in Physikbüchern findet. Aber auch der Stoft' ist nicht in allen Stücken derselbe, wie in den meisten Physikbüchern sonst. Besonders in der Optik, wo auf die Abbesche Theorie der Instrumente eingegangen wird, weicht die Dar- stellung teilweise erheblich von der sonst üblichen ab. Von dem Herkoinmen weichen auch Figuren ab, die auf 3 Tafeln beigegeben sind. Sie sind so einge- richttt, daß man Teile der Figur aufklappen kann, so daß z. B. bei der Polarisation die Ebenen, in denen die Lichtschwingungen verlaufen, wirklich im Raum vor dem Leser liegen, und nicht nur eine schwer verständliche Projektionsfigur sie erläutert. In der Elektrizität sind den Bedürfnissen des Chemikers entsprechend die Anschauungen der Elektro- chemie breit dargestellt ; die Lehre von den Ionen, die Nernstsche Theorie der galvanischen Elemente, 8o Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. S die Elektrolyse sind in der Art und Ausführlichkeit behandelt, wie es ihrer Wichtigkeit entspricht. Wenn man beim Lesen des Buches durchaus dem lobenden Urteil zustimmen wird, das Prof. L. Her- mann-Königsberg in einem beigegebenen Begleitwort aussjjricht , so sei doch der Wunsch geäußert, daß in der nächsten Auflage die Figuren durchgehend von geübten Zeichnern hergestellt werden möchten ; Abbildungen wie Figg. 384, 375, 288, 276, 207, 163, 164, 153 und viele andere können doch schöner und deutlicher sein. Auch Satzfehler, wie zuverl- ässigsten (S. 794), Zin's (Fig. 201), Rob. Jul. Meyer (S. 67), hätten wohl vermieden werden können. A. S. Prof. Dr. Karl Hofmann, Die radioaktiven Stoffe nach dem gegenwärtigen Stande der wissen- schaftlichen Erkenntnis. Leipzig, J. A. Barth. 1903. 54 Seiten. — Preis 1,60 Mk. Die Schrift stellt in recht übersichtlicher Weise unsere bis zum September 1902 gewonnenen Kennt- nisse über die radioaktiven Stoffe zusammen und bietet zugleich eine genaue Geschichte der Entstehung dieser Kenntnisse nebst vollständigem Literaturnach- weise. F. Kbr. Briefkasten. Herrn Landmesser F. in 1*. — Ihr eingesandter -Aufsatz ,,Der Verkehr mit den Marsbewohnern" ist für unsere Zeit- schrift ungeeignet, da die Idee nicht neu, aber praktisch kaum durchführbar ist. Wir sind auch nicht in der Lage, Ihnen jemand zu nennen, der der Sache vermutlich näher treten würde. — Im übrigen bemerken wir bei dieser Gelegenheit, daß bei unerbeten eingehenden Manuskripten eine frankierte Rücksendung nur dann erfolgen kann, wenn das Rückporto beigefügt ist. Herrn P. Fl. in Leipzig. — Herr Prof. Hennings em- pfiehlt Ihnen zur flrientierung über die Präparations-Methoden von Pilzen für Sammlungen: Herpel (in St. Goar), Das Prä- parieren fleischiger Hutpilze. — Damm er, M. , Handbuch für Pflanzensammler. (Mit 59 Te.\tfig., 13 Tafeln). Stuttgart (F. Enke) 1891. — .X b ha nd lung en d. botan. Vereins der Provinz Brandenburg. Bd. XXXI. (Gebr. Borntraeger-Berlin.) Herrn Dr. E. F. in Luxemburg. — Die aus ,, Daily Chronicle'' in verschiedene deutsche Zeitungen übergegangene Nachricht von einem die Sumpfgegenden von Britisch-Neu- guinea bewohnenden wilden Menschenstamm, der infolge aus- schlieülichen Baumlebens das Gehen verlernt und eine im Ver- hältnis zum Rumpf sehr starke Rückbildung der unteren Glied- mal^en erfahren hat, ist allerdings geeignet, Aufsehen zu machen. Sie würde, wenn sie sich bewahrheitet, den Anhängern Lamarck'scher Anschauungen Recht geben. (obgleich vor einiger Zeit eine ähnliche Kunde durch die Blätter ging, bleibt indessen Bestätigung abzuwarten. L. Wilser. Neue botanische Werke aus dem Verlage von Gustav Fischer in Jena. Das kleine pflanzenphysiologis che Praktikum. Anleitung zu ptlanzenphysiologischen Ex- perimenten. Für Studierende und Lehrer der Naturwissenfcbafteii. Von Dr. W. Detmer, Prof. an der Universität in Jena. Mit 163 Abbildungen. 1903. Preis: brosch. 5 Mark liO Pf., geb. 6 ilaik 50 Pf. lieber Erblichkeit in Populationen und in reinen Linien ^'" t^eitrag zur tSeleui^htuui; schwebende]' Selektionsfragen. Von W. Jotaannsen, Prof. der Pflanzenphysiologie an der königl. dänischen land- wirtschaftlichen Hochschule in Kopenhagen. Preis: 1 Mark 50 Pf. Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzen- reiCheS. ^'^^ Hochschulen und zum Selbstunterricht. Mit Rücksicht auf das neue Deutsche Arznei- buch. Von Dr. George Karsten, a. o. Prof. der Botanik an der Universität Bonn. Mit 5^8 Abbildungen im Text. 1903, Preis: 6 Mark, geb. 7 Mark. Bisher erschien Heft 1 — 5 der: Vegetationsbilder. y°"TP'- <*•. .Karsteo, Prof, an der Universität Bonn, und Dr. H. Seheuk, Prof. an der Technischen Hochschule Darmstadt. Der Preis für das Heft von 6 Tafelu ist auf 3,50 Mark festgesetzt worden unter der Voraus- setzung, dass alle Lieferungen bezogen werden. Einzelne Hefte werden mit 4 Mark berechnet. Willkürliche Entwickelungsänderungen bei Pflanzen. -''-''" Beitj^ag zur Physiologie der Ent- 1 Wickelung. Von Dr. Georg Klebs in Halle a. S. Mit 28 Textabbildungen. Preis: 4 Mark. Ueber die Organisation und Physiologie der Cyanophyceenzelle und die mitotische Teilung ihres Kernes v^"] ^^- f. (j- Kohi, a. o. Prot, der üotanik an der Universität Marburg. Mit 10 lithooraphischen Tafeln. Preis: 20 Mark. Botanische Practica, i^- .T"'* '• Practieum der bo- tanischen Bakterleukunde. Einführung in die Methoden der botanischen Unter- suchung und Bestimmung der Bakterienspezies. Von Dr. Arthur Meyer, 0. Prof. der Botanik an der Univers. Marburg. Mit einer farbigen Tafel und 31 Textab- bildungen. 1903. Preis : 4 Mark .50 Pf , geb. 5 Mark 20 Pf. Der rote Brenner des Weinstockes. ^"^ «^^ ■ ■ Schweize- rischen Versuchsanstalt für übst-, Wein- und Garten- bau in Wädensweil. Von Hermann MUHer-Thurgan. Abdruck aus dem Zentralblatt für Bakteriologie, Para- sitenkunde und Infektionskrankheiten, II. Abteilung- Bd. X. Preis: 3 Mark 60 Pf. Dendrologische"' Winterstudien. Grundlegende vor- — — • arbeiten lür eine eingehende Beschreibung der Unterscheidungsmerkmale der in Mitteleuropa heimisch, und angepflanzt, soramer- grünen Gehölze im blattlosen Zustand. Von CarailloKarl Schneider. Mit 224 Textabb. Preis: 7 Mark 50 Pf. Inhalt: 11. Haupt: Leuchtende Organismen. — Dr. F. Koerber: Die Entwicklung der achromatischen, optischen Systeme. — Kleinere Mitteilungen: Dr. Ludwig Wilser: Die Urheimat des Menschengeschlechts. — Eugen Andreae: Inwiefern werden Insekten durch Farbe und Duft der Blumen angezogen? — Prof. M. Wolf: Ein neuer Stern. — Prof. M. Wolf: Der Gegenschein. — Bana c h i c wi cz: Eine Sternbedeckung durch Jupiter. — Himmels- erscheinungen im November 1903. — Aus dem wissenschaftlichen Leben. — Bücherbesprechungen: Dr. med. Leo N. : Hat das Menschenleben einen Zweck? — Prof. Dr. Eugen Dreher: Philosophische Abhandlungen. David Friedrich Strauß: Der alte und der neue Glaube. — Das Leben Jesu. — Fish er et D a rby :''Manuel elementaire pratique de Mesures electriques sur les cables sous-marins. — J. Boussinesq: Theorie analytique de la chaleur. — Dr. Arnold Berliner: Lehrbuch der Experimentalphysik in elementarer Darstellung. — Prof. Dr. Jvarl Hof mann: Die radioaktiven Stoffe. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Prof. Dr. H. Potonie, Grofs-Lichterfelde-West b. Berlin. nnicU von Lippert Ä Co. (G. Pätz'sche Bnchdr.), Nanmhurjj a. S. <^w? Einschliefslich der Zeitschrift ,,L)l6 JNätUr (Halle a. S.) seit i. April 1902. Organ der Deutschen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde in Berlin. Redaktion: Professor Dr. H. Potonie und Oberlehrer Dr. F. Koerber in Grofs-Lichterfelde-West bei Berlin. Verlag von Gustav Fischer in Jena. Neue Folge III. Band; der ganzen Reihe XIX. Band. Sonntag, den 8. November 1903. Nr. 6. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen und Postanstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M. 1.50. Bringegeld bei der Post 15 Pfg. extra. Postzeitungsliste Nr. 5446. Inserate : Die zweigespaltene Petitzeile 50 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt. Beilagen nacli Über- einkunft. Inseratenannahme durch Max Gelsdorf, Leipzig- Gohlis, Blumenstraße 46, Buchhändlerinserate durch die Verlagshandlung erbeten. Der 14. deutsche Geographentag. [Nachdruck verboten.] Seit dem Jahre 1881 tritt, meist in Abständen von 2 Jaiiren , der deutsche Geographentag zu- sammen. Die Vorträge und Erörterungen, zu denen es bei diesen bisher stets anregend und liarmonisch verlaufenen Versammlungen kommt, bieten ein so gutes Bild von den augenblicklich im Vordergründe stehenden Aufgaben und Zielen erdkundlicher Forschung, daß ein Bericht über den Geographentag ein wesentliches Stück der Schilderung von dem gegenwärtigen Stande der geographischen Wissenschaft in sich schließt. — Die Pfingsttagung, welche die deutschen Geo- graphen in diesem Jahre in Köln abhielten, stand unter dem starken und freudigen Eindruck, den die gerade eintreffenden Nachrichten von der Rück- kehr der deutschen Südpolarexpedition auf der GauiB hervorriefen. Seit langem ist der deutsche Geographentag für die Erforschung der Südpolar- gebiete eingetreten. Er hatte bei der 11. Tagung zu Bremen im Jahre 1895 eine eigene Kommission für antarktische Unternehmungen aus seinem Schöße heraus gebildet, und es war eine hohe Genug- tuung, als auf der 13. Tagung in Breslau zu Pfingsten 1901 diese Kommisson aufgelöst werden konnte. Von Dr. Felix Lampe. weil die Expedition gebildet war und vor ihrer Abreise stand. Wie damals in der ersten Sitzung des Geographentages ein Teilnehmer der ins Süd- ]joIargebiet ausziehenden Expedition über zu lösende .Aufgaben der antarktischen Forschung sprach, war in diesem Jahre auf der 14. Tagung der erste Vortrag ein Bericht von einem Mitgliede der Kerguelenstation, die zur deutschen Südpolar- expedition gehörte. Was an Wehmut durch die Mitteilungen von den Leiden erzeugt wurde, welche die auf den einsamen, unwirtlichen Inseln im süd- indischen Meere abgeschnittenen deutschen Forscher während eines Jahres zu erdulden hatten, wurde aufgewogen durch die aus Durban eintreffende Kunde von der guten Gesundheit an Bord des Expeditionsschiffes, das im April die Antarktis verlassen hatte. Die wissenschaftliche Arbeit des 14. Geographen- tages, gestützt durch die freudige Stimmimg über die Erfolge der deutschen Südpolarforschuiig und angenehm unterbrochen durch, eine Reihe ge- selliger Feste, ist nicht gering gewesen, wenn- gleich es an besonders hervorragenden Einzelheiten sebrach. Die erste Sitzung war den Berichten zu- 82 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 6 rückgekehrter Reisender gewidmet, die zweite und dritte den Beratungen über zwei junge, aufblühende Seitenzweige der Geographie, die Meereskunde und die Wirtschaftsgeographie. Die vierte Sitzung war der Schulgeographie eingeräumt, für deren Förderung im Interesse der Popularisierung der geographischen Forschungen der deutsche Geo- graphentag stets warm eingetreten ist. In der fünften Sitzung war die Landeskunde des Gebietes, in dem die Tagung stattfand, der Gegenstand der Vorträge. Die letzte Sitzung brachte dann die Nachlese und die geschäftlichen Beratungen. Unter diesen ist erwähnenswert die Erhöhung des Mit- gliedbeitrages von 6 auf lo Mark und des Teil- nehmerbeitrages von 4 auf 6 Mark. Ferner wurde die in Breslau gewählte Kommisson für erdkund- lichen Unterricht an höheren Schulen neu gebildet und, um ihr mehr Beweglichkeit zu schaffen, in der Mitgliederzahl beschränkt. An den folgenden drei Tagen fanden Ausflüge statt, die sich an die Ver- handlungen über Wirtschaftsgeographie und über die Landeskunde der Rheingebiete anschlössen. Es wurden das Siebengebirge, die Basaltbrüche auf dem Westerwald bei Linz und die vulkanische Eifel besucht, andererseits die Hochöfen des Eschweiler Bergwerkvereins, die Eisen- und Walzwerke der Roten Erde bei Aachen und die Talsperre im Urfttale unterhalb Gemünd besichtigt. Es würde zu weit führen, im einzelnen hier die teils geo- logischen, teils wirtschaftsgeographischen Beob- achtungen zu verfolgen, zu denen die in ihrer Anlage äußerst zweckmäßig vorbereiteten und bei der Durchführung wegen der geschickten Leitung höchst lehrreichen Ausflüge Anlaß gaben. Doch muß betont werden, daß selbst in äußerlich so trefflich bekannten Gebieten, wie das alte Kultur- land des Rheins eins ist, gerade infolge sich ständig vertiefender Forschungen eine immer sich er- neuernde Zahl von Forschungsaufgaben auf- taucht, deren Lösung noch im weiten Felde steht. Es sei aus dem Bereich der geologischen Ausflüge nur die Frage nach der Entstehung des Traß er- wähnt. Auch darf nicht vergessen werden, daß in Köln eine trefi"lich beschickte Ausstellung von höchst interessanten geographischen Gegenständen für die Tagung zusammengebracht war. Die Ent- wicklung der kartographischen Darstellung der Rheinlande war von einer alten Stadtansicht aus dem Jahre 1531 über die Werke des Rheinländers Mercator und des Kölner Geographen Vopell fort bis in die Gegenwart zu verfolgen, und ebenso reiche Anregungen boten die Abteilungen der Ausstellung, welche seitens der geologischen Landes- anstalt, des Bonner Oberbergamts und einer Reihe von Privatindustriellen zur Veranschaulichung der Bodenverhältnisse und Bodenschätze der Rhein- provinz zusammengestellt waren, und die anderen, welche die Arbeiten der Stromregulierungen, den Handelsverkehr, die Niederschlagsverhältnisse ver- anschaulichten. An erster Stelle unter den 24 Vorträgen, welche auf dem Kölner Geographentag gehalten wurden, stand der Bericht des Dr. Luyken über die d e u t seh e Kerguelenstation. Sie war eingerichtet, um für den international vereinbarten Zeitabschnitt vom I. Februar 1902 bis zum i. Februar 1903 erd- magnetische und meteorologische Beobachtungen auszuführen, die zunächst mit denen korrespon- dieren sollten, welche die im Süden der Kerguelen tätige Gaußexpedition anzustellen hatte, weiterhin aber mit den Beobachtungen der englischen Dis- covery-Expedition im Süden von Australien und in Lyttelton auf Neuseeland, schließlich mit denen der schwedischen Expedition auf der Antarctic im Süden von Amerika und der argentinischen Station auf der Staateninsel, damit ein Bild von den Zuständen des Erdmagnetismus und der Witte- rung im ganzen Südpolargebiet entsteht. Das Zahlenmaterial der Kerguelenbeobachtungen konnte natürlich in Köln noch nicht vorge- bracht werden , besitzt seinen Wert auch erst in Verbindung mit dem der übrigen 5 Stationen, zu denen sich dann noch Kapstadt gesellt. Eben- sowenig konnten die Sammlungen vorgelegt werden, welche auf den Kerguelen zusammengebracht sind. Es war immerhin erfreulich zu hören, daß trotz der schlechten Gesundheitsverhältnisse, unter denen die Mitglieder zu leiden hatten, sämtliche Termin- beobachtungen durchgeführt und reiche Samm- lungen in der Stationsumgebung angelegt sind. Pinguine und andere Seevögel lebend nach Europa zu bringen glückte nicht, da die Tiere infolge freiwilliger Nahrungsenthaltung eingingen. Vor allem zu bedauern ist, daß abgesehen von einem vorbereitenden Ausfluge von 5 Tagen keine Durch- forschung der Inselgruppe stattfinden konnte, so daß die Landeskunde nicht gefördert ist. Was an Beobachtungen vom Tier- und Pflanzenleben, vom Witterungs- und Landschaftscharakter mitgeteilt werden konnte, bestätigte nur schon vorhandene Kenntnisse. Auf den Inseln herrscht ein ozeanisch ausgeglichenes Klima. Die höchste beobachtete Wärme betrug 18" C; meist stand das Thermo- meter einige Grade über o, nie beträchtlich unter dem Gefrierpunkt. Die fast beständig stürmische Witterung verleiht aber dem Tier- und Pflanzen- leben einen antarktischen Zug. Bäume und Sträucher gedeihen nicht; dagegen wuchern überall die Flechten. In der Nähe der Station wurden 20 neue Phanerogamen gefunden. Weite Verbreituno- haben der Acena die früher ausgesetzten Kanin*^ chen verschafft, die an ihrem Fell die Kletten- früchte verschleppen. Dagegen ist der eßbare Kerguelenkohl durch diese Tiere fast ausgerottet. Das Robben- und Pinguinleben war in der Stations- umgebung recht arm, im Gegensatz zu den Schilde- rungen anderer Reisender. Die Insekten sind, ab- gesehen von einer Mückenart, wie aucii ander- wärts auf sturmumtobten Inseln, flügellos. Das Landschaftsbild, in dem sich das Meer mit tief in die Inselgruppen eingreifenden Fjorden und eine Reihe von beträchtlich hoch ansteigenden Berg- massen mit reichlicher Schneebedeckung zu ab- wechslungsvoller Einheit zusammenfinden, wird von N. F. III. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 83 Dr. Luyken als ein überaus schönes geschildert. Mit Recht nahm einen breiten Raum in seinem Bericht die Erzählung der persönlichen Erlebnisse ein, vor allem die Schilderung von der Beriberi- Erkrankung des Dr. Werth und vom Tode des Dr. Enzensperger an demselben Tropenleiden, das anscheinend durch die Chinesenmannschaft des Transportdampfers eingeschleppt war, welcher die Reisenden auf die Inseln brachte. Prof. Sapper, im Früh jähr aus Weslindien zurück- gekehrt, behandelte darauf die vulkanischen Er- scheinungen in Guatemala und auf den Antillen. Erdbebenstöße in der Richtung auf die Vulkane von Guatemala hatten die Bevölkerung dort bereits gewarnt, als die großen Ausbrüche des Santa Maria und Izalco eintraten ; der Mont Pele von Marti- nique und die Soufriere auf St. Vincent begannen weit unerwarteter ihre Tätigkeit. Und doch haben beide Gebiete trotz der 3000 km Entfernung offen- bar im Wechselverhältnis gestanden, wie die stets in kurzer Zeit aufeinander folgenden Katastrophen auf den Antillen und in Guatemala beweisen. Ein- mal begann die vulkanische Tätigkeit an der einen, das andere Mal an der anderen Stelle. Die Art der Aus- brüche unterschied sichfreilich. Aufdem mittelameri- kanischen F'estlande erhoben sich in geysirähn- lichen Explosionen hohe Pinienwolken ; auf den An- tillen stürzten oder krochen überquellende Wolken- massen in den Vertiefungen des Geländes herab. Dort wurden 5000 qkm Land mit ungeheuren Aschenmassen überstreut ; hier fiel nur wenig Asche, so daß in Martinique und St. Vincent zu- sammen vielleicht nur 200 qkm Land in Mitleiden- schaft gezogen wurden. Sind in Guatemala deshalb große Materialverluste zu beklagen, so übertreffen der Mont Pele und die Soufriere wegen der Schnelligkeit der herabfallenden heißen Gase die festländischen Vulkane durch die Zahl der Menschen- leben, die zugrunde gegangen sind: 32 und 16 Tausend gegen nur 500. Aus den Talsohlen sind auf den Antillen die Aschen leichter vom reichlich abfließenden Wasser bereits entfernt worden, als auf dem weiten, ebenen Überschüttungsgebiet in Guatemala; auch finden sich weder an der Soufriere noch am Mont Pele Laven, Schlacken, Lapilli. Nur an höheren Teilen der Berggehänge liegen kantige Blöcke aus der Bergunterlage, beispielsweise An- desite auf Martinique; in Guatemala ist es da- gegen zu Lavaergüssen gekommen und viel Bim- steine sind gefallen. In St. Vincent sind die Ver- änderungen des Geländes kaum merkbar und be- schränken sich in Martinique auf den Gipfel des Vulkans; auch der Meeresboden der Umgebung scheint keine wesentlichen Umgestaltungen erfahren zu haben. Dagegen sind an den Vulkanen in Guatemala beträchtliche topographische Umfor- mungen vor sich gegangen. Selbst in der Weise, wie der Mensch helfend und das Unglück mil- dernd nach den Katastrophen eingegriffen hat, unterscheiden sich St. Vincent, Martinique und Guatemala. Hier verkündete die Regierung sofort Standrecht, tat aber, abgesehen von Wegherstel- lungen, nicht viel, und von Geldbeihilfen war schon deshalb keine Rede, weil niemand den Behörden größere Summen zur Verteilung anvertraute. In Martinique haben die Franzosen in musterhafter Weise einen wissenschaftlichen Beobachtungsdienst eingerichtet. Die Engländer dagegen begründeten landwirtschaftliche Hilfsstationen, so daß auf St. Vin- cent von Zerstörungen wenig mehr zu sehen ist. In Guatemala sind die Besitzer der Kaffeepflan- zungen am meisten geschädigt. Von 50 Millionen Mark im betroffenen Gebiet angelegten Kapitals dürfte die Hälfte verloren sein, darunter sehr viel deutsches. Die indianischen Pflanzungsarbeiter hatten sich gerade zur Ernte eingefunden und ihre Arbeitsvorschüsse erhalten, als das Unglück herein- brach. Sie begaben sich schleunigst in ihre Heimat zurück und werden eher gewonnen als verloren haben. Unter allen vulkaiüschen Erscheinungen Westindiens bleiben am rätselhaftesten die steile, etwa 250 m hohe P'elsnadel, welche täglich um 2 bis 10 m aus dem Schlünde des Mont Pele hervorwächst und oben andauernd abbröckelt, ferner die Natur der Gaswolken, deren Zusammensetzung noch unklar ist. Um ihre Wärme zu messen, haben die Franzosen Metallkörper in den Weg gelegt, den die Wolken am Berge herab zu nehmen pflegen. Bei den kleineren Explosionswolken ist nicht einmal Zinn geschmolzen ; sie können also nicht über 230" warm sein. Die neueren Forschungsreisen gewidmeten Sitzungen wurden durch eine überaus klare mor- phologische Darstellung abgeschlossen, die Dr. Friedrichsen aus Hamburg auf Grund seiner Teilnahme an einer vom Mai bis Oktober 1902 im Tienschan tätigen, von der Universität Tomsk ent- sendeten Expedition über die zentralen Teile dieses gewaltigen Kettengebirges entwarf. Orographisch sind im Gebiete des 6895 m hohen Khan Tengri 2 Gebirgsknoten zu unterscheiden, welche durch 3 Parellelketten verbunden sind. Aller Abfluß strömt von diesen beiden Bergmassiven herab, benutzt die Längstäler zwischen den Ketten und sammelt sich in der einen Abzugsrinne des Aksu, der in ungangbarem, engem Querdurchbruch zum Tarimbecken sich einen Weg durch sämtliche Ketten bahnt. Petrographisch sind zu unterscheiden alte Schiefer und kristalline Gesteine, dann permo- karbonische Sandsteine und Konglomerate. Die Oberflächenformen werden von der Gesteinsart stark beeinflußt. Seit jenen sehr weit zurück- liegenden paläozoischen Zeiten scheint keine Meeres- bedeckung auf dem Berglande Spuren hinterlassen zu haben. Nur Gletscher haben noch umge- staltend an den Bergformen gearbeitet. Das Land- schaftsbild des Gebirges unterscheidet sich da- durch von dem Charakter etwa unserer Alpen, daß der Vegetationsfuß nicht bis an die Kappe der Gletscher und des Dauerschnees reicht, sondern daß mächtige Geröllhalden sich dazwischen schieben. Die Talböden liegen hoch und sind oft weite Ebenen, deren Flankenketten viele Kilometer weit auseinander liegen. Sie zeigen die Formen der 84 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. ITI. Nr. 6 Peneplains und überall die Tätigkeit subaerischer Denudation, wie sie ein trockenes Klima bedingt. Die Gletscher sind gegen frühere Zeiten ganz ge- waltig eingeschrumpft, und ihre Zungenenden ver- lieren sich zum Teil im umlagernden Moränen- schutt. In die Talebenen sind dann wieder enge Erosionsschluchten der Flüsse eingegraben. Die Bergketten zeigen an sich alpine Formen, besonders in der Nähe der Verknotungsmassive, sind aber selten tief eingeschartet. Den ozeanographischen Vorträgen ging voraus ein Bericht des Straßburger Professors Gerland über die Erdbebenforschung. Auf Betreiben dieses jetzt schon im 7 1. Lebensjahre stehenden, um die Erd- bebenkunde überaus verdienten Gelehrten wurde be- reits auf dem Berliner internationalen Geographen- kongreß von 1899 der Beschluß gefaßt, einen die ganze Erde umspannenden Beobachtungsdienst ein- zurichten, der die -Schwankungen der Erdrinde ver- folgen soll. Wirklich trat behufs einer ersten Organisation im Jahre 1901 eine internationale Konferenz in .Straßburg zusammen, und im ver- flossenen Juli hat zum zweiten Male solche Konferenz in Straßburg stattgefunden. Nicht nur Erdbebenstöße sondern auch Gesamtbewegungen von Flächenteilen der Erdkruste, mikroseismische Schwankungen, Lotveränderungen, Seebeben, Schall- phänomene sollen nach vereinbarten , möglichst gleichen Methoden beobachtet, mit gleichen In- strumenten gemessen, dann in gleichartig aufge- stellten Tabellen registriert und graphisch wie kartographisch dargestellt werden. Praktische Ver- wertung wird dieses internationale Studium der Erd-Seismizität finden durch Untersuchungen über die Sicherheit der verschiedenen Baugründe in Schüttergebieten, der Gewölbebauten, Hausbauart, der Schlagenden Wetter in Bergwerken. Zur Er- forschung der Seismizität Deutschlands werden in Aachen, Karlsruhe, Darmstadt, München, Göttingen, Hamburg, Leipzig, Jena, Breslau, Königsberg, Pots- dam Beobachtungsstationen erster Ordnung ein- gerichtet, außer denen noch Nebenstationen für mikroseismische Bewegungen tätig sein sollen. Den Mittelpunkt dieser deutschen wie der inter- nationalen Beobachtungen wird Straßburg bilden. Die beiden ozeanographischen Vorträge be- schäftigten sich mit den Meeresströmungen, und zwar trat Prof. Schmidt aus Potsdam warm für die Erforschung der bisher noch wenig bekannten Be- wegungen des Meereswassers in der Tiefe ein ; Dr. Schott aus Hamburg dagegen zog aus dem reichen Tatsachenmaterial, das über Schiffsver- setzungen auf den Dampferwegen von England nach New York vorliegt, Schlüsse überdie Eigenart der Oberflächenströmungen. Prof Schmidt schlug vor, vertikale und horizontale Tiefsee- strömungen durch direkte Messungen mit Hilfe schwimmender, in bestimmten Tiefen zu haltender Bojen zu beobachten. Ein Schiff müsse ihnen folgen, eingerichtet als schwimmendes Observato- rium, das zugleich eine einwandfreie magnetische Vermessung der Ozeane vorzunehmen habe. Auf ihm würden außerdem ozeanographische Forscher eine praktische Studienzeit durchmachen können, die den theoretischen P'ortschritten der jungen Wissenschaft der Meereskunde zugute kommen werde. Die Schiffsversetzungen geben dagegen für die Erkenntnis der oberflächlichen Meeres- strömungen schon einen reichen Beobachtungs- stoff, und es besitzt das Verständnis der Ober- flächenströmungen einen hohen praktischen Wert für die Schiffsleitung. Nach Dr. Schott steht die Größe der Stromversetzung in umgekehrtem Ver- hältnis zur Schiffsgröße , scheint aber von der Schnelligkeit und Maschinenkraft der Schiffe un- abhängig zu sein. Ausnahmsweise große Ver- setzungen infolge besonderer Windverhältnisse oder unregelmäßiger Strömungserscheinungen betreffen jedoch gleichmäßig Schiffe aller Größen. Außer- dem fügte Dr. Schott noch eine Reihe von Regeln hinzu, die sich für die Schiffsversetzungen auf dem nordatlantischen Meere ergeben, und aus denen man deutlich den Einfluß des Golfstroms wie der nördlichen kalten Neufundland-Strömung er- sieht. Überdie Erörterungen, welche die schulgeo- graphische Sitzu ng ausfüllten, eingehender zu berichten, ist hier nicht der geeignete Platz. Die geographische Wissenschaft strebt nach Vertiefung des Verständnisses für Oberflächenformen und klimatische Erscheinungen, für Lebensverhältnisse von Pflanzen, Tieren und Menschen, für die Be- dingtheit wirtschaftlicher Vorgänge und staatlicher Zustände durch die Tatsachen, welche die Natur im allgemeinen und in den einzelnen Sonderfällen darbietet. Zweifellos versucht der geographische Unterricht an einer großen Mehrzahl der Schulen nicht, diesem Streben auch Schülern gegenüber geeigneten Ausdruck zu verleihen, sondern läßt sich an Gedächtnisarbeit der Einprägung von topo- graphischen Gegebenheiten genügen. Ausdehnung des Geographieunterrichts auf die Oberklassen von Gymnasien und Realgymnasien, Verwendung aus- reichend vorgebildeter Lehrer für ihn, Verbesse- rung von Lehrmitteln und Lehrmethoden, Ab- stellung von allen irgend zur öffentlichen Kenntnis gelangenden Mängeln in betreff dieses Unterrichts, diese vor allem erstrebenswerten Ziele hat der deutsche Geographentag bei früheren Sitzungen und auch bei der Kölner Zusammenkunft unter leben- digem Zusammenwirken von Hochschulprofessoren und Oberlehrern durch Vorträge und Debatten zu klären und in erreichbare Nähe zu rücken ver- sucht. Es wäre nur dringend zu wünschen, daß seitens der im Geographieunterricht beschäftigten Lehrer und seitens der Direktoren und Behörden von den mancherlei wertvollen Anregungen dieser schulgeographischen Sitzungen aus den gedruckten Verhandlungen Kenntnis genommen würde und daß vor allem die vom Geographentage einge- setzte Kommission für Schulgeographie von inter- essierten Kreisen in Anspruch genommen würde, sei es durch Mitteilung von Wünschen und Re- formideen, sei es durch Anzeige hervorgetretener N. F. m. Nr. 6 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 8S Ubelstände und Schwierigkeiten.*) Außer allge- meinen Besprechungen über die Lage des erd- kundlichen Schulunterrichts brachte die Sitzung einen Vortrag vom Direktor Stein ecke aus Pissen über die Stellung der Geographie an Re- formschulen und zwei Erörterungen über die Her- stellung von Heimatkarten (Reallciirer Steinel aus Kaiserslautern und Dr, Haack aus Gotha). Will die Erdkunde die Gesamtheit der Er- scheinungen auf der Erdoberfläche in ihrem Zu- sammenhange als einheitliches Bild erfassen, will sie nach dem Verhältnis von Grund und Folge den Reichtum der Wechselwirkungen begreifen, aus denen der besondere Charakter der einzelnen Landindividualitäten und die auf dem ganzen Erden- runde herrschenden Zustände hervorgehen, dann ist sie darauf angewiesen, unter steter Anwendung der ihr eigenen räumlichen Anschauungsweise, unter Ablehnung philosoi)hischer Spekulationen, fußend auf gesicherten Maßen und Zahlen, eine bedeutende Menge von Ergebnissen anderer Wissen- schaften zu übernehmen und in und miteinander zu verarbeiten. Unzweifelhaft liegt die Gefahr nahe, daß der Geograph, persönlichen Liebhabereien und Sonderneigungen folgend, dabei von den eigent- lich erdkundlichen Betrachtungen abschweifend sich in Nachbarwissenschaften hinein verirrt und daß umgekehrt F"orscher auf dem Gebiete solcher verwandten Wissenschaften um einzelner für die Erdkunde wichtiger Ergebnisse halber ihre Ar- beiten als geographische Forschungen ansehen. Dieser t'belstand ist bei der Kölner Tagung mehr- fach merklich hervorgetreten, einmal bei der Sitzung, welche sich mit der Wirtschaftsgeographie be- schäftigte, dann bei den Vorträgen, welche die Kenntnis des Rheinlandes vertiefen sollten. Hier handelte es sich um Sonderfragen bei einem in den Grundzügen geographisch genau bekannten Gebiet, und solche Einzeluntersuchungen führen leicht auf Seitenbahnen. So wurden floristischc Beobachtungen aufgezählt und von der Lebens- geschichte der Sprudelwürmer Interessantes mit- geteilt. Bei der Wirtschaftsgeographie galt es umgekehrt das Arbeitsfeld einer jungen Teilwissen- schaft der Erdkunde erst abzustecken, und es wird bei der Grenzfestlegung neuer Wissenschaften leicht zu Abschweifungen auf fremde Gebiete kommen. So wurde über volkswirtschaftliche Fragen wie Tarife und Zollpolitik in Vergangenheit und Gegen- wart vorgetragen und debattiert. Aber der über- quellende Reichtum der geographischen Tatsachen und Gegenstände darf nicht zum Verhängnis an der Wissenschaft selbst werden, indem er Zersplitterung hervorruft, während doch darnach gestrebt wird, Gesamtbilder von Ländern und Völkern, von den all- gemein aufder Erdoberfläche herrschendenZuständen zu entwerfen. Vom zoologischen, botanischen, volks- ') In Köln wurde zum Vorsitzenden dieser Kommission Ober- lehrer H. Fischer in Berlin (Bellcalliancestr. 69) erwählt. An- dere Mitglieder sind; Direktor .\uler (Dortmund), die Ober- lehrer Gruber (München), Lampe (Berlin), Wermbter (Rasten- burg), Wolkenhauer (Bremen), Zemmrich (Plauen). wirtschaftlichen Arbeitsmaterial, welches in diesen durchweg tmgemein sorgfältigen Untersuchungen und überaus lehrreichen Vorträgen dem Geographen- tage vorgelegt wurde, kam vieles für die Erdkunde nicht in Betracht; die aus demselben sich ergebenden, für die Geographie vielleicht wichtigen Schlüsse wurden jedoch, zum Teil aus dem äußerlichen Umstände, weil des Redners Zeit abgelaufen war, nicht ausreichend in ihrer Bedeutsamkeit für die erdkundliche Wissenschaft gekennzeichnet. An dieser Stelle werde nur auf die erdkundlichen Ergebnisse zunächst der wirtschaftsgeograpiiischcn Sitzung, dann der landeskundlichen eingegangen. Gleich der erste Vortrag unter den wirtschafts- geographischen bemühte sich, den Gegenstandund die F"orschungsmethode der Wirtschaftsgeogra- phie gegen die verwandten volkswirtschaftlichen, ge- schichtlichen und naturkundlichen Wissenschaften möglichst klar abzugrenzen. Mit Recht betonte Prof Sieger aus Wien in seinen Ausführungen über diese vielverzweigten Fragen, daß es bisher eine deutlich ihrer Ziele und Arbeitsweisen sich be- wußte Wirtschaftsgeographie noch gar nicht gebe und daß sie ihr Forschungsfeld durchaus nicht einfach nach dem Maßstabe der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit der zu behandelnden Tatsachen zur Geographie abstecken könne; denn selbst Grenzzölle sind in ihrer Eigenart geographisch bedingt und haben umgekehrt eine oft sehr ent- scheidende Rückwirkung auf die Entwicklung eines geographischen Wirtschaftsgebietes. Doch wird der Wirtschaftsgeograph, wenngleich er des ge- samten statistischen Materials volkswirtschaftlicher Art nicht entraten kann, dergleichen die National- ökonomie zunächst angehende Tatsachen nach eigenen, vor allen Dingen räumlichen Gesichts- punkten durcharbeiten müssen , bedarf also der Kenntnisse von der Statistik, um das Urmaterial selbständig kritisch behandeln zu können. Es gehört dazu auch historische Schulung, Übung in der Quellenforschung, kurz geschichtliches Wissen sowohl von Fatsachen wie von Forschungsmetho- den. Zu dritt gilt es geographische Kenntnisse, vornehmlich Kenntnisse von der rein geographischen Literatur zu verwerten, und das Vermögen zu ent- wickeln, sich kartographischer Hilfsmittel zu be- dienen, sowohl um aus ihnen zu lernen, wie um sie für eigene Arbeiten fruchtbar zu machen. Schließlich bleibt aber wie beim landeskundlichen Forschungsreisenden das wichtigste Erfordernis Autopsie und die Kunst persönlich scharf zu sehen. Durchdringen sich diese Fähigkeiten und Kennt- nisse, so wird das Ergebnis der Einzelforschung, wird der Gesamtcharakter der wirtschaftsgeographi- schen Wissenschaft am besten sich darstellen lassen als ein Teilergebnis und eine Teilwissenschaft der Anthropogeographie. Wie aber bei dieser und überhaupt bei der Geographie ein L^nterschied besteht zwischen der Einzelerforschung der Völker und der besonderen Siedelungen und andererseits der allgemeinen Überblicke, zwischen der Länder- kunde und der allgemeinen Erdkunde, so wird 86 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. N. F. III. Nr. 6 auch ein gewisser Gegensatz der Forschungs- methode, eine Verschiedenheit der Gesichtspunkte bei der Betrachtung entstehen müssen zwischen der allgemein en Wirtschaftsl